v.l.: KSC-Praesident Ingo Wellenreuther, Holger Siegmund-Schultze (KSC-Vizepraesident), Guenter Pilarsky (KSC-Vizepraesident), Geschaeftsfuehrer Helmut Sandrock (KSC), Sportdirektor Oliver Kreuzer (KSC), GES/ Fussball/ 3. Liga: Karlsruher SC/ Ordentliche Mitgliederversammlung, 12.10.2017 -- | Foto: GES

Auch Ausgliederung soll kommen

KSC auf dem Weg in die Zukunft

Als Leisetreter kommt Helmut Sandrock nicht daher. In ihm hat der Karlsruher SC vor einem Jahr ein weiteres Alphatier an Bord geholt. Aufräumen, umkrempeln, sanieren, stabilisieren, wachsen – Sandrock, im Vorleben unter anderem Thyssen-Manager, drückt als Geschäftsführer lieber aufs Tempo als lange herumzudrucksen. Wahrgenommen werden will er als Macher, nicht als Schwadronierer. In seinen Absichten ist der frühere Generalsekretär des Deutschen Fußballbundes bestimmt, vom KSC spricht er als „riesengroßen Tanker“. Er erwähnt die 100 Beschäftigten und betont, dass 60 Prozent der auf dem „Tanker“ anfallenden Ausgaben nicht dem Profispielbetrieb zuzuschreiben sind. Oft werde das vergessen.

„Zu viel Speck am Gürtel“

Sandrock schätzt, dass er in dem einen Jahr beim KSC für einen Kulturwandel im Dialog mit Banken, Stadt, Sponsoren und Fans gesorgt hat. Übertragen wurde ihm vom Präsidium auch das „Kostenmanagement“, was freilich netter klingt als der damit einhergehende Vorgang, auch Mitarbeiter zu entlassen. Dort, wo sich das Bundesliga-Gründungsmitglied mit einem Gesamtetat von um die zwölf Millionen Euro bewegt, – auf ein Jahr als Drittligist folgt nun mindestens ein weiteres –, seien „harte Einschnitte“ nötig. Sandrock sieht beim KSC „zu viel Speck am Gürtel“ und sich in der Verantwortung, ein „Millionen-Einsparprogramm“ zu managen, „ohne da jetzt in Details zu gehen“. Das aber hatte der 61 Jahre alte Funktionär in den jüngeren Bankengesprächen durchaus zu tun.

Konzept überzeugt Banken

Aus dem Kreis von Commerzbank, Sparkasse und Volksbank hatte man im Zuge der Lizenzierung eine zweijährige Fortführungsprognose vom Geschäftspartner aus der Kickerbranche verlangt. Beruhigt habe die Hausbanken letzten Endes der Einstieg neuer Geldgeber und daneben auch der Inhalt einer vom KSC aufgelegten Broschüre. Sie trägt den Titel „Zukunft Karlsruher SC“ und zeigt auf, wo sich der Verein sieht, wo er hin will und wie er den Teufelskreis der Verschuldung durchbrechen will – letztlich: Wie er für neue Kreditgeber und Sponsoren attraktiver werden will. Überwiegend Absichtserklärungen, adrett präsentiert. „Ziel ist es, den Profibetrieb des KSC in ein modernes, zukunftsfähiges Unternehmen zu transformieren und den gesamten Verein fit für die Zukunft zu machen“, heißt es. Es ist eine Programmatik des Aufbruchs als Ergebnis von Sandrocks Vorarbeit. Sie enthält nicht nur Dinge, die traditionsbewusste Fans begeistern. „Ein Baustein der geänderten Finanzpolitik ist die Veränderung der Vereinsstrukturen mittels Gründung einer Kapitalgesellschaft“, heißt es zum Thema „Strategische Finanzpartner“. Ausgliedern will man also, sich bewerten lassen und über diesem Weg versuchen, sich Partner ins Boot zu holen. Die Ausgliederung setzt eine Entschuldung voraus. Die müsste finanziert werden. Der KSC-Verwaltungsrat habe laut dessen Vorsitzendem Michael Steidl die Umsetzung des gesamten Konzepts beim Präsidium „mit Nachdruck“ eingefordert.

