Bayer Leverkusen - Hannover 96
Leverkusens Karim Bellarabi jubelt über sein Tor zum 2:2. | Foto: Rolf Vennenbernd

Bundesliga

«Herrlich-raus»-Rufe in Leverkusen nach 2:2 gegen Hannover

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Leverkusen (dpa) – Die «Herrlich-raus»-Rufe der Bayer-Fans waren nicht zu überhören. Und für Leverkusens Trainer Heiko Herrlich waren sie sogar verständlich nach dem in letzter Minute geretteten 2:2 (1:1) gegen Hannover 96.

«Sie sind absolut berechtigt. Ich verstehe, dass der eine oder andere auch Kritik an mir übt», kommentierte der 46-Jährige am Samstag nach nur acht Punkten aus acht Spielen in der Fußball-Bundesliga – und das bei den hohen Ambitionen, die für 2019 mit der Qualifikation für die Champions League klar definiert waren.

Das ist im Moment illusorisch. Weil sich Bayer einfach nicht aus den unteren Tabellenregionen lösen kann, weil es einfach nicht so recht läuft in einem Team, dem viele Experten eine Qualität bescheinigt haben, die deutlich mehr als den Status quo nach sich ziehen sollte. Herrlich wirkte schon ein wenig ratlos, als er festhielt, dass «das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit fehlen». Man habe gemerkt, dass «die Mannschaft ein Stück weit verunsichert war».

Ein Ultimatum für Herrlich gebe es nicht, versicherte Bayers Sport-Geschäftsführer Rudi Völler im TV-Sender Sky: «Nein, das gibt es im Moment nicht.» Und man werde nicht «die Nerven verlieren», schob der 58-Jährige nach. Was jetzt helfen soll, erläuterte Herrlich in einer Anmerkung, die sich auf das fehlende Selbstvertrauen und die abhanden gekommene Leichtigkeit der Vorsaison bezog: «Das holt man sich nur durch Siege.»

Bayer-Kapitän Lars Bender, Torschütze zum 1:1 (34.), wurde deutlich: «Wir müssen ein bisschen aus dem Arsch kommen», entfuhr es dem Leverkusener Spielführer. Das Herrlich-Team habe eine «unglaubliche Qualität. Aber wir können sie nicht auf den Platz bringen.» Für den weiteren Saisonverlauf gehe es schon jetzt um Vieles: «Es ist nicht die Qualitätsfrage, sondern die Überzeugung, ob wir immer hundert Prozent geben.»

Das sprach Herrlich seinen Profis nicht ab: «Ich haue keinen in die Pfanne.» Selbst den Brasilianer Wendell nicht, dessen Handelfmeter in der 7. Minute so schwach geschossen war, dass 96-Schlussmann Michael Esser klären konnte. «Die Mannschaft hat bis zum Schluss versucht, das Spiel zu drehen», konstatierte Herrlich später. Doch das gelang vor 26.435 Zuschauern trotz 33-minütiger Überzahl durch Karim Bellarabis 2:2 in der vierten Minute der Nachspielzeit nur halb.

Weil Hannover nach der zweimaligen Führung durch Florent Muslija (25. Minute) und den später mit Gelb-Rot des Feldes verwiesenen Felipe (54.) so dicht vor dem ersten Auswärtssieg seit fast genau einem Jahr stand, war Herrlichs Kollege André Breitenreiter trotz «einer Top-Leistung» so geknickt, «als hätte es eine Klatsche gegeben». Breitenreiter: «Wir spielen 2:2 in Leverkusen und ärgern uns schwarz.» Immerhin: Nach zuletzt zehn Niederlagen in der BayArena in Serie gab es wenigstens einen Teilerfolg für die Niedersachsen, die damit aber auch erst sechs Punkte haben.