Ausdrucksstark: Nationalmannschaftsturnerin Pauline Schäfer (20) geht in der am 20. Mai beginnenden Bundesliga-Saison für die Riege der Kunstturn Region Karlsruhe, die TG Karlsruhe-Söllingen, an die Geräte. | Foto: dpa

Trio aus Chemnitz kommt

Kunstturn Region Karlsruhe will’s wissen

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Paukenschlag in der 1. Kunstturn-Bundesliga der Frauen: Die beiden Chemnitzer Top-Turnerinnen Sophie Scheder (Olympiadritte von Rio 2016 am Stufenbarren) und  Pauline Schäfer (WM-Dritte 2015 am Schwebebalken)  wechseln zur Kunstturn Region Karlsruhe (KRK).  Neben den beiden Nationalmannschaftsturnerinnen  geht auch Talent Helene Schäfer für die KRK  an die Geräte. Das Trio wurde zunächst für ein Jahr ausgeliehen.

Steht im deutschen Frauenturnen eine kleine „Revolution“ bevor? Die Kunstturn Region Karlsruhe (KRK) schickt sich jedenfalls an, mit ihrer Bundesliga-Mannschaft TG Karlsruhe-Söllingen den Dauer-Meister MTV Stuttgart um Kim Bui und Elisabeth Seitz zu entthronen. Alexander Bachmayer lacht. „Wir wollen es versuchen“, sagt der KRK-Chef. „Wir wissen aber auch: leicht wird das nicht. Stuttgart hat einen großen Kader. Wenn da alle gesund sind…“.

Namhafte Verstärkungen für die Kunstturn Region Karlsruhe:  Sophie Scheder (links) und Pauline Schäfer kommen vom TuS Chemnitz-Altendorf. | Foto: dpa

Doch geht nicht, gibt’s nicht. Der viermalige Zweite (2016, 2015, 2012, 2009) schmiedet eine Allianz mit dem TuS Chemnitz-Altendorf (Vorjahresdritter), um das schier unmögliche vielleicht ja doch möglich zu machen. Das heißt: Mit badisch-sächsischer Power zur Wachablösung, und sieht folgendermaßen aus: Die beiden Chemnitzer Top-Turnerinnen Sophie Scheder und Pauline Schäfer wechseln zur Kunstturn Region Karlsruhe.

Auch Helene Schäfer tritt für Kunstturn Region Karlsruhe an

Außerdem wird das Chemnitzer Nachwuchstalent Helene Schäfer, Paulines vier Jahre jüngere Schwester, für die KRK turnen. Man habe sich zunächst auf eine Ausleihe des Trios für ein Jahr geeinigt, so Alexander Bachmayer. „Trainingsmittelpunkt wird für alle drei nach wie vor Chemnitz bleiben“, stellt er allerdings klar. Im Gegenzug wird die KRK ihre beiden Nachwuchstalente Sidney Hayn und Noemi Grießer nach Chemnitz ausleihen.

Badisch-Sächsische Power: KRK und Chemnitz bündeln Kräfte

Entstanden sei die Idee auf einem Lehrgang des Deutschen Turnerbundes, erzählt Ex-KRK-Cheftrainerin Tatjana Bachmayer, die im Karlsruher Rudi-Seiter-Turnzentrum seit Anfang des Jahres neben dem neuen Coach Chris Lakeman als sportliche Leiterin fungiert. Bei diesem Lehrgang ist sie mit ihrer Chemnitzer Kollegin ins Philosophieren gekommen. „Man macht sich eben so seine Gedanken“, sagt Tatjana Bachmayer. Dabei herausgekommen ist: „Chemnitz hat viele junge Turnerinnen. Also stellt der TuS ein Nachwuchsteam mit Juniorinnen. Zum Erfahrungen sammeln. Und Karlsruhe bildet eine starke Mannschaft. Mit den älteren, die gute Ergebnisse erreichen können.“

„Wir finden das eine tolle Idee, wenn die zwei starken Vereine aus Chemnitz und Karlsruhe ihre Kräfte bündeln. Das wird bestimmt ganz lustig. Jetzt wollen wir Stuttgart mal richtig Druck machen, damit sie nicht jedes Jahr Meister werden“, meint Pauline Schäfer.

Wollen Stuttgart mal richtig Druck machen

Pauline Schäfer, WM-Dritte von Glasgow 2015 am Schwebebalken, und Sophie Scheder (Sensations-Bronze bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio am Stufenbarren) sind beste Freundinnen. Unzertrennlich, wurden fast am gleichen Tag im Januar 1997 geboren.

Ihr Wechsel soll nicht zuletzt die Personalsituation der TG Karlsruhe-Söllingen in der bevorstehenden Runde entspannen. „Nachdem wir im vergangenen Jahr ausschließlich mit Turnerinnen aus unserem eigenen Nachwuchs deutscher Vizemeister geworden sind, hätte uns die Belastung durch das Abitur von Leah Grießer und Pauline Tratz sowie der im Sommer erfolgende Weggang von Pauline an die Universität Los Angeles Probleme bereitet“, verdeutlicht Alexander Bachmayer.

Maike Enderle im Aufbautraining

Dazu kommt, dass sich mit Maike Enderle eine weitere wichtige KRK-Stütze nach einer Fußoperation gerade erst zurückarbeitet und am 20. Mai beim Bundesliga-Auftakt im bayerischen Waging am See (Landkreis Traunstein) fehlen wird.

Neben den Chemnitz-Leihgaben Pauline und Helene Schäfer gelten aus dem Karlsruher Lager dann die Abiturientinnen Grießer und Tratz als gesetzt. Isabelle Stingl und Emma Höfele, die in diesem Jahr schon Liga-Wettkämpfe in Italien – vor 12 000 (!) Zuschauern – hinter sich haben, könnten sich zwei Geräte teilen; so die Überlegung.

Auftakt noch ohne Scheder

Nicht mit dabei in Waging ist Sophie Scheder. Die gebürtige Wolfsburgerin, die der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört, wurde Ende März in Vail im US-Bundesstaat Colorado am Knie (Probleme mit der Patellasehne) operiert. „Deshalb“, so Alexander Bachmayer, „würde ich auch die Frage, ob wir Meister werden wollen, ganz gerne erst im zweiten Halbjahr (die Wettkampftage zwei und drei werden im Oktober und November ausgetragen; d. Red.) beantworten – wenn wir wissen, welche Turnerinnen wir zur Verfügung haben.“

Turnen, 1. Bundesliga Frauen 2017 – Mannschaften: MTV Stuttgart, KTG Hannover, Turnzentrum Deutsche Sporthochschule Köln, TG Mannheim, TuS 1861 Chemnitz-Altendorf, TSV 1861 Tittmoning, TSG Steglitz, TG Karlsruhe-Söllingen. – 1.Wettkampftag: Samstag, 20. Mai (17 Uhr), Waging am See; 2. Wettkampftag: Samstag, 14. Oktober (17 Uhr), Heidenheim; 3. Wettkampftag: Samstag, 11. November (17 Uhr), Dresden; DTL-Finale: Samstag, 2. Dezember, Ludwigsburg

 

USA, Australien, Karlsruhe: Chris Lakeman ist seit Januar neuer Cheftrainer der Kunstturn Region Karlsruhe. Mehr über den 37-jährigen US-Amerikaner lesen Sie hier: