Will ins Rathaus einziehen: Daniel Fluhrer (rechts) wurde jetzt vom SPD-Kreisvorsitzenden Parsa Marvi vorgestellt. | Foto: jodo

Daniel Fluhrer ist parteilos

SPD präsentiert Bürgermeisterkandidaten

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Die Karlsruher Sozialdemokraten haben einen neuen Bürgermeisterkandidaten präsentiert: Daniel Fluhrer leitet bislang das Stadtplanungsamt in Esslingen, er ist Vater von fünf Kindern und – parteilos. Letzteres ist zumindest ungewöhnlich, immerhin bricht die SPD hier mit der Tradition, einen Karlsruher Genossen als Bürgermeisterkandidaten zu benennen. Der SPD-Kreisvorsitzende Parsa Marvi reagiert gelassen: „Die Interessen der Stadt stehen klar vor den Interessen der SPD.“

Die SPD bricht mit der Tradition

Man habe fast zwei Jahre nach dem perfekten Kandidaten gesucht, sei in den eigenen Reihen aber nicht fündig geworden. Dass der Kandidat nun parteilos ist, stört die Karlsruher Sozialdemokraten wenig – „so lange er sich zu Zielen bekennt, die wir als SPD teilen“, wie Marvi betont. Gibt es in den eigenen Reihen Unmut wegen dieser Entscheidung? Der Kreisvorsitzende schüttelt den Kopf: SPD-Gemeinderatsfraktion, Kreisvorstand und zuletzt die Kreisdelegiertenkonferenz am Donnerstagabend haben die Bewerbung Fluhrers einstimmig unterstützt.

Fluhrer soll auf Obert folgen

Vor zwei Jahren hatte die SPD darauf verzichtet, einen zweiten Bürgermeisterposten zu besetzen – aus Ermangelung eines geeigneten Kandidaten. Damals wurde die Amtszeit von Baubürgermeister Michael Obert um weitere zwei Jahre verlängert. Die SPD schloss seinerzeit ein Abkommen mit der sogenannten Zählgemeinschaft im Gemeinderat – bestehend aus FDP, GfK, Freien Wählern und Einzelstadtrat Stefan Schmitt. Dieses sah vor, das von der Zählgemeinschaft favorisierte FDP-Mitglied Obert zu unterstützen. Im Gegenzug versprach die Zählgemeinschaft, sich hinter einen künftigen SPD-Kandidaten zu stellen. Das letzte Wort hat der Gemeinderat. Bürgermeister Michael Obert wird im Herbst nächsten Jahres aus dem Amt ausscheiden.

Fachliche Exzellenz

„Das Baudezernat ist ein Schlüsseldezernat“, betont Kreisvorsitzender Marvi. Der SPD sei es wichtig, in der künftigen Stadtentwicklung das Augenmerk vor allem auf bezahlbaren Wohnraum und eine attraktive Architektur zu legen. Mit Fluhrer wolle man „fachliche Exzellenz“ nach Karlsruhe holen. Dies begrüßt auch die Gruppe „amPuls“, ein Zusammenschluss von Architekten aus der Architektenkammer Karlsruhe. Die Gruppe hatte sich schon länger für einen Baubürgermeister mit entsprechendem Fachwissen stark gemacht.

Schnittmenge mit den Sozialdemokraten

Der 42-jährige Architekt sieht selbst eine „große Schnittmenge“ mit den Sozialdemokraten. In der Urbanität einer Stadt sei das „soziale Miteinander“ sehr wichtig. „Man muss einen Lebensraum schaffen, in dem sich die Bürger begegnen“, so der SPD-Kandidat, der als Architekt und Stadtplaner auch Erfahrungen in der freien Wirtschaft gesammelt hat. Die „Baustellen-Hauptstadt“ Karlsruhe sieht er als große Herausforderung: „Für einen Baubürgermeister gibt es nichts besseres als Baustellen.“

Karlsruhe, die große, weite Welt

Überhaupt: Karlsruhe. Zu der Fächerstadt hat Fluhrer ein besonderes Verhältnis. Aufgewachsen in Ladenburg, sei Karlsruhe für ihn zu Jugendzeiten immer ein Synonym für die „große, weite Welt“ gewesen. Die Menschen der Fächerstadt mit ihrem „sonnigen Gemüt und ihrer professionellen Gelassenheit“ habe er schon lange in sein Herz geschlossen. Gerne verbringt der Familienvater hier Zeit mit seiner Frau („unseren Hochzeitstag zum Beispiel“), geht auf dem Ludwigsplatz Kaffee trinken. „Karlsruhe ist eine spannende Stadt“, sagt er.

Die Familie will umziehen

Als Baubürgermeister würde er auch in die Fächerstadt ziehen – mit der ganzen Familie. Seine fünf Kinder sind zwischen vier und zwölf Jahren alt. „Mein Engagement in Karlsruhe sollte schon ein langfristiges sein“, hofft er.