KSC-Fans blicken zurück auf ihre Freuden- und Leidensgeschichten.
KSC-Fans blicken zurück auf ihre Freuden- und Leidensgeschichten. | Foto: Hora

Fan-Stimmen

125 Jahre KSC: Was die KSC-Fans mit ihrem Verein verbinden

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Der Karlsruher SC feiert sein 125-jähriges Bestehen im Konzerthaus Karlsruhe. Zu dem Festakt kommen zahlreiche Wegbegleiter. Als Festredner wird der ehemalige Torhüter und KSC-Spieler Oliver Kahn sprechen und sich an seine Anfänge beim Karlsruher SC erinnern. Auch die Fans blicken zurück und sagen, was sie an ihrem blau-weißen Verein fasziniert und sie mit ihm verbindet.

„Ich kann gar nicht genau in Worte fassen, wie das kam“, sagt Patrick Richter (44) aus Pforzheim. Er ist Mitglied im Fanverband Supporters Karlsruhe und Moderator der Fan-Talkrunde „Nachspielzeit“. Mit sechzehn Jahren sah er sein erstes Spiel im Fanblock, danach holte er sich gleich eine Dauerkarte. Das Ganze hätte auch anders kommen und einen anderen Verein treffen können. Doch jetzt ist klar: „Es wird nie wieder einen anderen Verein geben“, so der 44-jährige Fan, der besonders die tollen Menschen und Freunde schätzt, die er über die Jahre kennengelernt hat.

Mit diesen werden Extremsituationen durchlebt, die er im Alltag so nicht erleben würde. „Das sind so viele tragische und auch schöne Momente über viele Jahrzehnte hinweg“, erklärt der Pforzheimer. Als den schrecklichsten Moment im Wildpark hat er den Pfiff und das Tor im Relegationsrückspiel gegen den Hamburger SV in Erinnerung. „Da ist etwas kaputtgegangen“, sagt er.

Der ausverkaufte Wildpark konnte bei den Gästemannschaften Eindruck machen.
Der ausverkaufte Wildpark konnte bei den Gästemannschaften Eindruck machen. | Foto: Hora

Gänsehaut-Momente im Wildpark

Trotz vieler anderer unschöner Momente sei dies der Extremste. Bei den schönen Erlebnissen klammert er das Valencia-Spiel bewusst aus, weil dies einfach eine Ausnahmesituation war. Aber gerade die anderen internationalen Spiele unter der Woche gegen Rom, Bordeaux oder Lüttich waren für ihn außergewöhnliche Begegnungen und Erinnerungen.

Auch das Spiel gegen Rot Weiß Oberhausen 2003 mit Bernhard Trares und Bruno Labbadia ist dem Fußballfan noch im Gedächtnis, weil Marco Engelhardt in der 90. Minute per Foulelfmeter der Siegtreffer gelang und der Sieg den Grundstein für den Klassenerhalt vier Spieltage später legte. Besonders an die Spiele in denen es um den Nicht-Abstieg ging, erinnert sich der KSC-Anhänger gerne. „Das waren immer Gänsehaut-Momente im ausverkauften Wildpark“, sagt er.

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Mal ist das Glas voll, mal ist das Glas leer für die Fans.
Mal ist das Glas voll, mal ist das Glas leer für die Fans. | Foto: Hora

Bastian S., KSC-Fan aus Düsseldorf, über seine Leidenschaft: „Früher war es die unendliche Gastfreundschaft der KSC-Anhänger, die mich fasziniert hat und mich auch an den Club gefesselt hat. Von dieser ist heute leider sehr wenig über geblieben.“ Dies bedeutet für ihn, dass der KSC mittlerweile austauschbar geworden ist. „Dennoch werde ich ihn immer im Herzen tragen.“

„KSC-Allesfahrer“ Christian Maier

Christian Maier aus Rastatt hält dem Karlsruher SC seit 1989 die Treue.
Christian Maier aus Rastatt hält dem Karlsruher SC seit 1989 die Treue. | Foto: privat