Neue Zeitrechnung nach Stadionbau

Frank Mentrup (SPD), das Alphatier im Rathaus, saß bei Bankengesprächen auf Seiten der Kreditgeber. Als Oberbürgermeister ist er bei der Sparkasse Karlsruhe-Ettlingen Chef des Verwaltungsrats. So weiß er genau, wie gewirtschaftet wird beim KSC, mit dem die Stadt im November 2016 die große gemeinsame Sache vertraglich regelte: ein neues Stadion am jetzigen Standort für 35 000 Zuschauer, das die Stadt vorfinanziert und der KSC über Pachtzahlungen binnen 35 Jahren refinanzieren soll. Geplante Gesamtkosten: 123 Millionen Euro. Mit der Auftragsvergabe zur Beseitigung der die 1955 erbauten Traditionsstätte umgebenden Erdwälle aus Kriegsschutt sieht sich der Stadtrat am 17. Juli befasst. Am 18. September soll der Vollumbau vom Rat an einen Bauträger übergeben werden.
In Mentrups OB-Wahlkampf gegen KSC-Boss Ingo Wellenreuther (CDU) vor fünf Jahren war der Stadionbau ein Versprechen. Mentrup erkannte an, dass der Profifußball in der Stadt ohne neue Arena verlieren wird. Beim KSC ist das zu einem Mantra geworden: Alleine die vor 2021 nicht zu mehr zu erwartende Stadioneröffnung könne eine neue Zeitrechnung einläuten, heißt es. Mit bis zu drei Millionen Euro an Mehreinnahmen jährlich rechnet man danach. Obschon bereits mit Baustart Extraeinnahmen aus Verträgen mit dem Vermarkter Lagardère und dem Caterer abfallen, lauten die Gebote bis dahin: Sparen, Professionalisieren – und: Aufsteigen.

 

 

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Nach Schwartz soll auch Kreuzer verlängern

In der Dritten Liga gibt es in Auftaktgegner Eintracht Braunschweig, im 1. FC Kaiserslautern, in 1860 München oder KFC Uerdingen liquide Konkurrenz, aber für alle weiter nur etwa 800 000 Euro aus dem TV-Topf. In der Zweiten Liga wären es zehn Millionen Euro. Welten. Dem Trainer Alois Schwartz traut der KSC zu, den verein im zweiten Anlauf an die Geldtöpfe zurückführen. Vor dem am Sonntag auf dem Wildpark-Areal gefeierten Familientag hat der KSC den Vertrag mit Schwartz und dessen Assistenten Dimitrios Moutas vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert. Nur verkündet ist es noch nicht. Auch Sportchef Oliver Kreuzer soll ein neues Arbeitspapier mit dieser Laufzeit erhalten.

Neue Kreditgeber an Bord

Millionenbeträge sind der Alltag eines anderen Alphatiers im Club. Um die „zwei Millionen Euro“ binnen zwei Geschäftsjahren möchte der KSC abspecken. Günter Pilarsky sagt das. Er ist in der präsidialen Ära Wellenreuthers der Vize von Anfang an, Holger Siegmund-Schultze wurde 2016 für Georg Schattling hinzugewählt. So lange wie Pilarsky amtiert, so lange ist er die Lebensversicherung des Vereins.
Der 80-Jährige blickt von seinem gläsernen Büro im fünften Stock der Cronimet-Zentrale in der Südbeckenstraße hinunter auf den Karlsruher Rheinhafen. Ein erhabenes Panorama mit stählernem Charme. Fast jeden Tag gegen elf Uhr fährt der Senior-Chef an der Konzernzentrale vor. Er hat das von ihm gegründete Unternehmen, das mit Edelstahlschrott, Eisenlegierungen und Metallen handelt, zu einem Imperium ausgebaut. Dass die Abhängigkeit des Clubs von Pilarskys Besserungsscheinen und sonstigen Garantien maximal wurde, sorgte für Unruhe, und wurde nun zum endlichen Prinzip erklärt. Weitere Kapitalgeber haben sich eingeklinkt. Sie kommen auch aus den Gremien und aus dem Wirtschaftsumfeld. Schwergewichte. Auch Wolfgang Grenke, Hauptaktionär der Baden-Badener Grenke AG, ist darunter. Der Präsident der Karlsruher IHK war 2016 als Mediator in den verfahrenen Stadionverhandlungen eingebunden. Pilarsky sagt, dass er 2019 für eine weitere Amtsperiode anstrebe und dass er es unbedingt erleben will, im neuen Stadion zu stehen. Pilarsky ist es gewohnt, zu bekommen, was er möchte.

