Am Mikrofon: KSC-Präsident Ingo Wellenreuther spricht zu den Mitgliedern.
Am Mikrofon: KSC-Präsident Ingo Wellenreuther spricht zu den Mitgliedern. | Foto: GES/Markus Gilliar

KSC-Mitglieder bleiben ruhig

Im Verein verstummt

Anzeige

Auf Krawall war keiner gebürstet. Im Gegenteil: Alles blieb lieb, brav und nett. „Emotionen wie ausgelatschte Gummistiefel“ fühlte KSC-Kuttenfan Ronny, der sich am Ende ans Mikro traute, vom Podium herab strömen.

Aber das war‘s auch schon an Offenheit. Vom Wieder-Aufstehen und von Zusammenhalt war davor viel die Rede gewesen. Und erstmals entschuldigte sich sogar der im Sinne seiner Sache taktisch geschickt agierende Präsident Ingo Wellenreuther laut für „Fehler“, die sein Vorstand, also auch er, begangen hätten. Damit nicht genug: Der Sportdirektor Oliver Kreuzer klopfte sich aus gegebenen Anlässen, die sich der Liga-Zugehörigkeit des Karlsruher SC und dem Tabellenstand dort ablesen ließen, an die Brust, sprach bei der Ordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstagabend von seiner „Mitschuld am Abstieg“.

Und weiter war es mit Kreide bei fast allen anderen Rednern in der Badnerlandhalle gegangen: Der seit 1. Juli beim Drittligisten beschäftigte Geschäftsführer Helmut Sandrock, der sich Anfang der Woche als kompromissloser Modernisierer zu profilieren suchte, präsentierte die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres, für die er nichts konnte – und beließ es dabei.

Besserungsscheine in Höhe von 6,7 Millionen Euro beim KSC

Ein kurzes Raunen gab‘s, als er das Volumen der seit 2003, aber vor allem „in jüngerer Vergangenheit“ zusammengekommenen Besserungsscheine bezifferte: 6,7 Millionen Euro addierten sich an derlei Forderungsverzichten auf. Ausgeführt hatte das Sandrock, weil das ehemalige Verwaltungsratsmitglied Martin Holler einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Diese nachgeordneten Verbindlichkeiten können den KSC kalt lassen, solange er in den roten Zahlen steckt, so Sandrock. Das negative Eigenkapital zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres (30. Juni) stieg durch das leichte Minus (109.000 Euro) im Ergebnis auf 2,89 Millionen Euro an. Für das laufende erwartete man im Plan einen Fehlbetrag von 1,8 Millionen Euro, den man auch wegen des frühen Trainerwechsels korrigieren müsse.

Hoffnung Stadion

Dann war da noch der Verwaltungsrat. Der sah laut Gremiumssprecher Michael Steidl, dass die „Selbsterkenntnis“ des Clubchefs „der erste Schritt einer Besserung“ sein könnte. Auch fand Steidl, dass man nach vorne blicken und die Aufgaben der Stunde angehen müsse. „Das Ehrenamt entlasten“ war dabei seine schonende Umschreibung für das, was Sandrock zu Wochenbeginn im Interview mit dieser Zeitung unbedingter geäußert hatte: „Ein Verein, der heute eine Firma ist, stößt an Grenzen, wenn er im Ehrenamt geführt wird.“ Zügig müsse das operative Geschäft aus Vorstandshänden genommen werden.

Nachdem er Günter Pilarsky, dem Vize-Präsidenten und zuverlässigen Geldgeber in allen schiefen Lebenslagen der Vorstands-Ära seit 2010, die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft in die Hände gedrückt hatte, ließ Wellenreuther gegen den Ruf nach veränderten Strukturen keinen Widerspruch anklingen. Das Thema sei anzugehen – nach der Fertigstellung des neuen Stadions.

Keine kritische Nachfragen

Die Umsetzung des von der Stadt zugesagten Projekts war wieder für vieles, das man beim KSC in Ordnung zu bringen hofft, die zwingende Voraussetzung. Und Wellenreuthers Kritiker, die sich zu dessen Verdruss teils „anonym im Netz“ und dann „verleumdend und beleidigend“ umtun, sind entweder ausschließlich Nichtmitglieder, waren zufrieden verstummt, eingeschlafen oder der Versammlung ferngeblieben.

Keine Nachfrage gab es zur Talfahrt des Vereins. Das war bemerkenswert, womöglich aber das korrekteste Abbild vom Verein, in dem resignative Züge breiteren Raum einzunehmen scheinen. Und das, obschon die Mitgliederzahl (7.322) einen neuen Höchststand erreicht hat. In der Badnerlandhalle waren in der Spitze 489 davon anwesend. Ach ja: Und neuerdings gibt es eine Dartabteilung, von der Vereinsrats-Chef Uli Lange erwartet, dass sie „eine große Zukunft“ hat.

Mehr zur Mitgliederversammlung sowie zum Drittligaspiel des KSC am Samstag gegen die Würzburger Kickers lesen Sie in der Print-Ausgabe vom Samstag.