Nicht wie ein typischer Nerd wirkt Alexander Rösner. Der Gründer der Karlsruher Spielefirma Gameforge saß jedoch in seiner Jugend nahezu nur vor dem Computer – und zockt auch heute noch privat gerne. | Foto: pr

Alexander Rösner im Portrait

Spiele statt Suchmaschine

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Alexander Rösner erinnert sich noch genau an den Tag, als plötzlich das Licht aus ging. „Und dann war alles weg“, sagt der Chef des Karlsruher Spiele-Entwicklers Gameforge. Mehr als 30 Jahre liegt dieser Moment zurück. Rösner war damals 14 Jahre alt, hatte sich gerade seinen ersten Computer gekauft, einen C64. „Als ich den angemacht habe, war da nur eine Kommandozeile“, erzählt der heute 48-Jährige. Er machte sich ans Werk und tippte ein Computerspiel ab. In mühevoller Arbeit gab er den gesamten Code von „Moonlander“ ein. „Das hat bis nachts um halb zehn gedauert.“ Danach konnte Rösner endlich ein verpixeltes kleines Raumschiff mit zwei Tasten steuern.

Doch schon kurze Zeit später kam seine Mutter ins Zimmer und sagte: „So, genug gespielt.“ Mit einem Klicken ging das Licht aus – und mit diesem auch der Strom für den Computer. Stundenlange Abtipp-Arbeit war mit einem Fingerdruck vernichtet. Rösner erzählt die Geschichte mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht – auch wenn er inzwischen herzlich darüber lachen kann.

Faszination für Computer

Heute bestimmt Rösner selbst, wann das Licht an und aus geht. Als Chef von Gameforge ist er für etwa 400 Mitarbeiter zuständig, die Menschen vor allem das Spielen im Internet ermöglichen. „Spiele und Internet“, mit diesen beiden Wörtern würde Rösner selbst sein Tun beschreiben, das von einer großen Faszination für Computer geprägt ist. „Man hat ein großes Maß an Kontrolle über das, was Computer machen sollen. Wenn man ihnen etwas exakt vorgibt, tun sie es auch.“

Schon als Jugendlicher programmierte Rösner seine Lieblingsspiele nach. „Das war etwas, das mir sehr gut gefallen hat. Auch weil es eine schwierige Herausforderung war.“ Bis er etwa 17 Jahre alt war, habe er deswegen nahezu nur am Computer gesessen. „Ich war einer von zwei Nerds bei mir auf der Schule.“ Die befand sich in Horrenberg bei Wiesloch. Rösners Wurzeln liegen allerdings nicht dort. Als Sohn eines Bundeswehrsoldaten kam er viel herum. Vom Geburtsort Hofgeismar nördlich von Kassel ging es über Wuppertal bis nach Belgien. Erst anschließend verschlug es ihn ins Badische, wo er letztlich auch Informatik in Karlsruhe studierte. „Das war die richtige Entscheidung für mich.“

Mitten in der Entstehung des Internets

Rückblickend lässt sich diese Aussage relativ leicht treffen. Denn in Karlsruhe erhielt Rösner nicht nur die Ausbildung für seine spätere Berufslaufbahn, er erlebte auch die Anfänge des Internets hautnah mit. „Ich war unter anderem in dem Hiwi-Pool, der sich um die Domainverwaltung für ganz Deutschland kümmerte. Also mitten drin in der Entstehung des Internets.“ Seine Aufgaben hielten sich allerdings in Grenzen. „Ich musste eigentlich nur aufpassen, dass mein Rechner lief.“ Es habe somit viele Möglichkeiten gegeben, sich anderweitig zu beschäftigen.

Rösner ging deshalb unter anderem der Frage nach, wie man die ganzen Webseiten, die damals im Internet entstanden, eigentlich sinnvoll suchen kann. „Ein Programm, mit dem man suchen kann, das gibt es noch nicht. Das wäre doch eine ganz gute Idee, habe ich mir damals gedacht“, sagt Rösner und lacht. Diese Idee hat Google zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt gemacht. Rösner hat den Gedanken nicht weiter intensiv verfolgt. Er tat sich stattdessen mit drei Studienkollegen zusammen und bot mit ihnen eine Webseitengestaltung für Firmen an.

Die jungen Unternehmer sind schließlich auf ein anderes Start-up gestoßen, das auf einem ähnlichen Markt punkten wollte: die Firma Schlund und Partner, die später in der heutigen 1&1 Internet AG aufging. Mit dem eigentlichen Webseiten-Verkauf hatte Rösner bei Schlund weniger zu tun, er kümmerte sich eher um die technischen Abläufe. Und dann war da noch die Idee mit der Suchmaschine. Der 48-Jährige entwickelte doch noch ein solches Programm für deutsche Webseiten. Allerdings seien 1996 einige Firmen in den USA in Sachen Suchmaschinen schon deutlich weiter gewesen. Der Verkauf der Online-Auftritte erwies sich als lukrativer und unkomplizierter.

Mit Browserspiel zum Durchbruch

Im Zuge des Schlund-Verkaufs an 1&1 machte auch Rösner seine Anteile zu Geld, blieb allerdings noch bis 2001 in der Firma. Was ihm fehlte, war ein Studienabschluss. Den hatte er wegen der Firmengründung auf Eis gelegt. „In Karlsruhe konntest du damals aber noch so lange studieren wie du willst. So lange du nur die Studiengebühren bezahlst. Und das konnte ich mir zu dem Zeitpunkt schon leisten“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Als fertiger Manager holte Rösner seinen Abschluss nach. „Ich hatte aber nur vier Stunden Uni in der Woche, musste also irgendwie die restliche Zeit totschlagen.“ Browserspiele im Internet wurden zum Zeitvertreib. Und Rösner tat das, was er schon in der Jugend tat: Er programmierte Spiele nach. Aus „Galaxy Wars“ wurde schließlich „OGame“. Mit dem Vermarktungswissen, das sich Rösner bei 1&1 angeeignet hatte, machte er das Browserspiel zum Verkaufsschlager.

„OGame“ bildete die Grundlage für Gameforge. Mit Rösner steht der Mitgründer bis heute an der Spitze des Unternehmens. Ein Spielenarr ist er immer noch, auch privat. „Ich nenne das dann Wettbewerbsbeobachtung.“ Allerdings habe sich das Profil etwas geändert. Programmieren könne er eigentlich gar nicht mehr so richtig. Es stecke eher eine Forschungskomponente dahinter. Insofern sehe er auch noch viele Chancen für seine Firma. Einige hat Rösner indes schon verpasst – etwa die Sache mit der Suchmaschine. Auch dem mobilen Markt, also Spielen auf Handys, habe er selbst keine große Zukunft gegeben. Und sich somit geirrt. „Aber es bringt nichts, mit solchen Dingen zu hadern.“ Verpasste Chancen oder ausgeknipste Lichtschalter dürften letztlich nur zwischenzeitliche Rückschläge sein.