Unglücklich
Die Hoffenheimer ärgerten sich über die drei Gegentore gegen Olympique Lyon. | Foto: Uwe Anspach

Champions League

Hoffenheim hadert wieder mit sich selbst

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Sinsheim (dpa) – Mitreißender Fußball, aber eine Treffer- und Fehlerquote wie ein sorgloser Studiogast vor der Torwand im ZDF-«Sportstudio». Die TSG 1899 Hoffenheim haderte nach dem verpassten ersten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte wieder mal mit sich selbst.

Das 3:3 gegen Olympique Lyon kann vor allem angesichts der verpassten Chancen gut als Spiegelbild der bisherigen Saison durchgehen. «In der Bundesliga ist es gerade ähnlich. Wenn man da normal rechnet, müsste man auch sechs Punkte mehr haben. Wohlwollend gerechnet könnten es sogar neun sein», sagte Trainer Julian Nagelsmann. «Dann wären wir ganz vorne dabei.»

Am Samstag (18.30 Uhr) können sich die Kraichgauer ihren Frust im Derby gegen den VfB Stuttgart von der Seele schießen. Nagelsmann will keine Wissenschaft daraus machen, dass sein stürmisches Team einfach zu wenig Tore schießt. «Wir wollen nicht all zu viel davon sprechen, sondern es einfach tun», sagte der 31-Jährige.

Durch zwei Treffer des kroatischen Vizeweltmeisters Andrej Kramaric hatte die TSG am Dienstagabend gegen Frankreichs Tabellenfünften zwischendurch sogar geführt, musste am Ende aber froh sein, dass Joelinton in der Nachspielzeit noch den Ausgleich schaffte. «Dieses Spiel müssen wir gewinnen, das waren einfach drei Eigentore», sagte nicht nur Flügelflitzer Pavel Kaderabek.

«Ein Rückpass, der zu kurz war», sagte Nagelsmann zum Fauxpas von Kapitän Kevin Vogt beim 0:1. «Das zweite Tor war ein bisschen rausgespielt vom Gegner. Dass der Olli den halten kann, das weiß er auch» – so lautete der Kommentar des Chefcoaches zum 2:2, als Torhüter Oliver Baumann aus spitzem Winkel den Ball passieren ließ. Beim 2:3 sah Kevin Akpoguma schlecht aus, «dann gibt’s kurz ein bisschen eine Instabilität im Körper von Akpo und der trifft den Ball nicht».

Nach den drei dicken Abwehrpatzern steht Hoffenheim zur Halbzeit der Gruppenspiele mit nur zwei Punkten da und der Achtelfinal-Einzug wird immer schwieriger. Beim 1:2 gegen Manchester City und Star-Coach Pep Guardiola hatte Stefan Posch in der 87. Minute mit einem individuellen Fehler das 1:2 verschuldet.

«Ich glaube, dass wir die bessere Mannschaft waren», sagte der sichtlich enttäuschte Nagelsmann und fügte trotzig hinzu: «Ich werde die Jungs so vorbereiten, dass wir das im Rückspiel auch sein können.» Am 7. November tritt die TSG in Lyon an und muss da schon einen Sieg landen, wenn sie nicht nur auf den dritten Tabellenplatz und die Europa-League-Teilnahme nach der Winterpause spekulieren will.

«Manchester City ist der Primus. Alle anderen sind auf Augenhöhe», sagte Akpoguma auch angesichts des 3:0 des Tabellenführers und englischen Meisters bei Schachtjor Donezk. «Wir haben ein tolles Spiel gemacht. Solche Fehler werden halt bestraft. Aber es war wichtig, dass wir nicht als Verlierer vom Platz gehen. Alles ist noch möglich.» Der späte Ausgleich war auch für Nagelsmann «ein guter Punch, der tabellarisch vielleicht noch Bedeutung hat».