Eintracht Frankfurt - SC Freiburg
Der Freiburger Robin Koch (2.v.r.) erzielt per Kopfball den Ausgleich zum 1:1. | Foto: Arne Dedert

Mangelnde Chancenverwertung

14:2 Torschüsse, 1:1 Tore: Frankfurt hadert

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Frankfurt/Main (dpa) – So sauer hat man Niko Kovac selten erlebt. «Ich bin maßlos verärgert. Ich bin richtig stinkig», sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem 1:1 (1:0) gegen den SC Freiburg im ersten Spiel des neuen Bundesliga-Jahres.

Dass seine Mannschaft im eigenen Stadion deutlich weniger Punkte holt als auswärts, ist für ihn keine neue Erkenntnis. Aber so leichtfertig wie an diesem Samstag hat die Eintracht den dritten Heimsieg der Saison nur selten aus der Hand gegeben. 14:2 Torschüsse standen am Ende in der Statistik. Allein in der ersten Halbzeit vergaben die Frankfurter vor und nach dem Führungstor durch Sebastien Haller (28.) noch fünf weitere gute Möglichkeiten.

«So ist Fußball», sagte auch Omar Mascarell. «Wenn du die Chancen nicht nutzt, musst du das teuer bezahlen.» An diesem Nachmittag war der Preis dafür der Freiburger Ausgleich durch das erste Bundesliga-Tor von Robin Koch (51.).

Dem Tabellen-13. bescherte dieser Treffer einen weiteren wichtigen Punkt im Abstiegskampf. Seit sechs Spielen sind die Freiburger in der Liga mittlerweile unbesiegt. Wirklich gerechnet hatten sie damit selbst nicht, wie ihr Trainer Christian Streich hinterher gestand. Denn nachdem sich auch noch Yoric Ravet und Tim Kleindienst verletzt hatten, fehlten dem SC am Samstag sechs potenzielle Stammspieler.

«In dieser Woche haben wir bei den vielen Verletzten schon gedacht: Wie soll das heute gehen? Und in der ersten Halbzeit ist es nicht gut gegangen, das hat jeder gesehen», sagte Streich. «Am Ende bin ich froh, dass wir nach einem Rückstand wieder zu einem Unentschieden gekommen sind und uns für die bessere zweite Halbzeit belohnt haben. Fußballerisch war der Ball heute viel in der Luft. Das ist eigentlich nicht unser Spiel, aber heute war es nicht anders möglich.»

Es war in der Tat ein merkwürdiges Spiel im Frankfurter Stadtwald. Die Eintracht spielte eine gute erste und eine miserable zweite Halbzeit. Bei den Gästen war es nach Streichs taktischer Umstellung in der Halbzeitpause (Dreier- statt Viererkette in der Abwehr) genau umgekehrt. Auf der einen Seite war das spielerische Niveau zeitweise so dürftig, als wähnten sich beide Teams noch in der Winterpause bei einem Testspiel unter spanischer Sonne statt in einem Bundesliga-Stadion vor 45 300 Zuschauern. Auf der anderen Seite gestatteten sich beide gegenseitig eine Reihe klarer Torchancen.

Die Freiburger schafften sogar das Kunststück, in der ersten Halbzeit nicht einmal aufs Tor zu schießen und trotzdem zwei dicke Chancen zu versieben. In der 13. Minute fälschte Frankfurts Marco Russ eine Flanke von Bartosz Kapustka so ab, dass der Ball an den Innenpfosten und von dort auf die Torlinie flog. Nur fünf Minuten später stürmten die beiden SC-Angreifer Nils Petersen und Lucas Höler unbedrängt auf das Tor zu. Petersen legte den Ball jedoch so ungeschickt quer, dass der einzige Frankfurter weit und breit klären konnte (18.).

Die Frankfurter kamen wiederum mit den Freiburger Umstellungen in der zweiten Hälfte nicht klar. Nach dem Ausgleich trauten sie sich nichts mehr zu. «Wir schaffen es nicht, über 90 Minuten zwei gleichstarke Halbzeiten hinzukriegen. Aber wir arbeiten daran», sagte Kovac.

So hatte die Eintracht nach 90 Minuten nur einen Grund zur Freude: Das Comeback von Mascarell. Fast neun Monate musste der Spanier wegen einer Achillessehnen-Verletzung pausieren. Am Samstag kam er zum ersten Mal seit dem DFB-Pokal-Halbfinale im April in Mönchengladbach wieder zum Einsatz – und war lange Zeit sogar der beste Frankfurter. «Omar war klasse. Respekt, ein tolles Comeback», meinte Sportvorstand Fredi Bobic. Nur Mascarell selbst war nicht ganz zufrieden: «Es wäre schöner gewesen, mit einem Sieg zurückzukehren», sagte er.