Hannover 96 - Hertha BSC
Berlins Jordan Torunarigha dreht nach seinem Tor zum 1:0 jubelnd ab. | Foto: Swen Pförtner

13. Spieltag

96-Krise nach 0:2 gegen Berlin größer

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Hannover (dpa) – Der Druck auf Trainer André Breitenreiter beim abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten Hannover 96 nimmt zu. Das Spiel am kommenden Sonntag beim FSV Mainz 05 könnte für den Coach der auf Rang 17 abgerutschten Niedersachsen schon zum Endspiel werden.

«Da ist jeder gefragt, auch das Trainerteam. Da muss alles auf den Tisch. Denn das war gerade in der ersten Halbzeit heute kein gutes Bild», sagte Sportchef Horst Heldt zu der Analyse des 0:2 (0:1) gegen Hertha BSC. Jordan Torunarigha (44. Minute) und Vedad Ibisevic (73.) schossen Berlin zum ersten Sieg seit zwei Monaten.

Ein klares Bekenntnis zu seinem Trainer vermied Heldt, deutete aber an, dass es zumindest bis zum Mainz-Spiel mit Breitenreiter weitergehe. «Jetzt geht es erstmal darum, das Spiel zu analysieren. Natürlich müssen wir das Spiel heute hinterfragen», sagte der 96-Sportchef auf die Frage, ob der Club den Weg mit Breitenreiter weiter gehen wolle. Heldt sagte aber auch: «Der Weg geht jetzt erst einmal nur gemeinsam. «Natürlich will ich jetzt hören, wie wir das nun nächste Woche angehen. Das will ich von den Spielern genauso hören, wie ich das vom Trainer hören will.»

Wenig später deutete Heldt an, dass die Partie in Mainz zum Endspiel werden könnte. «Vielleicht ist das genau der richtige Zeitpunkt, den Bock jetzt umzustoßen. Natürlich müssen wir da Antworten finden auf Fragen, die wir uns ab morgen stellen müssen», sagte der 48-Jährige, der selbst bald stark in die Kritik geraten könnte.

Gegen die Berliner deutete sich einmal mehr an, dass die Qualität im Kader des Bundesliga-Vorletzten für den Kampf gegen den Abstieg nicht ausreichen könnte. «Es ist nicht meine Aufgabe, die Qualität im Kader zu beurteilen», sagte Angreifer Niclas Füllkrug.

Auch der angeschlagene Breitenreiter sprach erhebliche sportliche Probleme an. «Das war die wahrscheinlich schlechteste erste Halbzeit, seitdem ich hier Trainer bin», sagte der 45-Jährige und sprach wie Spieler und Manager Heldt auch die offensichtliche Verunsicherung an.

Laut den Verantwortlichen soll diese einzig an der sportlichen Situation liegen. Dabei kämpft der Club derzeit an mehreren Fronten. Am Sonntag will der Club den Termin für die außerordentliche Mitgliederversammlung bekanntgeben. Diese muss nach einer erfolgreichen Unterschriftenaktion der Club-Opposition gegen Vereinschef Martin Kind abgehalten werden. Die Kind-Gegner wollen bei dieser Versammlung des Aufsichtsrat mit ihren Leuten besetzen.

Zudem wurde die Spiel-Vorbereitung der 96-Profis von Gerüchten über einen Punkte-Abzug oder gar einem möglichen Lizenz-Entzug für Hannover begleitet. Laut einem «Sport Bild»-Bericht wertet die Deutsche Fußball Liga eine Satzungsänderung bei 96 als Verstoß gegen die sogenannte 50+1-Regel, die Kind kippen will. Die Regel besagt, dass Stammvereine in Deutschland die Mehrheit an ausgegliederten Profi-Kapitalgesellschaften halten müssen.

«Das ist alles kein Diskussionsthema in der Kabine», behauptete Breitenreiter und Heldt meinte: «Damit kann ich mich auch nicht identifizieren. Das liegt außerhalb unserer Verantwortung und ich erwarte von Profis, dass sie das ausblenden.» Allerdings schloss Heldt auch nicht aus, dass die anhaltende Unruhe im Umfeld zur zusätzlichen Belastung für die Spieler werde: «Natürlich ist es immer besser und positiver, wenn die Reihen geschlossen sind.»

Von diesen Problemen hat sich Herthas Trainer Pal Dardai erst einmal befreit. «Wir waren heute sehr konsequent. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft», sagte der Hertha-Coach. Mit 20 Zählern haben die Berliner nun wieder Anschluss an die Europapokalplätze.