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Langer Kampf um Anerkennung

Karlsruher Cheerleader: Vertrauensarbeit beim Pyramidenbau

Ihre Einlagen sind so akrobatisch wie perfekt inszeniert. Beim Cheerleading stellt sich permanent die Vertrauensfrage - und es ist mehr als nur schmückendes Beiwerk.

Das Team der Golden Paws beim Corona bedingten Teamtraining im Freien, auf dem Karlsruher Loreal Spielplatz. GES/ Turnen/ Cheerleading: Golden Paws, Datum -- Foto: Tim Carmele/GES

Die Vertrauensfrage stellt sich permanent. Dann, wenn es zum Beispiel per Salto-Wurf akrobatisch hoch geht auf die Pyramide. „Oder eben, wenn du dich rückwärts runter fallen lässt”, wie Annika Loos sagt. Ohne die Gewissheit, dass die helfenden Hände schon wissen, wann sie wo zu sein und was sie zu tun haben, geht nichts im Cheerleading.

„Alles baut auf Vertrauen auf”, sagt Loos von den Karlsruher Golden Paws. Das Vertrauen untereinander, der Teamgeist - das macht für die 22-Jährige den Reiz einer Sportart aus, die oftmals nur als allenfalls schmückendes Beiwerk gesehen wird.

„Die Frage gibt es immer noch: Für welches Team wir denn auftreten”, sagt die Karlsruherin, die seit Jahren eben auch Aufklärungsarbeit leisten muss. Nein, nicht für, sondern als Team trete man auf. Und, nein, man sei nicht nur Deko.

„Das nervt natürlich einerseits, dass man sich versucht zu rechtfertigen. Andererseits wissen wir ja, wie viel Arbeit wir reinstecken”, sagt Loos. All jenen, die ihr entgegnen, Cheerleading sei doch kein Sport, hält die Lehramtsstudentin entgegen: „Schaut euch doch mal eine Meisterschaft an.”

Der schwere Kampf um Anerkennung

Der Kampf gegen die Bilder hübsch uniformierter und mit Pom-Poms wedelnder Cheerleader, die nur den Rahmen bilden für ein Basketball- oder sonstiges Spiel, ist ein zäher. So wie der auf dem Weg, als olympische Sportart anerkannt zu werden.

Seit Dezember 2017 ist der deutsche Cheerleading-Verband Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbunds. Aufbauarbeit aber ist ja das tägliche Brot der Cheerleader. „Der Bau der Pyramiden nimmt im Training die meiste Zeit in Anspruch”, berichtet Loos, die bei den Paws die mittlere Altersgruppe der Red Angels trainiert und beim Senior Team als Flyer obenauf ist.

Der „Flyer” ist diejenige, die die Spitze der Pyramide bildet, die bis drei, vier Körperlängen hoch gebaut werden kann. Die „Bases” sind die, die unten drunter stehen: Die einen tragen hauptsächlich das Gewicht, die an der Seite sind für das Gleichgewicht zuständig.

Blaue Flecken „gibt es dann schon”, sagt Loos, die als kleines Kind so begeistert war von einem Cheerleader-Auftritt bei einem Stadtfest, dass sie keine Ruhe mehr gegeben hat. „Meine Mutter hat gedacht, das legt sich”, erzählt Loos. Die Mutter irrte sich. Und sobald es möglich war, war Loos dann bei den „Pebbels”, den jüngsten der Golden Paws, im Training.

Was zählt, sind die Meisterschaften

„Das ist einfach mein Sport”, sagt Loos, die auch schon die Bundesliga-Zeiten der BG Karlsruhe mit voller Europahalle miterlebte. Heute sorgen die Paws für den Drittliga-Aufsteiger College Wizards am KIT für die sportliche Unterhaltung. Was aber zählt, sind neben weiteren Auftritten die Meisterschaften, die mittlerweile zu Großveranstaltungen geworden sind, unterteilt in Altersklassen und Schwierigkeits-Levels. „Es gab in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Teams”, berichtet Loos.

Alles baut auf Vertrauen auf.
Annika Loos, Cheerleaderin

Auch bei den Golden Paws ist ein positiver Trend zu spüren. Insgesamt 90 Aktive zählt der seit 2003 eigenständige Verein. Viel mehr geht nicht, es mangelt an Sponsoren und Trainingsmöglichkeiten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Situation verschärft. Weil die von ihnen genutzten Schulsporthallen erst für Unterricht genutzt wurden und jetzt in den Ferien zu sind, trainieren die Paws schon seit Juli im Freien. Die Deutschen Meisterschaften wurden ebenso abgesagt wie WM und EM. Aber auch so arbeiten die Karlsruher Cheerleader, die aktuell ohne Jungs in ihren drei Teams sind, an Sprüngen und Figuren, an Kraft und Ausdauer - und am gegenseitigen Vertrauen.

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