Jhon Córdoba
Die Fans des 1. FC Köln hatten wenig Mitgefühl mit Jhon Córdoba. | Foto: Ralf Hirschberger

Investitionen und Vollflops

Die Fußball-Bundesliga zieht Bilanz

Berlin (dpa) – Die ultimative Demütigung erfuhr der 17-Millionen-Mann im letzten Heimspiel. Bei seiner Einwechslung gegen den FC Bayern München pfiffen die Fans des 1. FC Köln Jhon Córdoba schamlos aus.

Der Nachfolger von China-Abwanderer Anthony Modeste hat die Erwartungen beim Bundesliga-Absteiger nicht nur nicht erfüllt – er hat sie mit null Toren sogar deutlich unterboten und dürfte das teuerste Missverständnis der laufenden Spielzeit in der Fußball-Bundesliga sein.

Wie ein Verein in Deutschlands Eliteklasse abschneidet, hängt auch maßgeblich von seiner Transferpolitik ab. Da hat Absteiger Köln nicht nur die Modeste-Nachfolge vermasselt, sondern sich weitere kapitale Fehler in der Kaderplanung erlaubt. Immerhin: Mit der vorzeitigen Verlängerung von Nationalspieler Jonas Hector und Schlussmann Timo Horn gelangen zuletzt echte Coups für einen Absteiger.

Besser lief es da beim nationalen Dominator FC Bayern, der ein weiteres Mal ungefährdet die Meisterschaft gewann. Leihspieler James Rodriguez trumpfte bei den Münchnern groß auf, für den scheidenden Trainer Jupp Heynckes ist er ein «fußballerisches Genie». Auch Niklas Süle und Sandro Wagner konnten dem Bayern-Kader mehr Tiefe verleihen und wurden in entscheidenden Spielen aufgeboten. «Ich konnte ein paar Tore und ein paar lustige Sprüche in der Kabine dazusteuern», sagte Wagner. Rekordtransfer Corentin Tolisso, der für 41,5 Millionen Euro kam, deutete sein Potenzial beim Rekordmeister an, gilt aber vor allem als Perspektivtransfer.

Beim neuen Vizemeister Schalke 04 und Pokalsieger Borussia Dortmund gab es Tops und Flops. Mittelfeldmann Amine Harit und Verteidiger Bastian Oczipka verstärkten das Team von Trainer Domenico Tedesco, die zuvor ausgeliehenen Nabil Bentaleb und Jewgeni Konopljanka kosteten viel Geld, waren in ihrer Leistung aber nicht beständig genug. Im starken Schalker Kader hatten die Winter-Transfers Cedric Teuchert und Marko Pjaca Mühe, ohne internationale Doppelbelastung im Frühling Spielzeit zu bekommen.

Beim BVB verletzten sich Maximilian Philipp und Andrej Jarmolenko nach starkem Start schwer, sie waren für den für eine Rekordsumme nach Barcelona abgewanderten Ousmane Dembélé gekommen. Mit Mahmoud Dahoud und Jeremy Toljan leisteten sich die Dortmunder aber auch Käufe, die nicht auf Anhieb einschlugen. Dafür gab der BVB Weltmeister Matthias Ginter an Liga-Rivale Gladbach ab. Seinen umstrittenen 17-Millionen-Wechsel rechtfertigte der Verteidiger mit starken Leistungen und fünf Saisontreffern. Über sich selbst sagt Ginter: «Ich bin nicht 17 Millionen Euro wert.»

Kluge Transfers verschafften auch 1899 Hoffenheim und dem VfB Stuttgart taugliche Teams für den Kampf um Europa. Mit Bayern-Leihgabe Serge Gnabry, Florian Grillitsch und Nico Schulz erwiesen sich für Julian Nagelsmann und seine Kraichgauer gleich drei Neuzugänge als große Verstärkungen. Der Lohn ist ein weiteres Jahr internationaler Fußball ab Herbst.

Darauf dürfen auch die Stuttgarter noch hoffen. Holger Badstuber, Dennis Aogo, Andreas Beck und Ron-Robert Zieler waren vor der Saison als Aufsteiger genau die richtigen Verpflichtungen. Im Winter kam noch Nationalstürmer Mario Gomez und schoss den VfB in die obere Tabellenhälfte. Auch Pokalfinalist Eintracht Frankfurt verstärkte sich klug. Kevin-Prince Boateng und Ante Rebic schlugen bei den Hessen, die Anfang Mai noch auf Europa hoffen und vom Pokalsieg träumen dürfen, voll ein.