Sandrock soll gestärkt werden

Der ungebremste „Feuereifer“ des Mitstreiters freut das per Rolle und saisonaler Plakatierung in der Region gesichtsbekannteste Alphatier beim KSC – Wellenreuther. Was hatte man dem Politiker nicht alles nachgesagt in all den Jahren. Oft genug sah er sich dann als Opfer übler Nachreden oder von „Fake News“. Kürzlich erst wieder stand sein Name als ursächlich im Zusammenhang mit dem geplatzten Wechsel des Nachwuchstrainers Lukas Kwasniok zu Erzgebirge Aue. Demnach habe sich sein Vorstand in die Verhandlungsführung des Sportchefs eingemischt, und mit der zwischenzeitlichen Forderung von einer halben Million Euro als Ablöse den Relegationsgewinner vergrault.

Solche Indiskretionen verschweigen meist die andere Seite der Medaille und auf der steht, dass Philipp Max vor drei Jahren nur deshalb für nicht weniger als 3,8 Millionen Euro zum FC Augsburg wechselte, weil Wellenreuther auf diese Dimension der Ablöse beharrte. Nun könnte Max für zwölf bis 15 Millionen Euro in Englands Premier League wechseln und der KSC würde, per Fußnote im damaligen Transfervertrag, zehn Prozent an der Netto-Ablöse mitverdienen. Wellenreuther glänzt also nicht nur vor Kameras oder bei Mitgliederversammlungen als guter Verkäufer. Die Krux: Er sieht nun schon der dritten von ihm verantworten Drittliga-Saison entgegen.Ironischerweise war Sandrock auf Seiten des DFB einer der Geburtshelfer dieser Liga, die ab 27. Juli ihre elfte Saison erleben wird. Teil der Ironie ist es, dass sich Wellenreuther im Club etwas zurücknehmen soll, um Sandrocks Position im Sinne der Strategiepapiere zu stärken. Der Verwaltungsrat erwartet, dass den Mitgliedern im Herbst ein Antrag zur Satzungsänderung vorgelegt wird, nach deren Annahme Sandrock in einem festgelegten Rahmens zeichnungsberechtigt wäre.

„Zeichen der Zeit erkannt“

Wellenreuther verweist auf Nachfrage auf laufende Prüfungen, lobt Sandrocks Kompetenz, mit der er „das Präsidium im operativen Geschäft spürbar entlastet und die Geschäftsstelle des KSC führt und neu organisiert“. Es ändere „allerdings nichts an der operativen Verantwortung, der Haftung und der Vertretungsbefugnis des Vorstandes beziehungsweise des Präsidiums bei einem eingetragenen Verein. In dieser Rechtsform sind wir an das Gesetz und die Satzung gebunden“. Wellenreuther reklamiert die Neuafstellung als vom Vorstand länger erkannte Notwendigkeit. Er sagt: „Natürlich hat es im Hinblick auf die erteilte positive Fortführungsprognose geholfen, dass wir als Verein die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Weichen gestellt haben, als die Gelegenheit sich ergeben hatte. Dazu gehörte, Helmut Sandrock als Geschäftsführer einzustellen, mit dem wir gemeinsam ein Zukunftskonzept aufgestellt und verabschiedet haben.“ Das Gelöbnis zur Besserung, ein Papier der Hoffnung: Zukunft Karlsruher SC. Mit allen Alphatieren.