Mentrup will Antworten

KSC muss Fragen beantworten

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KSC-Boss Ingo Wellenreuther wehrt sich gegen Insolvenz-Szenarien und sieht sich als „Blitzableiter“ jener Fans, die beim 1:3 gegen Lotte seinen Kopf gefordert hatten. Auch entzog er den dunklen Stimmungsberichten zu seinem Verein jede Berechtigung. Wie Karlsruhes OB Frank Mentrup den KSC wahrnimmt, ließ der am Freitag beim Besuch der Badischen Neuesten Nachrichten beim Thema Stadionbau erkennen. „Ich habe dem Verein am Mittwoch mitgeteilt, dass er von uns Anfang nächster Woche einen Fragenkatalog kriegt“, erklärte Mentrup und nannte Fragen, durch deren Beantwortung der KSC „die Möglichkeiten nutzen muss, den Gemeinderat zu überzeugen“.

Mentrup führte an: Wie steht der Verein zu seinen Annahmen, dass er – auf eine Dekade bezogen – zwei Jahre in der Bundesliga, sieben in der Zweiten und nur eines in der Dritten Liga zubringen würde. Dies war Berechnungsgrundlage zu Pacht und Laufdauer. Mentrup wolle auch wissen: „Wie sieht eine mögliche Strategie aus, um in eine höhere Liga zu kommen? Welche Wirtschaftsplanungen gibt es über die Saison hinaus?“ Der OB brauche „aktualisierte Antworten, „weil ich diese Fragen im Hauptausschuss im Gemeinderat gestellt kriege“.

„Vertrauensdefizit“ durch  Sandrock-Abgang

Am 23. Oktober steht die Vergabe des Bauauftrags an einen Generalunternehmer an. Dem voraus geht am 22. Oktober die Ordentliche Mitgliederversammlung des KSC, auf der ähnliche Fragen erörtert werden dürften. „Ich habe dem Verein bisher immer sehr viel zugetraut“ erklärte Mentrup, „aber ich nehme schon wahr, dass es eine schwindende Vertrauensbasis gibt in der öffentlichen Wahrnehmung, die ich nachvollziehen kann. Und insofern müssen wir diese Fragen dann eben auch zur Vorbereitung der politischen Entscheidung miteinander klären“, sagte Mentrup. „Relativ bedeutsam“ sei „der Weggang von Geschäftsführer Helmut Sandrock gewesen“, so der SPD-Mann Mentrup, „weil man in ihn sehr viele Hoffnungen auf die weitere Professionalisierung des Vereins“ gesetzt habe, „und die ist als Anliegen ja deutlich älter als Herr Sandrock“. Mit Sandrock habe die Stadt „einen sehr guten Kontakt gehabt und insofern trägt dieser Weggang zu diesem Vertrauensdefizit bei, das sich da allmählich aufbaut“. Mentrup wiederholte, „dass man eine Zustimmung zu einem solchen Projekt, dass dann wieder Wirkung für mindestens die nächsten 50 Jahre entfaltet, nicht von dem aktuellen Tabellenstand abhängig machen kann“.

Trennung von Bock

Die städtischen Nachfragen haben Wellenreuther alarmiert. Das von Sandrock hinterlassene Modernisierungspaket werde voll umgesetzt, betonte Wellenreuther. Der mit ihm vereinbarte Interviewtermin war am Freitag kurzfristig zur Dreierrunde geworden. Der KSC-Präsident hatte Verwaltungsratssprecher Michael Steidl hinzugebeten. Der bestätigte, dass jede Lesart, dass der KSC wirtschaftlich kollabieren könne, falsch sei. Vielmehr habe der Vorstand bei einem Treffen der Gremien am Abend davor keine Wünsche hinsichtlich der Finanzen offen gelassen. Hinweise, dass Vize-Präsident Günther Pilarsky als Kreditgeber reservierter agieren könnte, gebe es nicht. Dank Pilarskys Hilfe habe der KSC das vergangene Geschäftsjahr gar mit einem Minus im nur oberen fünfstelligen Bereich (geplant: 1,8 Millionen Euro) abgeschlossen. Wirtschaftlich, das betont Steidl, sei „alles unter Kontrolle“. Und sowohl Wellenreuther als auch Mentrup ist wichtig: „Wir sind überein gekommen, dass künftig die Planvorgaben eingehalten werden.“ Bei der Kostenreduzierung wie „bei vielen anderen Bereichen“ wähnt man sich „auf einem guten Weg“.Zur Kostenreduzierung gehöre die vom KSC nun bestätigte Trennung von Pressesprecher Jörg Bock, dem gekündigt worden war. Nachfolger des seit 2003 beim KSC beschäftigten Bock ist Florian Kornprobst, seit 2016 in der Abteilung Kommunikation und Medien.