Forscher Schwabe: Drei Punkte und damit den ersten Sieg des Karlsruher SC beim VfB Stuttgart strebt Alois Schwartz am Sonntag im Landesduell an.
Forscher Schwabe: Drei Punkte und damit den ersten Sieg des Karlsruher SC beim VfB Stuttgart strebt Alois Schwartz am Sonntag im Landesduell an. | Foto: GES

BNN-Interview

KSC-Trainer Schwartz vor dem Derby: „Wir glauben an unsere Chance“

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Alois Schwartz hat das Derby-Vorgeplänkel bis hierhin ordentlich verdaut. Nicht mit allem tut er sich dabei leicht. Anders als sein Kollege Tim Walter beim VfB Stuttgart, der seit Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren lässt, hat er bei seinen Einheiten interessierte Zuschauer. Dem Chefcoach des Karlsruher SC stehen im Wildpark schlicht und einfach nicht die baulichen Voraussetzungen für Geheimniskrämerei zur Verfügung.

Damit versuchte sich der 52 Jahre alte Nürtinger auch in der Vorbereitung auf das „Spiel der Spiele“ zu arrangieren, wie er im Interview mit unserem Redaktionsmitglied René Dankert das am Sonntag (13.30 Uhr) bevorstehende Landesduell in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena bezeichnet.

Herr Schwartz, können Sie eigentlich noch richtig schwäbeln?

Schwartz: Natürlich, sogar sehr breit. Das mache ich aber nur, wenn ich in Nürtingen vorbeischaue, wo ich aufgewachsen bin.

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Erinnern Sie sich, wie in Ihrer Jugend der schwäbische Blick auf die Badener war?

Schwartz (überlegt): Gelbfießler, das war das geflügelte Wort. Aber sonst habe ich nichts Besonderes in Erinnerung. Gut: Über den einen oder anderen badischen Dialekt schmunzelte man, aber da war nichts Feindseliges.

Sie waren als Fußballer dann von Anfang an ein Blauer, hat Sie der VfB Stuttgart denn nicht gereizt?

Schwartz: Es hat sich nicht ergeben. Ich habe bei den Stuttgarter Kickers ein Probetraining gemacht und bin dann dort hängengeblieben. In den beiden Bundesliga-Jahren mit den Kickers haben wir unsere Heimspiele dann im großen Neckarstadion ausgetragen. Aber das Fanpotenzial war natürlich mit dem des VfB in keiner Weise vergleichbar.

Sie und Ihr Assistent Dimitrios Moutas vertreten als Schwaben auf der Trainerbank die KSC-Interessen. Und beim VfB sind mit Tim Walter und Rainer Ulrich zwei Badener mit KSC-Vergangenheit verantwortlich. Kurios…

Schwartz: … stimmt, das gab‘s ja aber immer mal wieder. Denken Sie an Winnie Schäfer, an Rainer Schütterle oder an Peter Reichert, oder Jogi Löw.

Wie stehen Sie eigentlich zu den reflexartigen Aufgeregtheiten eines Derbys wie dem bevorstehenden?

Schwartz: Ich fand es bemerkenswert, dass sich sogar Jogi Löw dazu nun äußerte, dass er an die Fanlager appelierte. Und dann registriert man zeitgleich, dass in Karlsruhe Straßenbahnen besprüht werden. Da frage ich mich schon, was in solchen Köpfen vor sich geht.

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Verspüren Sie Nervosität?

Schwartz: Aktuell noch nicht, aber ich weiß, was den Leuten hier das Derby bedeutet. Ich bereite die Mannschaft im Training wie auf jedes andere Spiel vor. Wir wissen, dass wir einen nach den Zahlen übermächtigen Gegner vor uns haben.

Sie meinen das Monetäre und die Infrastruktur der Stuttgarter?

Schwartz: Genau. 60 000 Zuschauer im Schnitt, das muss man erst mal hinkriegen. Dann diese Marktwerte: Jemand hat überschlagen, dass da 83 Millionen Euro auf neun Millionen Euro aufeinandertreffen werden. Die zwei, drei Stuttgarter Topspieler verdienen wahrscheinlich so viel wie mein gesamter Kader. Die Mannschaft des VfB ist eigentlich eine Bundesligamannschaft, genau so ist sie auch zusammengestellt worden. Die Stuttgarter wollen hoch, wir wollen drinbleiben. Das ist die Ausgangslage.

Und weil das so ist, lastet der Druck auf den Kollegen Tim Walter womöglich trotz des dritten Tabellenplatzes höher …

Schwartz: Das liegt bei den unterschiedlichen Saisonzielen in der Natur der Sache. Und wenn du vier von fünf Spielen nicht gewinnst und die Konkurrenz aus Hamburg und Bielefeld dagegen punktet, ist es logisch, dass Druck aufkommt. Uns ist bewusst, dass der VfB gegen uns – Derby hin, Derby her – nichts zu verschenken hat.

Welche Erkenntnisse haben Sie zur Spielweise des VfB aus Videostudien gewonnen?

Schwartz: Sie spielen einen sehr dominanten Fußball, der erfolgsorientiert nach vorne ausgerichtet ist. Dadurch entstehen dann manchmal auch Lücken, die wir hoffentlich nutzen können.

Das VfB-Publikum gilt traditionell als besonders kritisch. Zurecht?

Schwartz: Das ist doch überall so. Alle wollen am liebsten mit zwei Millionen Doppelpässen und einer Million Flanken unterhalten werden, tollen Fußball sehen. Aber in der Tabelle zählen nur die nackten Zahlen – nicht die Doppelpässe und auch nicht, wie oft ich die Latte getroffen habe. Jeder, ob in Karlsruhe oder Stuttgart, würde es sofort unterschreiben, wenn man nach 34 Spieltagen auf dem ersten Tabellenplatz steht – ganz egal, wie man gespielt hat.

Sie wären wohl zufrieden, würden Sie mit Ihrem Team am Sonntag gegen 15.35 Uhr mit einem Punkt dastehen. Das wäre das achte Remis in Folge und Zweitliga-Rekord…

Schwartz: … wir haben doch schon Rekorde. Wir haben in der Dritten Liga 21-mal in Folge nicht verloren. Wir haben nun siebenmal hintereinander Unentschieden gespielt. Jetzt wollen wir auf andere Weise Geschichte schreiben, indem wir nach 54 Jahren erstmals mit dem KSC beim VfB gewinnen. Wir wissen, dass der VfB der große Favorit ist und es wahnsinnig schwer wird. Aber wir glauben an unsere Chance.

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