Die KSC-Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze (rechts) mit Geschäftsführer Michael Becker. | Foto: GES

Tauziehen gegen die Uhr

Angezählter Wellenreuther erwartet Antwort – „Bündnis KSC“ lässt sich noch Zeit

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Wer verbirgt sich im Einzelnen hinter dem „Bündnis KSC“, das den Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC mit einem Aktienkauf über sechs Millionen Euro vor der Planinsolvenz bewahren würde? Und welche Unternehmen investieren sich darin in welcher Weise? Das sind die Fragen, auf die der vom Bündnis zum Rücktritt aufgeforderte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther bis Montagabend nach eigenem Bekunden keine Antworten erhielt. Das dürfte sich bald ändern.

Die Schlammschlacht um die Zukunft des Karlsruher SC wird zum Wettlauf mit der Zeit. „Es ist eine intensive Zeit, in der man sich ständig an Entwicklungen anpassen muss“, sagt Geschäftsführer Michael Becker.

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Am Montag hörte er beim „Bündnis KSC“ nach, wie sich dieses verhält: Zieht die teilweise bekannte Investorengruppe ihr Angebot zurück, den Verein mit sechs Millionen Euro aus der Insolvenz-Falle zu hieven? Der zum Rücktritt aufgeforderte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther hatte am Sonntag auch das zweite Ultimatum ignoriert. Vom Bündnis wurde am Montag keine Reaktion darauf bekannt.

Vier Anwälte mit Mandaten beim KSC

Das KSC-Gebäude ächzt unter der Unklarheit, wohin das führt. Inzwischen sind vier Anwälte ins Ringen um Macht, Geld und Haftungsfragen einbezogen. Mandatiert vom Präsidenten, vom Beirat, von der Geschäftsführung und vom Aufsichtsrat. Die Kosten trägt der KSC.

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Wettlauf gegen die Zeit

Der Beirat der KSC GmbH & Co KGaA hatte sich als Deadline für eine Entschuldung auf nächsten Freitag geeinigt. Sollte diese misslingen, würde die Geschäftsführung am selben Abend die Insolvenz in Eigenverantwortung beantragen. Vorausgesetzt, die Mitglieder stimmen bei der vorausgehenden Online-Versammlung zu. Die Eile begründet Becker mit insolvenzrechtlichen Gegebenheiten und Zahlungen, die sonst fällig würden. Konkreter wollte er darauf auf Nachfrage nicht eingehen.

Wo steht Siegmund-Schultze?

Ob es so weit kommt? Viele Mitglieder wie der im Herbst für das Präsidium kandidierende Kai Gruber fühlen sich nicht ausreichend informiert. „Für mich kann die Mitgliederversammlung nur eine Infoveranstaltung sein. Nicht dargestellt ist in den Anträgen, was die Alternativen zur Planinsolvenz wären. Das kann nur eine Regelinsolvenz sein, oder die Altlasten werden gegen Aktien gewandelt. Es wäre interessant zu wissen, zu welchem Verhältnis.“

Sollte Wellenreuther nicht einknicken und die Mitglieder würden tatsächlich abstimmen müssen, wäre das Resultat anfechtbar, glaubt Gruber. Und sollte letztlich doch ein Präsident gewählt werden müssen, der Martin Müller erklärtermaßen nicht sein will? Dann könnte der bisherige Vize Holger Siegmund-Schultze aus dem Hintergrund hervortreten. Der Mann aus dem Vorstand hält es dieser Tage aber wie gehabt: Er äußert sich nicht öffentlich.

Grenke bekräftigt Haltung des Aufsichtsrats

Wellenreuther Lage im Club wirkt wie die eines Alleinkämpfers, der nichts mehr zu gewinnen hat. Wie berichtet forderte er das Bündnis dazu auf, keine Frage über seine Zusammensetzung und Geldflüsse offen zu lassen. Im Schreiben seines Anwalts Georg Streit steht: „Bei Einzahlungen zum Zweck von Kapitalerhöhungen muss aus Rechtsgründen vorab festgestellt werden, wer der Einzahlende und der letztlich wirtschaftlich Berechtigte ist.“ Welleneuther verweist auf das „Geldwäschegesetz“.

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Auch der Aufsichtsrat hatte der Geschäftsführung, Beirat und Präsidium „empfohlen, darauf hinzuwirken, dass die Bedingungen des Bündnis KSC erfüllt werden“, wie dessen Vorsitzender Wolfgang Grenke bestätigte.

Den Beschluss fasste man mit acht Stimmen bei einer Enthaltung – ohne Gegenstimme. „Der KSC ist in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage. Eine Insolvenz ist leider ein realistisches Szenario und wird öffentlich diskutiert. Es ist Aufgabe des Aufsichtsrats in einer solchen Situation Hinweise zu geben“, erklärte Grenke. Hinzu komme, „dass eine direkte Einflussnahme von Investoren auf die KGaA – gegen das Votum des Vereins – durch die Regelungen in der Satzung ausgeschlossen ist. Darauf hatte das Präsidium des Vereins bei der Ausgliederung sehr deutlich hingewiesen.“

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