DFB-Chef
Reinhard Grindel wünscht sich ein Gespräch mit Mesut Özil. | Foto: Harold Cunningham/UEFA via Getty Images

DFB-Führung enttäuscht

Kein Ende in Özil-Causa – Grindel: Gespräch gehört sich

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Nyon (dpa) – Mesut Özil gratulierte. Via Instagram schickte der Profi des FC Arsenal seine Glückwünsche an Teamkollege Granit Xhaka zu dessen 26. Geburtstag. Über den deutschen Sieg im pikanten Duell mit der Türkei um die EM 2024 schwieg sich der Ex-Weltmeister hingegen aus.

Das Dauer-Reizthema wurde der Deutsche Fußball-Bund auch nach seinem Feier-Dinner im noblen Golf-Ressort knapp 30 Kilometer von der UEFA-Zentrale entfernt nicht los. Das geplatzte Treffen von Bundestrainer Joachim Löw mit seinem einstigen Lieblingsschüler und der weitere Umgang mit Özil werden den deutschen Fußball weiter beschäftigen.

«Ich finde es nicht richtig, dass man angesichts der Vorwürfe, die Mesut Özil erhoben hat, nicht ins Gespräch kommen kann», kritisierte DFB-Präsident Reinhard Grindel den 29-Jährigen. «Natürlich haben wir ihm auch den WM-Titel zu verdanken, aber er hat auch Jogi Löw eine ganze Menge zu verdanken und ich finde, dass es sich gehört, ein persönliches Gespräch zu führen.»

Der Bundestrainer selbst sprach am Sitz der Europäischen Fußball-Union sichtlich geknickt über die Ereignisse in London am vergangenen Montag. Nach eigener Darstellung hatten sich Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff bei Arsenal «frühzeitig» angemeldet – «da wusste jeder Bescheid». Doch im Gegensatz zu Treffen mit Bernd Leno, Shkodran Mustafi und Jugend-Koordinator Per Mertesacker kam kein Gespräch mit Özil zustande. Dieser habe keine Lust auf eine deutsche Vereinnahmung kurz vor der EM-Vergabe gehabt, schrieb die «Süddeutsche Zeitung».

«Mesut war nicht da, von daher müssen wir akzeptieren, dass er aktuell nicht mit uns sprechen will. Die Gründe kenne ich auch nicht», sagte Löw und fügte auf erneute Nachfrage mit etwas leiserer Stimme hinzu: «Logischerweise hätte ich mir gewünscht, dass ein Spieler, mit dem ich so lange zusammengearbeitet habe, mich mal anruft und wenn es nur eine Minute ist. Das hätte ich mir erwartet, gerade von Mesut. Persönlich bin ich darüber enttäuscht, wenn man so lange zusammengearbeitet hat.»

Bei aller persönlichen Ernüchterung: Die Rassismus-Vorwürfe Özils in seiner via Internet verbreiteten Rücktrittserklärung in Grindels Richtung schadeten dem Verband auf internationalem Parkett zumindest bei der EM-Wahl offenbar nicht. Mit 12:4-Stimmen setzte sich die DFB-Bewerbung durch. In der Fragerunde nach der deutschen Präsentation seien von den UEFA-Delegierten lediglich Themen wie Menschenrechte, das Vermächtnis des Turniers und die Auswirkungen auf den Amateurbereich angesprochen worden, nicht aber die Causa Özil, heißt es.

Doch national wird der DFB das Thema voraussichtlich so lange nicht abschließen können, bis es zu einem klärenden Gespräch der sportlichen Leitung und Özil gekommen ist. «Das liegt mir nach wie vor am Herzen», sagte Löw.