Ob in dieser Saison in Baden noch einmal gekickt wird, ist offen. Die Verbände sind dafür, die Spielzeit abzubrechen.
Ob in dieser Saison in Baden noch einmal gekickt wird, ist offen. Die Verbände sind dafür, die Spielzeit abzubrechen. | Foto: GES

Lob aus den Fußballkreisen

Amateurfußball in Baden: Verbände empfehlen Abbruch, Verbandstag hat das letzte Wort

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Wird in dieser Spielzeit in den Amateurklassen in Baden noch einmal gekickt? Auch nach diesem Dienstag haben die Fußballclubs von der Verbandsliga bis hinunter in die Kreisklassen noch nicht abschließend Gewissheit bei dieser Frage. Die Zeichen stehen allerdings auf Abbruch.

Wie die drei Landesverbände in Baden-Württemberg, darunter der Badische Fußballverband (bfv) und der Südbadische Fußball-Verband (SBFV), mitteilten, sprechen sie sich dafür aus, die wegen Corona unterbrochene Saison nicht zu Ende zu spielen, da nicht abschätzbar sei, „wann Mannschaftssport – und demnach Fußballspiele im eigentlich Sinn – wieder erlaubt sein werden“.

Die Alternative: Die Runde über den 30. Juni hinaus fortsetzen. Die endgültige Entscheidung soll jeweils ein außerordentlicher Verbandstag treffen, der zeitgleich in allen drei Verbänden am 20. Juni stattfinden soll. Zuvor sollen auch die Clubs im bfv-Gebiet beziehungsweise im Bereich des SBFV zu ihrer Meinung befragt werden.

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Unterschiedliche Beschlüsse auf Verbandstagen am 20. Juni möglich

„Uns ist klar, dass die Vereine sich schnellst möglich eine verbindliche Entscheidung wünschen. Ein kleines Bisschen mehr Geduld müssen wir alle aber noch haben“, sagte bfv-Präsident Ronny Zimmermann, der betonte: „Ich bin glücklich, dass wir eine gemeinsame Regelung hinbekommen haben.“

Klar ist aber auch: Sollten die Verbandstage am 20. Juni voneinander abweichende Beschlüsse fassen, würden dies auch in Kraft treten und ein gemeinsames Vorgehen wäre nicht möglich. In jedem Fall, so bestätigte Zimmermann, stünden nur die zwei genannten Szenarien zur Debatte.

Kreisvorsitzende befürworten Vorgehen, Kritik aus Bezirk Baden-Baden

In den einzelnen Fußballkreisen kommt die Vorgehensweise der Verbände im Wesentlichen gut an. „Es geht um eine Grundsatzentscheidung und ich finde es daher gut, dass die Vereine daran beteiligt werden. Es ist der transparenteste Weg“, sagte etwa Benjamin Pieper, Vorsitzender des Fußballkreises Pforzheim. Sein Kollege Ralf Longerich aus dem Kreis Bruchsal sieht das ähnlich: „Ich finde gut, dass die Vereine eingebunden wurden und dass sie das letzte Wort haben.“ Auch Thomas Rößler hält eine Beteiligung der Vereine für sinnvoll. Der Vorsitzende des Fußballkreises Karlsruhe ist nach der Rückmeldung der Clubs aus dem eigenen Kreis dafür, die Saison abzubrechen.

Kritik kommt dagegen aus dem Bezirk Baden-Baden, der dem Südbadischen Verband angehört. „Mein Favorit wäre ein ganz anderer Weg gewesen: Pausieren bis zum Ende dieses Jahres und dann die Saison 2019/20 im März 2021 fortsetzen. Dann macht man nur eine Runde kaputt“, sagte Vito Voncina, Vorsitzender des Bezirks Baden-Baden, der sich zudem eine einheitliche Lösung für ganz Deutschland gewünscht hätte.

Entscheidung soll auch für Frauen und Jugend gelten

Gelten soll die Entscheidung der drei Landesverbände in allen Spielklassen der Männer und der Frauen von den Verbandsligen bis zu den Kreisstaffeln sowie bei der Jugend. Die Verbände wollen sich außerdem dafür einsetzen, dass auch die Gesellschafterversammlungen der Oberliga Baden-Württemberg und der Regionalliga Südwest in diesem Sinne entscheiden.

Quotienten-Regel entscheidet über direkte Aufsteiger

Sollte es tatsächlich zu einem Abbruch kommen, sollen die direkten Aufsteiger über den Quotienten aus erzielten Gewinnpunkten und ausgetragenen Spielen (Quotienten-Regel) ermittelt werden. Absteiger soll es bei diesem Szenario ebenso wenig geben wie die Chance, über die Relegation aufzusteigen. „Die Quotienten-Regelung ist diejenige, die von der rechtlichen Seite her die beste ist“, erklärte Thomas Schmidt, Präsident des SBFV.

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Saison-Fortsetzung frühestens ab 1. September möglich

Das Alternativ-Szenario Saison-Fortsetzung könne frühestens ab dem 1. September greifen, teilten die Landesverbände mit. Geklärt werden müsste in diesem Fall, wie man mit der Transferperiode verfährt, die eigentlich vom 1. Juli bis zum 31. August dauert, sowie mit den Kontrakten von sogenannten Vertragsspielern. Zudem besteht die Gefahr, dass es in den übergeordneten Spielklassen zu Überschneidungen mit der neuen Runde 2020/21 kommen könnte.

Sonderregelung für Pokalwettbewerbe möglich

Ausdrücklich von der aktuellen Entscheidung ausgenommen sind die Pokalwettbewerbe in Nord- und in Südbaden. Hier könnten abweichende Regelungen greifen, zumal es auch darum geht, die Teilnehmer am DFB-Pokal zu ermitteln. Offen ist zudem noch, in welchem Spielmodus die Saison 2020/21 ausgetragen wird. Fest steht bereits, dass es im Falle eines Abbruchs in der Folgesaison zu einem vermehrten Abstieg kommen wird. SBFV-Präsident Schmidt sprach von bis zu fünf Absteigern.

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Rechtsgutachten und Dialog mit Vereinen zur Vorbereitung

Die drei Landesverbände in Baden-Württemberg lassen sich im Gegensatz zu Entscheidungsträgern aus anderen Bundesländern mit ihrem Beschluss Zeit. Unter anderem hatten die Verbände bereits ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um rechtliche Folgen einer Spielzeit-Verlängerung über den 30. Juni hinaus beziehungsweise eines Saisonabbruchs prüfen zu lassen. Zudem wurde in Videokonferenzen die Meinung der Vereine aus den unterschiedlichen Spielklassen abgefragt. Nun sollen die Clubs im Vorfeld des Verbandstages noch einmal gehört werden.

Fußball-Deutschland wird zum Flickenteppich

In Deutschland hat sich in Sachen Amateurfußball indes längst ein Flickenteppich gebildet. Während Bayern frühzeitig vorgeprescht ist und entschieden hat, die Runde nach Möglichkeit nach dem 1. September fortzusetzen, haben sich Funktionäre in anderen Bundesländern für ein Abbruch-Szenario ausgesprochen, so etwa in Schleswig-Holstein oder in Westfalen.