Christian Eichner. Foto: dpa | Foto: dpa

Interview mit Trainer

Bleibt Eichner KSC-Trainer? So will er den Verantwortlichen bei der Entscheidung helfen

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Im April wird Christian Eichner das Fußballlehrer-Diplom besitzen. Ob er dann noch Cheftrainer des Zweitliga-Abstiegskandidaten Karlsruher SC sein wird, weiß der 37-Jährige nicht. Die Verantwortlichen des Tabellen-17. warten mit ihrer Festlegung, womöglich auch auf das Auftreten und das Ergebnis der Mannschaft am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den VfL Osnabrück.

Bei der Pokal-Pleite beim 1. FC Saarbrücken im Elfmeterschießen und dem 0:2 in der Liga beim HSV stellte sich im Ergebnis noch kein Sofort-Effekt des Trainerwechsels ein. Er könne mit jeder Entscheidung gut leben, sagte der frühere Verteidiger im Interview mit unserem Redaktionsmitglied René Dankert.

Herr Eichner, stört Sie die Ungewissheit, wie der Verein plant?

Eichner: Ich weiß, dass der Verein Augen und Ohren offen halten muss. Ich kann nur die Botschaft aussenden, dass es mir Riesenspaß macht, etwas zu bewegen.

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Kommen Sie gefühlt voran?

Eichner: Ich habe bei den Jungs schon eine Verhaltensänderung festgestellt. Für mich zeigt sich deren Bereitschaft, den Weg von Zlatan Bajramovic und mir mitzugehen. Ein Sieg gegen den VfL Osnabrück am Sonntag würde es vielleicht den Verantwortlichen erleichtern, eher zu entscheiden. Es ist ein Ergebnissport.

Können Sie ein Beispiel für besagte Verhaltensänderung benennen?

Eichner: Ohne eine Anpassungsphase geht nichts, wenn du zweieinhalb Jahre erfolgreich eine bestimmte Philosophie verfolgt hast. Wenn dann ein Trainerneuling sagt: „Wir stellen gegen den HSV jeden Bodenabstoß zu und hinten spielen wir eins gegen eins.“ Dann verlangt das eine gewisse Verhaltensänderung.

Wir müssen versuchen mutiger und riskanter zu werden. Wir wollen unberechenbarer für die andere Mannschaften werden. Die alte Philosophie war auch gut, aber wir dürfen nicht in sie zurück fallen, wenn wir jetzt andere Pläne haben. Vergleichbar ist das, wie wenn ich jemanden abverlangen würde, dass er sich zum Autofahren plötzlich auf die anderen Seite setzt. Der wird immer mal wieder wie gewohnt einsteigen.

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Der nach Braunschweig ausgeliehene Aufstiegs-Torjäger Marvin Pourié hatte beklagt, dass die Taktik unter Alois Schwartz offensiv schaumgebremst war. Sprach er für den Großteil des Teams?

Eichner: Das muss Marvin selbst beantworten, ich kann nur für mich selbst sprechen. Der Offensive und Defensive müssen es hinbekommen, gemeinschaftlich in die selbe Richtung zu denken. Ich will, dass wir unberechenbarer sind. Wir müssen eine gewisse Balance finden und unberechenbarer werden.

Vor dem Spiel gegen den HSV trafen Sie dessen Sportdirektor Michael Mutzel. Hat Sie Ihr ehemaliger Mitspieler aus Bundesligatagen beim KSC beglückwünscht oder sein Beileid ausgesprochen?

Eichner: Er hat mich zum Vertrauen des KSC beglückwünscht. Mit „Mutzi“ telefoniere ich auch so dreimal wöchentlich. Wir tauschen uns über alles Mögliche aus, auch privat. Er ist einer der Menschen, der mir Feedbacks und sachdienliche Hinweise gibt.

An der Auswahl der Winter-Zugänge waren Sie unbeteiligt. Jérôme Gondorf tut sich schwer, Änis Ben-Hatira und Babacar Gueye sind erst kurz da. Ihre Eindrücke?

Eichner: Jeder der Spieler hat seine Qualität irgendwo nachgewiesen. Im Winter ist es oft so, dass Neue ein Handicap mitbringen. Heißt: Sie haben irgendwo länger nicht gespielt oder kommen aus einer Verletzung. Oder aber sie waren ganz lange weg und man glaubt an sie als Überraschungsfaktor.

Nehmen wir das Beispiel Jérôme Gondorf, bei dem ich in Hamburg einen riesigen Fortschritt gesehen habe. Kurze Abstände. Zweikampf. Wegspielen. Ich bin überzeugt, dass uns alle Spieler weiterhelfen können.

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Nötigt Ihre eigene Lage Sie nicht dazu, mutiger umzukrempeln?

Eichner: Lassen Sie es mich anders sagen. Ich habe am Wochenende das Luxusproblem, drei gute Innenverteidiger zu haben. Ziel ist es jedes Wochenende herauszufinden, wer zum Gegner und der Gesamtsituation passt. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich alle Spieler brauchen kann und in den beiden Spielen könnte sich jeder schon zeigen. Bei mir werden immer die zwei spielen, die zum Spiel passen.

Was haben Sie Marc Lorenz oder Alexander Groiß nach dem 0:2 beim HSV gesagt, als sie mit Fehlern aufgefallen waren?

Eichner: Ich habe mich gegenüber Lorenz verhalten, wie ich mir das als Spieler selbst gewünscht hätte. Ich habe ihn kurz in den Arm genommen, dann in Ruhe gelassen. Er weiß, dass sein Querschläger für mich kein Problem darstellt.

Genauso Alexander Groiß, für den grundsätzlich gilt: Er ist 21, spielt vor 50.000 beim HSV und das nach drei, vier Monaten, in denen er nicht den Zugang zur Mannschaft und zur Liga hatte. Ich freue mich darüber, dass er ansonsten ein gutes Spiel gemacht hat.

Nach dem Pokal-Aus in Saarbrücken flogen KSC-Spielern Fahnenstangen und sogar eine Klotür aus dem Gäste-Block um die Ohren. In Hamburg schwiegen die Fans. Wie belastet ist das Verhältnis?

Eichner. Man kann es sich einfach machen und sagen: Wir sollten anfangen, Spiele zu gewinnen. Das ist die ehrlichste Antwort im Fußball. Es gibt nur eine Botschaft: Der KSC war immer dann gut, wenn alle in die gleiche Richtung gedacht haben.

Sie galten früher als Musterschüler des KSC-Trainers Edmund Becker. Ist Ihr Ehrgeiz so groß, dass Sie den Lehrgang zum Fußballlehrer mit Bestnote abschließen wollen?

Eichner: Auf jeden Fall. Das ist aber auch übertragbar auf den KSC. Allgemein gilt: Wenn ich etwas mache, dann verschreibe ich mich dem.

Wer sind die Mitschüler in Hennef, die Sie beeindrucken?

Eichner: Grundsätzlich alle, nicht nur bekanntere wie Tim Borowski, Steven Cherundolo oder Christian Rahn. Imke Wübbenhorst ist auch dabei. Sie war in den Medien, weil sie in Cloppenburg eine Männer-Oberligamannschaft trainierte. Wenn mal gerade keiner eine Idee hat, ist sie für den Kurs da.