Magomed Kadimagomedov (unten) - hier im Duell mit dem Nendinger Evgheni Nedealco - ringt für Weingarten. | Foto: GES

Ringerliga atmet auf

Juristischer Punktsieg gegen Verbände in Reichweite

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Die Protagonisten des Deutschen Ringer-Bundes und vor allem die der Deutschen Ringerliga hatten bei ihrem neuerlichen Abstecher zum Landgericht Nürnberg-Fürth auf Antworten gehofft. Konfrontiert wurden sie jedoch zunächst einmal mit einer Frage: Ob eine gütliche Einigung in Betracht käme oder die Fronten dafür bereits zu verhärtet seien, wollte der Vorsitzende Richter von den Protagonisten im Sitzungssaal 255 wissen. Nein, gütlich einigen wollten sich die Parteien, die seit Jahren miteinander im Clinch liegen und sich bereits mehrfach vor Gericht getroffen hatten, nicht.

Urteil wird erst am 13. Februar verkündet

Und so war es eine andere Frage, welche die folgenden 100 Minuten bestimmte: Wann darf ein Verband – angesprochen durften sich nicht nur die beiden Beklagten, der Deutsche Ringer-Bund (DRB) und der Weltverband UWW, fühlen – seine Sportler sperren, wann mit Sanktionen drohen? Abschließende Antworten blieb das Gericht zwar vorerst schuldig, dennoch durften DRL-Präsident Werner Koch und seine Mitstreiter in der Vorahnung eines juristischen Punktsieges die Heimreise antreten. Der Vorsitzende ließ kaum einen Zweifel aufkommen, dass das Urteil, das am 13. Februar 2019 verkündet werden soll, zugunsten der DRL, der unter anderem der SV Germania Weingarten und der KSV Ispringen angehören, ausfallen wird.

Gericht: Sanktionen nicht präzise in einem Regelwerk niedergeschrieben

Der Hauptgrund: Die Sanktionen, die DRB und UWW gegen Athleten aus der vermeintlich verbotenen Liga ausgesprochen hatten, sind nicht hinreichend präzise in einem Regelwerk niedergeschrieben. Herangezogen hatte das Gericht unter anderem eine Entscheidung der Europäischen Kommission gegen die Internationale Eislaufunion (ISU) vom Dezember 2017. Die Kommission hatte damals festgestellt, dass Sanktionen der ISU gegen Sportler, die an nicht von der ISU genehmigten Wettkämpfen teilgenommen hatten, gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoßen.

DRB stellt Kriterienkatalog für Parallelveranstaltungen auf

„Ich werte das als großen Erfolg“, sagte Koch, gleichzeitig Vorsitzender des KSV Ispringen, zum Verlauf der Verhandlung. Vom DRB gab es nach dem Termin zunächst keine offizielle Stellungnahme. Reagiert hat der Verband aber bereits vor der Verhandlung: Am Mittwoch veröffentlichte der DRB auf seiner Webseite „Richtlinien für die Anerkennung von Drittveranstaltungen“. Der 13 Seiten umfassende Kriterienkatalog hat auf das laufende Gerichtsverfahren allerdings keine Auswirkungen mehr. Dieses könnte indes auch nach dem 13. Februar weitergehen: Dass der DRB in Berufung geht, gilt als wahrscheinlich.

Wir machen den Kuchen durch unser Angebot doch nur größer

Der Streit um die Fleischtöpfe dürfte also noch nicht zu Ende sein. Oder, wie es der DRB-Anwalt ausdrückte: Der Verband habe den Kuchen gebacken, „und nun wollen die anderen etwas abhaben, ohne Zutaten geliefert zu haben“. Bei der DRL sieht man das natürlich anders. „Wir wollen dem DRB nichts wegnehmen, wir machen den Kuchen durch unser Angebot doch nur größer“, sagt DRL-Geschäftsführer Markus Scheu.