Einer der ganz Treuesten ist Christian Maier (40) aus Rastatt. Er ist seit 1989 KSC-Fan und Groundhopper. Maier fährt zu jedem Spiel und erlebte alle Höhen und Tiefen des Vereins. Mit dem KSC verbindet er die Liebe und Treue zu einem Fußballverein. Es ziehe ihn einfach alle zwei Wochen in den Wildpark, dabei spiele die Liga keine Rolle, so der Fan. „Im Gegensatz zu den Erfolgsfans kommt man auch, wenn der Verein abgeschlagen Tabellenletzter ist und jeder fragt, warum man das macht“, erklärt der „KSC-Allesfahrer“. Um das zu tun, müsse man schon positiv verrückt sein. „Es ist wie ein Virus“, beschreibt er seine Leidenschaft. Ist man einmal damit infiziert, komme man nicht mehr los. „Menschen kommen und gehen in deinem Leben, aber der Verein bleibt ein Leben lang“, so der 40-Jährige weiter.

Negativ sind ihm die Abstiege, aber auch das verlorene DFB-Pokalfinale gegen Kaiserslautern in Erinnerung. Positiv erinnert er sich vor allem an den Besuch seines ersten Spiels am 28. Oktober 1989 gegen den Hamburger SV, einen 2:0-Sieg oder die Reise nach Moskau. „Das war das bislang letzte UEFA-Cup-Spiel und für mich unvergessen“, sagt Maier.

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Erinnerungen an den Opa

Wenn Oliver Scheib aus Karlsruhe an den Karlsruher SC denkt, wird er automatisch an seinen Opa erinnert. Denn er war in den Jahren zwischen 1960 und 1970 schon bei den Spielen und hat ihm immer, als Scheib dann 1986 zu den Spielen ging, stolz von seiner Zeit erzählt. „Außerdem ist es mein Heimatverein, den ich unterstütze – wann und wo es immer geht“, sagt der gebürtige Brettener, der Mitglied in den Fanclubs „Bullterrier Karlsruhe“ und „Baden Onkelz“ ist.

Seit der Saison 2018/19 hätten auch seine beiden 12- und 16-jährigen Töchter eigene Dauerkarten. Am KSC fasziniert ihn das ganze „Drumherum“, die Nähe des Vereines und der Spieler zu den Fans. „Alle 14 Tage bei den Heimspielen die Fans und Freunde immer zu sehen, die ich über die Jahre im Wildpark und auswärts kennengelernt habe, ist das Schönste“, sagt der KSC-Fan. Es sei immer wieder eine große Freude für ihn.

Oliver Scheib mit seinen Töchtern Lena (links) und Sarah.
Oliver Scheib mit seinen Töchtern Lena (links) und Sarah. | Foto: privat

Als Kahn Famulla ablöste

Sein schönstes Erlebnis war das Spiel gegen Bochum als die Fans in den L-Block auf der Gegentribüne stürmten. Damals löste Oliver Kahn den bisherigen KSC-Torhüter Alexander Famulla in der Halbzeit im Tor ab. „Wir haben dann noch den Rückstand aufgeholt und gewonnen“, erinnert sich der Fußballfan. Aber auch an die Aufstiege, die Siege gegen Bayern und den VFB denkt er immer wieder gerne zurück.

Sein schrecklichstes Erlebnis war der Abstieg in die Zweite Bundesliga in Rostock, generell alle Abstiege und das Scheitern in der Relegation. „Da war ein Spiel brutaler als das andere“, erklärt Scheib und nennt die Begegnungen gegen Regensburg, Aue und den HSV.

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Blick auf den Bereich hinter der Haupttribüne.
Blick auf den Bereich hinter der Haupttribüne. | Foto: Hora

Ein Stück Familie

„Ich bin damit groß geworden. Der KSC ist ein Stück Familie“, sagt Herbert Andreesen (44) aus Remchingen. Er ist Mitglied im Fanclub „Baden Onkelz“ und ging von Kindesbeinen zum Karlsruher Sport Club. Früher sei die Beziehung noch tiefer gewesen als jetzt, aber dieser hätte noch immer einen hohen Stellenwert bei ihm.

