Der frühere BNN-Sportredakteur Ralf Kattwinkel, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1999, verstarb in Thailand im Alter von 70 Jahren. | Foto: GES

BNN trauern um Ralf Kattwinkel

Als Sport-Chronist so hart wie fair

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Wie oft war man Zeuge dieser wiederkehrenden Begegnungen geworden: „Und Ralf, wie geht’s?“ Ralf lachte seine Fragesteller an. Seine Standard-Antwort klingt einem noch in den Ohren: „Gut, soweit ich weiß.“ Das Musterbeispiel des „bunten Hundes“, des unverbesserlichen Filous, der jeden in der hiesigen Sportlandschaft kannte und der auch zu späterer Stunde keinem Plausch aus dem Wege ging, begegnete Nachwuchsjournalisten in den 1990ern in Gestalt Ralf Kattwinkels.

Vielseitig und offen

Als Stellvertreter Rainer Specks, des damaligen BNN-Sportchefs, war der aus dem sauerländischen Meinerzhagen stammende Kattwinkel irgendwie in allen erdenklichen Spielarten des Sports am Ball. Zudem war er einer der wenigen Menschen um einen herum, die ohne jede Aufschneiderei von sich behaupten durften, sogar das Skispringen von der Schanze einmal selbst ausprobiert zu haben.

Seinen Ehrgeiz lebte der Reporter, der 1979 von den Lüdenscheider Nachrichten zu den BNN gewechselt war, privat in allen Ballsportarten aus. Beruflich entwickelte er ein Faible für den Faustkampf wie auch fürs Judo und Karate. Daneben scheute Kattwinkel auch gelegentliche Ausflüge in die Schiedsrichterei nicht. Gerne erzählt er, auch mal ein Jugendfußballspiel von einem der Wimmer-Söhne gepfiffen zu haben.

Der „bunte Hund“ aus dem BNN-Mutterhaus in Neureut lehrte den Nachwuchs also, dass es die höhere Sportredakteursschule verlangt, kommunikativ, nicht festgelegt und bei alldem neugierig zu sein. Auf Menschen. Und auf das, was das „bunte Hundeleben“ bereithält. Den Mitmenschen servierte der Katzenliebhaber und Hobby-Koch seinen Humor mit Vorliebe locker-flockig – seinen Kollegen zu den Großkampf-Sonntagen im Ressort Lecker-Häppchen. Sie sollten nicht vom Fleisch fallen.

Kattwinkel war wohl tief im Herzen auch das, was man unter einem Kümmerer versteht. Würde er das über sich lesen, fiele sein Urteil so trocken und hart aus wie ein Aufwärtshaken: „Küchen-Psychologe!“, käme sicher. Zur Freude seiner Leser kümmerte sich Kattwinkel jedenfalls um hintergründige Einblicke in hiesige Sportlandschaften. Seine Kommentare und Reportagen gingen in sprachlicher Klarheit auch dorthin, wo es weh tat. Er war dabei so hart wie fair.

Lebensabend in Thailand

2006 ging Kattwinkel in den Ruhestand, einige Jahre später für immer nach Thailand. Ein neues Leben. Doch auch fernab Badens blieb der Genussmensch auch dank alter BNN-Drähte bestens informiert, was beim KSC, den Löwen oder überhaupt im Sport los war.

Als seine Freunde und früheren Kollegen nichts mehr von ihm bei Facebook lasen, war das komisch. Man ahnte: Ralf ging‘s nicht gut – und er wusste das. Mit nunmehr auch behördlich verbürgter Gewissheit haben wir trauernd zur Kenntnis zu nehmen: „rk“ ist am 4. Februar in Hua Hin im Alter von 70 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.