Erleichtert ist KSC-Sportchef Oliver Kreuzer, dass die Politik grünes Licht für den Bundesliga-Neustart gegeben hat.
Erleichtert ist KSC-Sportchef Oliver Kreuzer, dass die Politik grünes Licht für den Bundesliga-Neustart gegeben hat. | Foto: GES

Geisterspiele und Testsystem

KSC-Sportchef Kreuzer lobt DFL-Konzept für Neustart, fürchtet aber erhöhte Verletzungsgefahr

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Das bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag vorgestellte Konzept der Deutschen Fußball Liga hat auch beim Zweitligisten KSC die Hoffnung auf einen baldigen Neustart genährt. Das letzte Wort hat allerdings die Politik.

Die Dauer eines Fußballspiels mit Verlängerung und Elfmeterschießen hatte nicht ausgereicht, um das Konzept der Taskforce zu erläutern, um Fragen zu beantworten und um den Clubs das mit auf den Weg zu geben, was sie auf dem Weg zum erhofften Neustart beherzigen sollen.

Über drei Stunden hatten die 36 Proficlubs am Donnerstag virtuell getagt, ehe Christian Seifert auf der Pressekonferenz verkünden konnte, dass die Vereine bereit seien für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Das erste Mai-Wochenende als Starttermin nannte Seifert „unrealistisch“. Selbst ein Datum festzulegen, wäre „anmaßend, gehört sich auch nicht und liegt nicht an uns“, stellte er klar. Die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel konferieren am 30. April – womöglich fällt dann eine Entscheidung.

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Positive Signale kamen am Donnerstag von Winfried Kretschmann (Grüne). Baden-Württembergs Ministerpräsident hält Geisterspiele für möglich, „wenn es verantwortbar ist.“ Entscheidend seien die Randbedingungen. Hinter den Spielern gebe es ja noch eine kräftige Entourage, sagte Kretschmann in Ulm.

Geld aus dem TV-Topf fließt – KSC bekommt rund 2,5 Millionen

Und wie die sich verhalten soll, regelt das Konzept, das eine Taskforce unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer erarbeitet hat. Seifert betonte: „Wenn man dieses Konzept ablehnt, dann ist klar, dass man wahrscheinlich auch in einigen Monaten nicht spielen kann. Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Corona-Krise.“

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Der aus Rastatt stammende Seifert konnte auch erfreuliche Nachrichten verkünden: Alle Rechte-Inhaber bis auf einen haben zugesagt, die Mediengelder im Mai zu überweisen. Für den Karlsruher SC stehen dabei rund 2,5 Millionen Euro auf dem Spiel. Geschäftsführer Michael Becker zufolge fließt im Mai ein Teil des Geldes und der Rest, wenn die Saison tatsächlich zu Ende gespielt wird. Die Summe trägt zumindest ein wenig dazu bei, die prekäre wirtschaftliche Lage des Zweitligisten zu verbessern. Es ändert aber nichts daran, dass der KSC darüber hinaus große Kraftanstrengungen unternehmen muss, um den Gang in die Insolvenz zu vermeiden. Wird in den kommenden Wochen keine tragfähige Lösung gefunden, werden die Mitglieder am 15. Mai zum Szenario einer Planinsolvenz in Eigenverwaltung befragt.

Kreuzer findet Konzept in Corona-Krise schlüssig

Oliver Kreuzer, Sportchef des KSC, hat gemeinsam mit Becker an der DFL-Sitzung teilgenommen. Sein Urteil: „Das ist ein sehr schlüssiges, ausgeklügeltes Konzept.“ Dieses sieht unter anderem vor, dass die Profis mindestens einmal pro Woche kontrolliert werden. „Die Annahme einer Zahl von rund 20.000 Test ist sicherlich realistisch“, sagte Meyer.

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Auf Kosten des Gesundheitssystems werde der Neustart aber nicht erfolgen, betonte Seifert: „Alle Labore haben uns schriftlich versichert, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten.“

Der Umgang mit Quarantäne-Fällen werde im Falle eines positiven Tests „ein ganz, ganz entscheidender Aspekt sein“. Die Hoffnung der Clubs ist, dass dank der Vorsichtsmaßnahmen nicht eine komplette Mannschaft betroffen ist.

Vorbereitungszeit dürfte kurz ausfallen

Offen blieb, wann die Teams wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Eine mindestens zweiwöchige Vorbereitungszeit, die sich auch Kreuzer wünscht, scheint nur schwer machbar. „Es geht gar nicht um das Leistungsvermögen einzelner Akteure, sondern man muss sich auch die Frage nach der Gesundheit der Spieler stellen“, fürchtet Kreuzer den einen oder anderen verletzungsbedingten Ausfall nach dem Neustart.

Die Vorgaben am Spieltag – etwa sollen nicht mehr als rund 300 Personen unterteilt in drei Gruppen an der Durchführung einzelner Geisterspiele beteiligt sein und klare Hygienevorschriften gelten – seien detailreich, aber umsetzbar, glaubt der KSC-Sportchef. „Die Organisation eines Heimspiels gegen Stuttgart ist da schwieriger.“

Die Schar der Skeptiker dürfte aber nicht verstummen. Verschiedene Interessengruppen sehen ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial. Die Sicherheitsbedenken der Polizei-Gewerkschaft bestehen weiter, und auch Teile der Fans sehen einen Wiederbeginn kritisch.