Bei ihrem virtuellen Treffen am Dienstag beraten die 36 Proficlubs darüber, wie es angesichts der Corona-Krise weitergehen soll.
Bei ihrem virtuellen Treffen am Dienstag beraten die 36 Proficlubs darüber, wie es angesichts der Corona-Krise weitergehen soll. | Foto: dpa

Von alarmiert bis gelassen

Vor DFL-Sitzung zu Corona-Krise: Für einige Fußballclubs im Südwesten geht es um die Existenz

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Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Und doch dürfte sie dem einen oder anderen Protagonisten im Nacken sitzen, wenn sich die 36 Proficlubs an diesem Dienstagvormittag zum nächsten DFL-Mitgliedertreffen virtuell versammeln.

Der Beschluss, die Spielpause in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga bis zum 30. April zu verlängern, dürfte dann nur Formsache sein. Viel wichtiger: Welche Möglichkeiten hält die Deutsche Fußball Liga (DFL) für realistisch, um die Saison doch noch zu Ende zu spielen, und wie sähe das worst-case-Szenario bei einem Saisonabbruch aus?

Geisterspiele sind zwar nicht schön, aber momentan die einzig verbleibende Möglichkeit.

KSC-Geschäftsführer Michael Becker

Die DFL hatte die Vereine aufgerufen, den schlimmsten Fall einmal durchzuspielen. Für viele von ihnen dürfte es zu einem Kampf um die Existenz werden, so auch für so manchen Club aus dem Südwesten.

Wie lange könnten diese den Corona-Stillstand überleben? Michael Becker, Geschäftführer des Zweitligisten Karlsruher SC, will da nicht ins Detail gehen, sagt aber: „Die Saison abzubrechen, muss das allerletzte Mittel sein.“

Und weiter: „Geisterspiele sind zwar nicht schön, aber momentan die einzig verbleibende Möglichkeit.“ Nur wenn der Ball – unter welchen Bedingungen auch immer – wieder rollt, fließt die letzte Tranche vom TV-Geld an die Clubs.

Mehr zum Thema: Der KSC hofft auch ein baldiges Ende der Corona-Auszeit

TV-Einnahmen sind für den SV Sandhausen fast die halbe Miete

Die hat nicht nur für den KSC einen hohen Stellenwert, sondern auch für dessen badischen Ligakonkurrenten SV Sandhausen. „Rund 48 Prozent“ betrage der Anteil der TV-Einnahmen am Gesamtetat, hatte SVS-Präsident Jürgen Machmeier zuletzt der „Rhein-Neckar-Zeitung“ vorgerechnet: „Und es sind rund elf Prozent Zuschauereinnahmen. Da sieht man, wo die Prioritäten liegen müssen.“ Die Richtung ist klar: Besser Geisterspiele als gar keine Spiele.

Doch auch Partien ohne Zuschauer scheinen angesichts der aktuell geltenden Restriktionen noch ziemlich weit entfernt zu sein. Und nur bis Ende Juni – das hatte zumindest zuletzt Uefa-Präsident Aleksander Ceferin betont – sei der Wiedereinstieg in die Saison noch möglich. Am Mittwoch will die Europäische Fußball-Union (Uefa) die Möglichkeiten beim internationalen Fahrplan ausloten.

KSC-Nachwuchstrainer Marius Fischer und Mitglieder der KSC Fanszene bei der Einkaufsaktion im REWE Karlsruhe-Neureut. Einkaufsservice fuer Risikogruppen, KSC startet Nachbarschaftshilfe. In dieser Woche wurde auf Initiative der aktiven Fanszene gemeinsam mit dem KSC das Projekt ãKSC NachbarschaftshilfeÒ ins Leben gerufen. Hier arbeiten das Fanprojekt Karlsruhe, ULTRA1894, Supporters Karlsruhe 1986 e.V. und KSC TUT GUT. zusammen und organisieren einen Einkaufsservice. GES/ Taegliches Leben in Karlsruhe waehrend der Corona-Krise, 23.03.2020 GES/ Daily life during the corona crisis in Karlsruhe, Germany. 23.03.2020 German Soccer 2nd Division Club Karlsruher Sport Club starts Neighborhood help with shoppoing aid for peaople who need help.
Auch beim KSC gibt es wegen der Corona-Pause noch andere Sorgen als die pausierte Saison. KSC-Nachwuchstrainer Marius Fischer und Mitglieder der KSC Fanszene helfen beim Einkaufen. | Foto: GES

Ein weiteres Problem, das die DFL umtreibt: Wie lässt sich angesichts der unterschiedlichen Trainingsmöglichkeiten eine Wettbewerbsverzerrung verhindern? Die DFL-Empfehlung, bis einschließlich 5. April nur individuell zu trainieren, ist im deutschen Föderalismus nur schwer umsetzbar.

Während die Clubs in Baden-Württemberg noch nicht auf den Platz dürfen, haben andere Bundesländer ihren Profivereinen teilweise eine Sondergenehmigung erteilt. Das DFL-Präsidium stehe in dieser Frage im Austausch mit den Ministerpräsidenten, berichtete Becker, der sich eine einheitliche Lösung wünscht.

VfB Stuttgart ist trotz Corona-Krise „solide aufgestellt“

Auch Mario Gomez und Co. trainieren zurzeit nur individuell. Den Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart beschäftigt die Krise ebenfalls, doch der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger versucht, optimistisch zu bleiben. „Wirtschaftlich sind wir solide aufgestellt, so dass wir nicht gleich Angst kriegen müssen“, sagte der Ex-Nationalspieler.

„Aber unsere Basis sind Fußballspiele, dieses Kerngeschäft bricht aktuell weg.“ Wie beim KSC verzichten die Stuttgarter Profis auf Teile ihres Gehalts, die Mitarbeiter wurden bereits in Kurzarbeit geschickt. Eine solche Maßnahme werde Becker zufolge gerade auch in Karlsruhe geprüft.

1899 Hoffenheim ist ziemlich gelassen

Zu einem Gehaltsverzicht haben sich auch Spieler und Funktionäre des Bundesligisten SC Freiburg bereit erklärt. SC-Finanzvorstand Oliver Leki hatte zwar gegenüber der Badischen Zeitung betont, dass der Spielbetrieb bis zum 30. Juni sichergestellt sei.

Doch ginge die Pause danach über Monate hinweg weiter, „hätten auch wir große Probleme, die schnell existenziell werden können.“

Gelassener ist man da in Hoffenheim. Für den Fall eines Saisonabbruchs sei der Club „ohne Fremdkapital oder Zuschüsse so aufgestellt, dass wir auch das überstehen könnten“, hatte 1899-Sportchef Alexander Rosen zuletzt erklärt: „Wir haben wirtschaftlich keinen unendlichen, aber langen Atem.“