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Sararer hat beste Vorsätze

Als „Straßen­fußballer“ beim KSC

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Es ist offensichtlich, wenn er den Trainingsplatz betritt: Sercan Sararer hat einige Kilo zu viel auf den Hüften. So wird das Hauptaugenmerk des Karlsruher SC in den kommenden Wochen darauf liegen, den 29 Jahre alten Angreifer fit zu bekommen für die Anforderungen in der Dritten Fußball-Liga. „In Ruhe aufbauen“ wolle man den Fußballer, der einen türkischen, einen spanischen und einen deutschen Pass besitzt, kündigte KSC-Trainer Alois Schwartz am Samstag an. Die ausgezeichneten fußballerischen Anlagen des gebürtigen Nürnbergers Sararer sind ebenso bekannt wie dessen schwieriger Charakter und dessen Verletzungshistorie. Beim KSC glaubte man mit der Verpflichtung des ehemaligen türkischen Nationalspielers keinerlei Risiko einzugehen. Der Vertrag des früheren Profis des VfB Stuttgart und der Spvgg Greuther Fürth gilt zunächst bis Saisonende. KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer baut darauf, dass Sararer weiß, dass der KSC ihm die vielleicht letzte Chance bietet, wieder im Profifußball Fuß zu fassen. Beim 5:0 des KSC am Samstag gegen Preußen Münster stand der Zugang wie erwartet noch nicht im Kader von Alois Schwartz.

Die Badischen Neuesten Nachrichten sprachen mit Sararer.

 

Herr Sararer, ist es aus Ihrer Sicht so, dass der KSC Ihnen die letzte Möglichkeit bietet, im Profifußball wieder Fuß zu fassen?

Sararer: Von meinen fußballerischen Qualitäten her glaube ich, dass ich schon noch gute, viele Jahre vor mir habe.  Voraussetzung ist, dass ich die Fitness wiederbekomme wie zu meinen Topzeiten. Heutzutage ist es im Fußball einfach wichtig, dass man fit ist.

Wo sehen Sie sich im Augenblick?

Sararer: Für mich fühlt es sich sozusagen an, als hätte ich einen neuen Körper. Alles funktioniert und harmoniert wieder miteinander. Das war ja davor nicht so der Fall. Keiner weiß, wie lange ich diese Probleme gehabt habe. Man hatte spät entdeckt, dass ich einen Adduktorenabriss hatte – das konnte man auch nicht so wirklich sehen. Ich war dann beim Spezialisten, der das entdeckt hat. Jetzt ist nur die Frage, wie schnell ich fit werde, um 90 Minuten auf dem Platz zu stehen. Da habe ich schon noch etwas Arbeit vor mir.

Insofern ist es von Vorteil, dass Sie vor der Winterpause gekommen sind, oder?

Sararer: Es wäre natürlich schön, wenn ich noch ein, zwei Kurzeinsätze bekomme. Aber das muss ich alles mit dem Fitnesstrainer und dem Trainer klären, wie weit ich wann einsatzfähig bin für zehn, zwanzig Minuten. Lieber gebe ich mir aber etwas mehr Zeit, um die Fitness zu bekommen, damit ich auch länger konzentriert spielen kann.

Zeit zum Eingewöhnen also?

Sararer: Es ist gut, sich an die Mannschaft zu gewöhnen, ein normales Mannschaftstraining zu haben, auf höherem Niveau. Auch ist es gut, einen Plan zu bekommen für die Winterpause, und darauf zu achten, dass man den gut absolviert.

Wie blicken Sie auf die Zeit ohne Profifußball mit den vielen Stunden in der Reha zurück?

Sararer: Es war für mich eine sehr, sehr schwere Zeit. Es war meine erste große Verletzung, die ich in meiner Karriere hatte. Natürlich hatte ich davor auch schon Kleinigkeiten, aber es war immer im Zusammenhang mit meiner Adduktorenverletzung. Ich wusste am Anfang gar nicht, wie ich damit umgehen sollte. Im Fußball entwickelt sich alles so schnell. Bist du verletzt, stehst du eben hinten dran. Meine Familie, mein Berater und mein Fitnesscoach, der mich schmerzfrei gemacht hat, haben mich motiviert, damit ich dranbleibe. Es war nicht einfach für mich, weil ich nie ein Typ war, der hinter Reha und solchen Sachen zu 100 Prozent dahinter war.

Sondern?

Sararer: Für mich war immer der Ball wichtig. Aber mir ist schon bewusst geworden, auch mit dem Alter und mit der Erfahrung, dass auch neben dem Platz wichtig ist. Vom Kopf her bin ich immer der Straßenfußballer geblieben, und so freue ich mich, endlich wieder spielen zu können.

Sie haben eine bewegte Vergangenheit, hatten immer wieder Ärger wegen Disziplinlosigkeiten. Sind Sie nunmehr ruhiger geworden?

Sararer: Bei mir hatte immer der Fußball gezählt. Dass es aber auch darauf ankommt, was neben dem Platz läuft, habe ich früher nie so richtig verstanden. Heute achte ich darauf, egal wo, dass die Jungen in der Mannschaft keinen Mist bauen. Ich habe vieles erlebt und auch selbst viel Mist gebaut früher. Aber für mich sind die Zeiten jetzt vorbei. Jetzt zählt nur noch: Gas geben und auf das Wesentliche konzentrieren.

Der KSC strebt nach oben, auch für Sie eine Herausforderung, daran mitzuwirken?

Sararer: Aus früheren Zeiten, egal bei welchem Verein ich gespielt habe, weiß ich, dass es immer unangenehm war gegen diesen KSC mit seinen Fans zu spielen. Ich hoffe, dass wir eine erfolgreiche Saison hinter uns bringen können, denn in meinen Augen gehört der KSC nicht in die Dritte Liga.