Die Fans des KSC haben den Druck auf die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten erhöht.
Die Fans des KSC haben den Druck auf die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten erhöht. | Foto: GES

Mitglieder-Votum am 15. Mai

Debatte um Insolvenz beim KSC: Supporters kritisieren Informationspolitik und machen Druck

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Beim KSC war in den vergangenen Tagen beim Thema Insolvenz zumindest dem äußerlichen Anschein nach Ruhe eingekehrt. Das hat sich am Mittwoch nun schlagartig geändert – durch einen Vorstoß der Supporters.

Die Verantwortlichen beim Fußball-Zweitligisten hatten zuletzt immer wieder zu Protokoll gegeben, mit Gläubigern und potenziellen Investoren an einer möglichen Lösung zu arbeiten, um den Gang vors Insolvenzgericht noch abzuwenden.

Parallel dazu bereiteten sie die Versammlung am 15. Mai vor, bei der die Mitglieder in virtueller Form über die Insolvenz-Frage abstimmen sollen – sofern nötig. Davon, dass es in den Wochen davor vereinsintern gehörig rumort hatte, war zumindest an der Oberfläche nicht mehr viel zu spüren gewesen.

Supporters kritisieren Informationspolitik des KSC

Am Mittwochabend war es mit der Ruhe dann auch äußerlich nicht mehr weit her: Die Supporters meldete sich zu Wort – und das ziemlich lautstark. In einer Mitteilung bemängelt der offizielle Dachverband der KSC-Fans die aus seiner Sicht völlig unzureichende Informationspolitik des Vereins zur Insolvenz-Thematik, ein Votum in dieser Frage sei auf Grundlage der bisher geflossenen Informationen nicht möglich.

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Es entstehe mehr denn je der Eindruck, „dass der Verein den Mitgliedern Informationen vorenthält und sich das gewählte Präsidium durch das Mitglieder-Votum vor allem der Verantwortung entzieht und diese auf die Mitglieder zurückspielen möchte“, schreiben die Supporters, die darüber hinaus kritisieren, dass die Briefwahlunterlagen erst in diesen Tagen bei den Mitgliedern eintreffen.

KSC-Fans drohen, das Mitglieder-Votum anzufechten

Zudem erklärte der Fan-Dachverband, dass seine beiden Vorsitzenden, Marco Fuchs und Nina Ohlhauser, diverse Anträge zur für den 15. Mai angesetzten Versammlung gestellt haben.

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Die Mitglieder sollen, so eine der Forderungen, im Vorfeld der Tagung detaillierte Informationen zur finanziellen Lage des KSC erhalten, andernfalls sei das Votum über die Insolvenz in Eigenverwaltung von der Tagesordnung zu streichen.

Darüber hinaus kündigen die Supporters an, einen möglichen Beschluss der Versammlung rechtlich prüfen zu lassen und gegebenenfalls anzufechten.

KSC-Präsident Wellenreuther kündigt Infos für die kommenden Tagen an

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther verwies am Mittwochabend gegenüber dieser Zeitung auf eine gesetzliche Pflicht, die Mitglieder bei dieser Entscheidung einzubinden, und stellte in Aussicht, dass diese noch in dieser Woche Informationen zur Insolvenz-Thematik erhalten werden.

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Die Antworten, die Wellenreuther zufolge voraussichtlich auf der Webseite veröffentlicht werden, würden sich in dem Rahmen bewegen, der satzungsrechtlich und gesetzlich vorgegeben sei. Der KSC-Präsident wies zudem den Vorwurf der Supporters zurück, das Präsidium wolle sich aus der Verantwortung stehlen.

„Ich nehme die Verantwortung persönlich wahr, indem ich gerade alles versuche, um die Insolvenz noch abzuwenden“, erklärte Wellenreuther.

Gruber unterstützt Supporters-Anträge

Der Vorwurf, die Mitglieder würden in der Sache nicht ausreichend informiert, ist indes nicht neu. Zuvor hatte Kai Gruber, Sponsor, Mitglied des Freundeskreises und im Oktober 2019 auch Kandidat für eines der beiden Vizepräsidenten-Ämter, per Brief an das Präsidium einen ergiebigeren Informationsfluss zur Insolvenz-Thematik gefordert, und diese Forderung mit einem Fragenkatalog untermauert.

Gruber zufolge war dieser unbeantwortet geblieben, weshalb er vor wenigen Tagen einen Antrag zur Versammlung gestellt habe, in dem die Fragen in ähnlicher Form wieder auftauchen. Ohne die entsprechenden Antworten sei „die Mitgliederversammlung in dieser Form eine Farce. Sie kann dann nur eine reine Informationsveranstaltung sein“, betont Gruber, der zudem erklärt: „Die nun gestellten Anträge der Supporters unterstütze ich voll und ganz.“

Auch Befangenheitsantrag gegen Steidl ein Thema

In einem dieser Anträge geht es um Michael Steidl, Vorsitzender des KSC-Verwaltungsrats und zugleich Mitglied des fünfköpfigen Beirats der KGaA, die im vergangenen Jahr durch die Ausgliederung der Profiabteilung entstanden war.

Wie Heinrich Maul, Vorsitzender des KSC-Ehrenrats dieser Zeitung bestätigte, liegt dem Ehrenrat ein Befangenheitsantrag gegen Steidl vor. Dieser reiche in der dargebrachten Form aber nicht aus, um Maßnahmen gegen Steidl einzuleiten.

Die Supporters fordern nun, der Ehrenrat solle die Mitglieder über den Antrag, insbesondere wie dieser begründet sei, informieren. Zudem solle Steidl vorsorglich ab sofort nicht in den Beirat der KGaA entsendet werden, was die Supporters mit fehlendem Vertrauen in Steidl begründen.