Martin Fourcade
Sicherte sich in Antholz souverän den WM-Sieg über 20 Kilometer: Martin Fourcade. | Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Biathlon-WM

Keine Medaille: Peiffer 50. – Fourcade Einzel-Weltmeister

Anzeige

Antholz (dpa) – Kopfschüttelnd lief Arnd Peiffer nach seinem Fehler-Festival am Schießstand in seine Schlussrunde und stand damit sinnbildlich für die nicht konkurrenzfähige Leistung der deutschen Skijäger im WM-Einzel von Antholz.

Selbst Mr. Zuverlässig kam beim Sieg des Franzosen Martin Fourcade vor dem Norweger Johannes Thingnes Bö am Schießstand nicht klar und kassierte als Titelverteidiger gleich sechs Strafminuten. «Das war ein gebrauchter Tag für mich. Eine Katastrophe, ich hätte mich am liebsten eingegraben», sagte der Sprint-Olympiasieger nach dem desillusionierenden Platz 50 (!).

Insgesamt 24 Fehler schoss das Quintett von Bundestrainer Mark Kirchner. «Die Fehlerquote war deutlich zu hoch, das reicht einfach nicht», sagte Kirchner, der aber trotz nun drei medaillenlosen Einzelrennen seiner Männer keine große Negativität zulassen wollte: «Was nützt es mir, wenn ich mir hier Sorgen machen würde. Wir haben die Saison schon oft gezeigt, was wir können.» Im Massenstart und der Staffel greife man wieder an.

Bester Deutscher im italienischen Antholz war Benedikt Doll als Zwölfter – mit vier Strafminuten. «Ich bin gar nicht unzufrieden. Hier ist es so schwierig, den Wind zu lesen. Aber ein paar kommen durch und das kann man schon kritisch beurteilen», sagte der Ex-Sprintweltmeister, der noch in keinem sein drei Rennen am Schießstand wirklich zurecht kam. Auch Philipp Horn (4 Fehler/Platz 21), Johannes Kühn (5/26) und Philipp Nawrath (5/47) schossen zu oft daneben.

Nach dem kollektiven Blackout könnten die deutschen Männer erstmals seit der WM 2016 in Oslo ohne Einzelmedaille nach Hause fahren – im Massenstart am Sonntag haben sie die letzte Chance. Vor dem großen WM-Finale stehen noch die beiden Staffeln auf dem Wettkampfprogramm. Und am Donnerstag (15.15 Uhr/ARD und Eurosport) die Single-Mixed mit Erik Lesser und Franziska Preuß.

Mit stoischer Ruhe notierte Kirchner am Schießstand die Fehlschüsse. Wie es geht, zeigten die Giganten Fourcade und Bö. Bei seinem insgesamt zwölften WM-Sieg kassierte Fourcade nur eine Strafminute, sein Rivale Bö leiste sich zwei Fehler und verspielte so das Gold. Der Österreicher Dominik Landertinger als Dritter patzte nur einmal.

In dieser Saison schwankte die Schießquote der Deutschen oft, andere Nationen sind stabiler. Und die Norweger und Franzosen haben immer einen Schießtrainer dabei. Auch die Deutschen haben einen Experten – Gerald Hönig, der frühere Damen-Bundestrainer. Er wird aber von den Athleten wenig in Anspruch genommen, sehr zur Frustration des Thüringers. In Antholz war er zwar in der ersten WM-Woche, aber nur privat. Beim Weltcup in Oberhof Anfang Januar gab zwar ein Gespräch zwischen Hönig und dem Sportlichen Leiter Bernd Eisenbichler, wo «etwaige Ungereimtheiten ausgeräumt» wurden. Aber dass Hönig ständig im Top-Bereich dabei ist, sei nicht vorgesehen, hieß es da.

Wäre es nicht doch sinnvoll, einen externen Schießtrainer zu engagieren? «Grundsätzlich müssen wir uns die Kritik gefallen lassen und sehen, wie wir das verbessern. Ob das personeller Natur ist, darüber kann man diskutieren», sagte Peiffer. Jetzt aber irgendeinen Schießtrainer zu holen, mache es nicht unbedingt gleich besser. «Die Frage ist, wen holt man, was soll der inhaltlich anders machen. Aber man muss sich Gedanken machen, wie kann man letztlich die mannschaftliche Schießquote verbessern», meinte der 32-Jährige.

Aus Sicht von Doll sollte man jetzt nicht «überhysterisch» reagieren und das Ganze überdramatisieren. «Ich denke, ich muss viel selber kritisch mit meiner Wahrnehmung reflektieren. Ein externer Schießtrainer kann da vielleicht ein bisschen unterstützen, aber das muss man selber mit sich ausmachen», sagte Ex-Weltmeister Doll.