Fußball: 2. Bundesliga, FC St. Pauli - Karlsruher SC, 22. Spieltag am 27.02.2017 im Millerntor-Stadion in Hamburg. Karlsruhes Charalampos Mavrias steht niedergeschlagen vor den feiernden St. Pauli Spielern. | Foto: dpa

Debakel hinterlässt Spuren

Beim KSC verschärft sich der Ton

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Draußen vor den Toren sammelten sich entlang des Adenauerrings gerade die Wagen der Narren für den Karlsruher Fastnachtsumzug. Drinnen, auf dem Parkplatz vor dem Wildparkstadion, – 11.02 Uhr war`s da am Dienstag – fuhr derweil der von einer Handvoll Kiebitzen erwartete, weiße Reisebus vor. Er spuckte nach und nach die am Vormittag in Stuttgart gelandeten Insassen aus. Männer, deren Gesichter das ziemlich exakte Gegenteil eines bevorstehenden, kollektiven Übermuts zu erkennen gaben. Einige KSC-Profis steuerten starren Blickes, mittels Kopfhörern von ihrer Umgebung abgekapselt, die Katakomben an. Andere diskutierten und gestikulierten. Über die 0:5-Schmach vom Montagabend reden wollte gegenüber Dritten kaum einer, Dennis Kempe zum Beispiel „heute nicht“.

Hohn und Spott

Auf welche Spieler des neuen Tabellenvorletzten kann man im Abstiegskampf vertrauen? Mirko Slomka war sich noch in den Tagen vor dem Debakel beim FC St. Pauli sicher gewesen. Aus Erfahrung habe er ein Gespür dafür entwickelt, wie Fußballer ticken, hatte er versichert. Welche Spieler seines 34-Mann-Kaders aus dem Holz gemacht sind, um im Zweitliga-Abstiegskampf zu bestehen, glaubte er gut einschätzen zu können. So hatte er nach seiner Ankunft im Wildpark Anfang Januar die KSC-Profis auch nicht mit jenem umfassenden Fragenkatalog konfrontiert, mit dem er weiland bei Hannover 96 aufgewartet und für viel Aufsehen gesorgt hatte. Die seinerzeit gewonnenen Erkenntnisse speisten aber seinen Fundus an Wissen über Psychogramme von Berufsfußballspielern, sagte er, und über deren Zuverlässigkeit.

Karlsruhes Trainer Mirko Slomka verlässt das Millerntor-Stadion nach der 0:5-Klatsche.
Karlsruhes Trainer Mirko Slomka verlässt das Millerntor-Stadion nach der 0:5-Klatsche. | Foto: Axel Heimken/dpa

Umso konsternierter war Slomka am Montagabend gewesen, als auf der Anzeigentafel im Hamburger Millerntor-Stadion die verdiente 0:5-Niederlage seiner Mannschaft aufleuchtete, Hohn und Spott sich über den Häuptern seiner Verlierer ergossen. „Ihr seid besser als der HSV“, sangen Fans des FC St. Pauli in Anspielung an die da zwei Tage zurückliegende 0:8-Niederlage des Hamburger SV gegen den FC Bayern München. Alleine KSC-Torwart Dirk Orlishausen hatte ein ziffernidentisches Debakel verhindert, das, so es eingetreten wäre, sogar das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz bedeutet hätte. „Mir fehlen ein wenig die Worte, denn wir haben heute auf dem Platz viele falsche Entscheidungen getroffen“, hatte Slomka nach der dritten Niederlage in den ersten fünf Partien seiner Amtszeit am Montagabend gesagt.

Kreuzer droht Profis

Nach der Rückkehr aus Hamburg am Dienstagvormittag blieb Slomka ebenso stumm wie der Großteil der Spieler, die sich einiges anzuhören hatten.  Noch im Norden freilich, dann aber am Dienstagabend ab 18 Uhr ganz sicher. Slomka hatte seine Spieler zur ersten Etappe einer „schonungslosen Aufarbeitung“ einbestellt. Eine solche hatte Sportdirektor Oliver Kreuzer angekündigt, der in seinen Worten durchklingen ließ, dass die unerklärbar schwache Leistung im Kellerduell Konsequenzen nach sich ziehen werde. Personelle vielleicht, atmosphärische auf jeden Fall. „Wenn die Spieler es bisher nicht gemerkt haben, worum es geht, muss man es ihnen auf einem anderen Weg erklären“, drohte er und verwies auf den „Matchplan“ des Trainers, den es zu befolgen gelte. „Wenn ich dann sehe, dass ein paar Spieler etwas ganz anderes tun, als das, was der Trainer vorgibt, dann kann das auch nicht funktionieren“, sagte Kreuzer. Nach dem Kollektivversagen sollen die Gründe nach dem Willen des Sportdirektors nun auf den Tisch.

Präsidium will Antworten

Am Dienstagnachmittag suchte auch das Präsidium beim Trainerteam und beim Sportdirektor Antworten auf drängende Fragen. „Das Spiel hat gezeigt, dass es geboten war, dass wir unsere Ansichten vorbringen und die fürs Sportliche Verantwortlichen uns schildern, wie sie das Ganze sehen“, berichtete Präsident Ingo Wellenreuther, ohne ins Detail gehen zu wollen. Also auch nicht auf die Nachfrage, wie deckungsgleich die Meinungen ausfielen. „Klar ist, dass sich so etwas nicht wiederholen darf“, sagte Wellenreuther.

 

(Zur Situation des KSC finden Sie am Mittwoch eine Sonderseite in der BNN-Printausgabe)