An sein erstes Spiel an einem Mittwochabend in der letzten Zweitligasaison 1986/87 unter Winfried Schäfer gegen St. Pauli erinnert er sich noch genau. Als Elfjähriger war er hin und weg von der Stimmung im Stadion und konnte die ganze Nacht nicht schlafen.

Herbert Andreesen (links) auf der Akropolis.
Herbert Andreesen (links) auf der Akropolis. | Foto: privat

Per Anhalter nach München

Weitere besonders Spiele für Andreesen waren die UEFA-Cup-Spiele und da vor allem das Spiel in Moskau, wo nur die treuesten Fans mitgereist sind. „Wir sind mit einer alten Maschine geflogen und hatten vor Ort Polizeischutz vom Innenministerium“, sagt der 44-Jährige. Ein Fastfood-Restaurant sei dann extra für sie geöffnet worden. Die Burger und Pommes hätten sich die Fans dann dort selbst zubereitet und an der Fritteuse gestanden.

 

Die Tartanbahn im Wildpark.
Die Tartanbahn im Wildpark. | Foto: Hora

„Dann gab es noch ein Pokalspiel an einem Dienstagabend in München“, erzählt der KSC-Fan weiter. „Meine Eltern hatten die Fahrt verboten. Ich hatte kein Geld und bin per Anhalter nach München gefahren.“ Eine Viertelstunde vor Anpfiff er dann im Stadion. Das Spiel gegen den FC Bayern München gewann der Karlsruher SC und um drei Uhr war der KSC-Anhänger dann daheim. Drei Wochen Hausarrest folgten.

Debakel in Rostock und Berlin

Weniger gut in Erinnerung bleibt der Abstieg in Rostock. Andreesen war mit dem Sonderzug vor Ort, montags stand die Abschlussprüfung als Versicherungskaufmann an. Doch er konnte nicht lernen, da für ihn eine Welt zusammengebrochen ist. Die Prüfung hat er dennoch gut bestanden. „Auch das DFB-Pokalspiel in Berlin gegen Kaiserslautern war für mich besonders schlimm“, sagt er. „Da kam ich eine Zeit lang gar nicht drüber weg.“

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Toller Zusammenhalte der Fans

Stefan Oberacker im KSC-Block.
Stefan Oberacker im KSC-Block. | Foto: privat

Den 43-jährigen KSC-Fan Stefan Oberacker aus Waghäusel-Kirrlach fasziniert beim KSC der Zusammenhalt der Fans – sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Der Karlsruher SC ist für ihn ein fester Ankerpunkt in seinem Leben. „Egal was ist, was war und was sein wird – hier habe ich immer das Gefühl, willkommen zu sein“, sagt Oberacker. „Der KSC ist sozusagen eine zweite Familie.“

Sein schönstes Erlebnis mit dem Verein war am 2. November 2003 das „Wunder vom Wildpark“ gegen Valencia. Der 26. Mai 2000 geht als schlechtestes Erlebnis in seine KSC-Geschichte ein. An diesem Tag war er „Sargträger“ und hat den KSC, der damals in die Drittklassigkeit abgestiegen ist, symbolisch zu Grabe getragen. „Damals dachte ich, es geht nie mehr aufwärts“, so der KSC-Fan.

Spruchband „Acker halt dich wacker“

Eine ganz besondere Anerkennung erhielt er am 4. Mai 2019 mit dem Spruchband „Acker halt dich wacker“, das im Fernsehen beim Heimspiel gegen Großaspach zu sehen war. So munterten die Fans den kranken Fußballfan und Freund auf. „Dieser Rückhalt aus der Kurve gab mir Kraft“, sagt Oberacker.

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Fan-Graffiti