Justin Gordon links) ist in Karlsruhe angekommen. Seine Teamkollegen, hier Emil Savic und Marcus Stroman, lobt er für deren Qualität.

Karlsruhe

Basketball-Profi Justin Gordon: Das Training bei den PSK Lions ist das intensivste

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Melbourne, Essaouira in Marokko, Rotterdam, Karlsruhe: Klingt nach einer abwechslungsreichen Reise. Sind aber die Profi-Etappen von Justin Gordon. Der Basketballer ist einer von neun Neuzugängen und verstärkt seit diesem Jahr die PSK Lions als Small Forward, also als Flügelspieler. Die ständigen Vereinswechsel sind für den US-Amerikaner Teil des Geschäfts.

Justin Gordon (25) schlurft als letzter aus der Kabine der Wildparkhalle am Dienstagmittag. Dort trainieren die Basketballer von den PSK Lions bis zu zwei Mal am Tag, um sich auf die neue Saison in der ProA vorzubereiten. ProA, so heißt die zweite Liga im Basketball. Für Gordon und seine neuen Teamkollegen geht es gleich zum Mittagessen. Am Nachmittag steht die nächste Einheit von Coach Ivan Rudez auf dem Programm. Intensiv sei das, sagt der Flügelspieler. „Mehr als anderswo.“  Das sei aber auch wichtig und „pusht“ die Mannschaft, erklärt Gordon. „Ich habe zur Zeit so viel mit Basketball zu tun, dass ich noch keinen Sprachunterricht nehmen konnte“, sagt er und lacht dabei verschämt.

Bisher sei die holländische Liga die stärkste gewesen, in der er gespielt habe. „Da waren auch Teams dabei, die an er Euro-League teilgenommen haben“, erinnert sich Gordon.

PSK-Profi Gordon: In Deutschland liegt der Fokus auf der Defensive

„In Deutschland ist alles besser organisiert – vor allem das Training ist viel härter“, zieht der US-Amerikaner einen Vergleich. Und wie schätzt er das Spiel hierzulande ein? „Der Fokus liegt viel mehr auf der Defensive“, sagt der Mann aus Charlotte (North Carolina). Nach sechs Wochen Training in Karlsruhe steht für ihn fest: „In der ProA können alle Basketball spielen. Keiner kann sich eine Pause leisten.“  Und was ist mit dem neuen Team möglich? „So viele Spiele gewinnen“, gibt er die selbe bedachte Antwort wie auch Coach Rubez.

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Justin Gordon spielte für vier Clubs binnen vier Jahren

Der 1,98 Meter große Profi weiß, von was er spricht. Gordon spielt nun für den vierten Club binnen vier Jahren. 2016 verließ er sein College-Team in Wofford, South Carolina, und wagte den Sprung weg aus den USA ans andere Ende der Welt nach Australien. Die Sandringham Sabres aus Melbourne wurden sein erstes Profi-Team. Ein Jahr später ging es zu Amal Essaouira in Marokko. In der vergangenen Saison gehörte er bei Feyenoord Basketball in Rotterdam zu den absoluten Topscorern. Danach ging es nach Karlsruhe. „Ich habe viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht und Kulturen kennengelernt“, will er die vielen Wechsel nicht missen.

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In Holland legte er mehr als 17 Punkte pro Spiel auf. Klappt das auch in der zweiten Liga in Deutschland?  Punkte machen sei nicht seine Hauptaufgabe. „Die Lions sind ein starkes Team, wir haben viele Spieler, die treffen können“, erklärt er beinahe zurückhaltend. Viel Understatement also für einen, der mit seiner Athletik bereits an früheren Stationen für Aufsehen gesorgt hatte.

Slam-Dunk-Video soll kein Maßstab sein

Im Internet kursieren Videos, die Lust auf ein Spektakel in der Europahalle machen. Gordon bewarb sich zu College-Zeiten für einen Slam-Dunk-Contest. Am College drückte er reihenweise Bälle ins Netz – Abschluss immer über Ringhöhe.  „Das waren Sachen, die wir zum Aufwärmen gemacht haben. Das geht nicht im Spiel“, will er die Messlatte nicht zu hoch hängen. Überhaupt müsse er an seinem gesamten Spiel arbeiten.

Dennoch weiß Gordon um seine Fähigkeiten für das Team. Und dazu gehört neben seiner Athletik auch sein guter Basketball-IQ, also sein Verständnis für das Spiel. „Bei den Lions werde ich das nutzen, um für andere Chancen zu kreieren“, sagt er.

Karlsruhe ist wie Rotterdam, nur größer

In Karlsruhe fühlt sich Gordon bisher wohl. Viele Radfahrer und Straßenbahnen – Rotterdam sei so ähnlich gewesen, nur größer. „Ein Kulturschock war es also nicht“, meint der Fan der Los Angeles Lakers lachend. Gordon hilft dabei wieder seine Neugierde auf andere Länder. „Ich will die Chance nicht verpassen, neues zu lernen“, erklärt er. Man wisse schließlich nie, wann man wieder kommt. Worte, die zum Dasein eines Basketball-Profis passen.

Gordon kam mit acht anderen neuen Spielern vor der Saison nach Karlsruhe. Ständige Wechsel sind Teil des Geschäfts. Damit länger beschäftigen will er sich nicht und erklärt nüchtern: „Die Frage nach der Zukunft kommt jedes Jahr auf. Das hängt immer damit zusammen, was die beste Möglichkeit ist. Darum kümmert sich mein Agent.“