Benjamin Parvard
Stuttgarts Benjamin Pavard erlitt einen Faserriss und fällt vorerst aus. | Foto: Federico Gambarini

Niederlage gegen Gladbach

Bitterer Abend für Stuttgart – Zieler: «Das tut brutal weh»

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Mönchengladbach (dpa) – Die Szene nach dem weltmeisterlichen Eigentor von Benjamin Pavard verdeutlichte das ganze Dilemma des VfB Stuttgart in Perfektion.

Der 22-Jährige griff sich sechs Minuten vor Schluss an die Innenseite des rechten Oberschenkels, das Gesicht des Franzosen drückte Schmerzen aus – nicht nur wegen des 0:3 (0:0) bei Borussia Mönchengladbach, sondern wegen des bitteren Abends, den Torhüter Ron-Robert Zieler in einem Satz trefflich zusammenfasste: «Das tut brutal weh.»

Pavard verletzt, Dennis Aogo verletzt, Andreas Beck verletzt, Gelb-Rot für Einwechselspieler Erik Thommy: Nicht nur Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke war restlos bedient. «Wir sind arg gebeutelt», kommentierte der 61-Jährige das Geschehen. Und Trainer Markus Weinzierl merkte sichtlich niedergeschlagen an: «Es ist sehr viel zusammengekommen.» Für Pavard ist die Hinrunde wegen eines Muskelbündelrisses an der Rückseite des rechten Oberschenkels vorzeitig beendet, wie der VfB am Montag mitteilte. Aogo müsse wegen einer Muskelverhärtung in der Wade intensiv behandelt werden, Beck könne möglicherweise gegen Hertha BSC am Samstag wieder spielen.

Die sportlichen Auswirkungen nach den Treffern der Borussia-Joker Raffael in der 69. Minute und von Florian Neuhaus (77.) sind für den VfB mehr als ernüchternd. Der Effekt des Trainerwechsels von Tayfun Korkut zu Weinzierl will sich nicht einstellen. Die größten Problemfelder bis zum Hinrunden-Ende mit den Partien gegen Hertha BSC am Samstag, in Wolfsburg am 18. und gegen Schalke am 22. Dezember muss Weinzierl schnell bearbeiten – und Lösungen finden: Die VfB-Offensive ist mit neun Treffern bemitleidenswert schlecht, die Defensive mit 29 Gegentoren aktuell kaum erstligatauglich.

«Alles läuft an einem solchen Tag gegen dich», klagte Weinzierl, auch wegen der Blessuren von Pavard, Aogo und Beck. Was der VfB in der Winter-Transferperiode zu tun gedenkt, um den Kader für den Abstiegskampf sinnvoll zu ergänzen, ließ der 43-Jährige wie in den Wochen zuvor offen: «Erstmal wollen wir alle Kräfte für die englische Woche mobilisieren.» Für den ehemaligen Nationalstürmer Mario Gomez ist aber spätestens jetzt klar, «dass wir mehr Entlastung brauchen».

Und das speziell in der Offensive. Gomez ist nun schon seit 620 Minuten ohne Bundesligatreffer – und hätte diese persönliche Flaute bei seiner Großchance in der 30. Minute beenden können. Er tat es aber nicht, weswegen sich Reschke in eine Art Galgenhumor flüchtete: «Schwierig ist nicht weit weg von unmöglich», sagte er zu der misslichen Lage und Tabellenplatz 16. «Wir werden den Kopf hochnehmen, weitermachen und natürlich nicht aufgeben», kündigte Gomez an.

Im Jahr 2019 mit Neuen für den Angriff? Es muss eigentlich so kommen bei den Schwaben angesichts der Tore-Misere. Längst kursieren am Neckar Namen: Timothy Weah vom Thomas-Tuchel-Club Paris Saint- Germain, die Dortmunder Sebastian Rode, Shinji Kagawa und Maximilian Philipp, Sandro Wagner von den Bayern oder der Mönchengladbacher Patrick Herrmann werden als VfB-Zugänge gehandelt. Ende: offen. Sicher ist nur: Reschke und Weinzierl sind zum Handeln gezwungen.