FIFA-Präsident
Holt zum Gegenschlag aus: FIFA-Präsident Gianni Infantino. | Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE

Fußball-Weltverband

Gegenangriff: FIFA attackiert Infantino-Kritiker

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Zürich (dpa) – Gianni Infantino muss sich immer kritischeren Fragen stellen – und geht zum Gegenangriff über. Die Verteidigung der FIFA nach Vorwürfen gegen den Präsidenten heizt aber die Zweifel an der Unabhängigkeit ihrer Ethikkommission und der Schlagkraft des europäischen Financial Fairplays an.

Mit scharfer Kritik gegen Medien und Ex-Funktionäre reagierte der Fußball-Weltverband auf Berichte über eine mögliche Einmischung von Infantino in die Arbeit autonomer Aufsichtsgremien. «Es ist keine Überraschung, dass einige derer, die entfernt oder ersetzt wurden oder unzufrieden sind, weiterhin falsche Gerüchte und Anspielungen über die neue Führung verbreiten», teilte die FIFA mit.

Die Vorwürfe werden auch eine Rolle bei Europas Spitzenfunktionären spielen. «Wir werden innerhalb der UEFA die Lage analysieren und dann gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden», sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel der Deutschen Presse-Agentur. Er habe mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin am Wochenende über die Vorwürfe gesprochen. «Es ist bewährte Praxis, dass sich die UEFA-Mitglieder im FIFA-Council untereinander abstimmen und gemeinsam vorgehen», sagte Grindel, der als einer von neun UEFA-Vertretern in der Regierung des Weltverbands sitzt.

Infantino soll einem Bericht des Magazins «Der Spiegel» zufolge als UEFA-Generalsekretär 2014 während der Ermittlungen gegen Paris Saint-Germain und Manchester City wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay bislang unbekannte Absprachen mit den Clubs getroffen haben. Am Ende standen vergleichsweise milde Urteile des Club Financial Control Body (CFCB) der Europäischen Fußball-Union gegen die aus Katar und Abu Dhabi alimentierten Vereine.

Die FIFA berief sich in ihrer Stellungnahme an die Deutsche Presse- Agentur zu dem Vorwurf darauf, dass die UEFA-Verwaltung den CFCB «unterstützen» könne. In Artikel 11 der Regularien heißt es explizit, dass diese Unterstützung dem Gremium «bei der Erfüllung ihrer Aufgaben» dienen solle.

Der «Spiegel» zitierte aus einer angeblichen E-Mail von Infantino an Man-City-Clubchef Khaldoon Al Mubarak. Darin soll Infantino unter anderem Details eines Urteils und Folgen für den Club aus der englischen Premier League erläutern. Sowohl Man City als auch PSG stimmten entsprechenden Vergleichen zu, in denen sie zu einer Strafe von je 60 Millionen Euro verurteilt wurden. Die Rückzahlung von 40 Millionen Euro wurde in Aussicht gestellt, falls sich die Clubs an Vereinbarungen hielten.

Informationen durch hochrangige Verbandsfunktionäre würden neue Fragen über die Finanzspielregeln aufwerfen. Durch diese waren in der Vergangenheit mehrere, meist kleinere Vereine für den Europapokal gesperrt werden. Karl-Heinz Rummenigge hatte mit Blick auf von Investoren unterstützte Clubs schon ein härteres Durchgreifen der UEFA gefordert: «Wenn ich solche Inhaber habe, ist Geld relativ», sagte Bayern Münchens Vorstandschef vor einem Jahr. «Mit Geldstrafen kannst du da wenig weh tun. Weh tut es, wenn du die Lizenz verweigerst oder Punkte abziehst.»

Den Berichten zufolge soll FIFA-Chef Infantino zudem Vorschläge für die überarbeiteten Richtlinien der unabhängigen Ethikkommission gemacht haben. So habe Infantino als Antwort auf einen Entwurf von Vassilios Skouris, Vorsitzender der rechtsprechenden FIFA-Ethikkammer, diesem mit mehreren Hinweisen geantwortet. Dabei sollte geändert werden, dass Voruntersuchungen gegen Funktionäre nur auf Weisung der vorsitzenden Person der Ermittlungskammer durchgeführt werden können. So findet es sich auch in den neuen Richtlinien, die dieses Jahr in Kraft traten.

«In seiner Funktion als erfahrener Anwalt wäre es völlig natürlich für ihn, solch einen Austausch mit Herrn Skouris zu haben», teilte die FIFA auf Anfrage dazu mit. Alleine eine Nachfrage des neuen Chef-Richters des unabhängigen Gremiums beim FIFA-Präsidenten sorgt aber bei Kritikern schon für neuen Argwohn. «Ich habe immer gesagt, der neue Ethikcode ist Infantinos Werk – das ist der Beweis», sagte Hans-Joachim Eckert, früherer Chef der rechtsprechenden FIFA-Ethikkammer dem «Spiegel». Infantinos Einmischung sei «ein klarer Verstoß gegen den Kodex und die Statuten der FIFA».

Die Neubesetzung der beiden Ethikgremien mit der Kolumbianerin María Claudia Rojas als Chef-Ermittlerin und Skouris im Mai 2017 hatte international für Kritik gesorgt.

In der FIFA-Stellungnahme hieß es weiter: Keiner der Medienberichte enthalte etwas, «das auf eine Verletzung von Gesetzen, Statuten oder Vorschriften hinausläuft». Zudem verwies der Weltverband auf eine generelle Aussage von Infantino, der im kommenden Jahr seine Wiederwahl anstrebt. «Mein Job beinhaltet Diskussion, Dokumente auszutauschen, Entwürfe, Ideen, was auch immer, zu vielen, vielen, vielen, vielen Themen», sagte der 48-Jährige zuletzt. «Wenn ich nur in meinem Zimmer bleibe und mit niemanden spreche und nichts machen kann, wie kann ich dann meinen Job ordentlich erledigen?»