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Serie „Sport in der Nische”

Die Karlsruherin Laura Rolli ist Deutschlands beste Fußballgolferin

Gefragt ist das richtige Gefühl für Schuss-Schärfe, Entfernung und welligen Boden: Beim Fußballgolf oder Footgolf ist das Tor ein Loch und der Weg ins Ziel oft kurvig. Laura Rolli hat den richtigen Kick drauf - keiner ist derzeit in Deutschland besser als die Karlsruherin.

Die Karlsruherin Laura Rolli beim Training im Soccerpark Rhein-Neckar in St. Leon-Rot. Foto: Helge Prang GES/Helge Prang

Der Weg ins Loch? „Links am Baum vorbei, dann einfach rein“, sagt Laura Rolli, ehe sie den Ball mit richtig dosierter Stärke links am Baum vorbei legt und dann mit gefühlvollem Spitzkick über zehn, elf Meter vollendet. Wer weniger Übung hat, der muss sich für den zweiten Schuss ins Gebüsch oder hohe Gras schlagen und beendet die Runde dann statt mit zwei unter mit einem Schlag über Par.

Für Laura Rolli ist der Fun-Kurs des Soccerparks Rhein-Neckar bei St. Leon-Rot ein leichte Übung. Zum einen sind der Fun- und der anspruchsvollere Premium-Kurs ihre Heimatbahnen, zum anderen kickt sich die Karlsruherin seit einiger Zeit erfolgreich übers Grün. Rolli ist amtierende Deutsche Meisterin im Fußballgolf, führt die nationale Rangliste an und war 2018 Vize-Weltmeisterin.

Weil aber Corona auch in den Nischen der Sportwelt zwischenzeitlich für Stillstand sorgte wird zumindest ein internationaler Titel in diesem Jahr nicht dazukommen. Und auch kein neues Bild für das Panini-Album, das es vor zwei Jahren zur WM auch für die golfenden Fußballerinnen und Fußballer gab.

Die Premiere verlief frustrierend, der Ehrgeiz war dennoch schnell geweckt

Ihren Ehrgeiz kann die 23-Jährige also, wenn überhaupt, vorerst nur hierzulande stillen. „Doch ob und wann die Meisterschaften stattfinden, ist noch nicht klar“, sagt Rolli, deren Start auf der Fußballgolfbahn 2016 freudlos verlaufen war. „Bei einem Familienausflug habe ich es zum ersten Mal ausprobiert, aber nix getroffen. Das war etwas frustrierend“, erinnert sich Rolli, die vorher weder Golf noch Fußball gespielt hat.

Weil es aber ihrem Freund und ihrem Vater mehr Spaß gemacht hatte, blieb es nicht bei dem einem Versuch im Soccerpark Ortenau, in dem damals auch die Deutschen Meisterschaften anstanden. Rolli machte kurz entschlossen mit – und wurde Dritte. „Da war der Ehrgeiz endgültig geweckt“, sagt Rolli, die neben ihrer Arbeit bei einem Unternehmens- und Personalberatungs-Unternehmen per Fernstudium an ihrem Master in Wirtschaftspsychologie bastelt.

Das Hobby bestimmt die Jahresplanung

Den Jahreskalender und die Wochenendplanung bestimmt allerdings ihr Hobby, das sie mit ihrem Freund Sven Mayer teilt, der zu den Top-Fünf-Spielern im Land zählt. Eine günstige Angelegenheit ist das nicht, die beiden sind – zu normalen Zeiten – viel unterwegs. International spielen sie dabei meist Footgolf. „Fußballgolf ist eher so ein bisschen wie Minigolf. Footgolf wird auf richtigen Golfplätzen gespielt“, erläutert Rolli. Die Distanzen sind beim Footgolf also deutlich größer, beim Fußballgolf sind es maximal nur bis zu 200 Meter bei einer Bahn.

„Footgolf ist schon eine größere Herausforderung“, sagt Rolli, die Ende Juni bei den French Open in La Chaussée-D’Ivry gerade einen zweiten Platz erreicht hat. Die Footgolf-WM in Japan musste sie dagegen längst aus dem Kalender streichen, „die ist auf nächstes Jahr verschoben worden“, sagt Rolli, die 2018 in Marrakesch Fünfte wurde. Die ebenfalls für dieses Jahr geplante Fußballgolf-WM in Tschechien wurde abgesagt.

„Das Spiel ist facettenreich, man ist an der frischen Luft. Und man kommt rum“, sagt die Karlsruherin, die zwei, drei Mal in der Woche im Soccerpark übt und die für den 2018 gegründeten Fußballgolf-Club Rhein Neckar und im Footgolf für Racing Straßburg spielt. Während Deutschland mit Dänemark und Schweden im Fußballgolf zu den führenden Nationen zähle, seien im Footgolf unter anderem Frankreich und England führend.

Die ersten Ranglisten-Turniere des Jahres stehen jetzt in Bayern an

Nach dem verspäteten Turnier-Auftakt in Frankreich geht es für Rolli im Juli mit den ersten nationalen Ranglisten-Wettkämpfen in Bayern weiter. Acht Turnier sind es üblicherweise, dieses Jahr fünf. Im Oktober steht das Heimspiel in St. Leon-Rot auf dem Programm. Auf den Bahnen dort warten auf die kickenden Golferinnen und Golfer neben künstlichen Hindernissen viele natürliche: Bäume und Büsche und dazu natürlich welliger Boden, es geht um Ecken und über Hügel.

Es ist Schuss-Gefühl gefragt - und Überlegung. Lieber einmal mehr vorlegen oder mit mehr Risiko möglicherweise gleich mit dem ersten Schuss näher ans Ziel kommen? Laura Rolli wählt meist die Variante mit weniger Risiko, was sich auszahlt. Und wenn es mal nicht so läuft auf einer Bahn, dann helfe ihr ihre Erfahrungen, die sie früher als Siebenkämpferin machte. „Wenn eine Disziplin mal schlecht gelaufen ist, muss man das abhaken. Dann kommt halt die nächste“, sagt sie. Gleiches gilt beim Fußball- oder Footballgolf. Nicht immer geht es ja so einfach: Links am Baum vorbei und rein.

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