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Karlsruher Fußball-Geschichte(n)

Der KSC und seine Ehrenspielführer

Traditionsvereine, die etwas auf sich halten, führen ihre Ehrenspielführer. Auch der KSC erinnerte sich kürzlich seiner lange nicht mehr gepflegten Ahnen-Galerie.

KSC-Torwart Rudi Wimmer in der Saison 1979/1980. Foto: Ferdi Hartung/imago images

Den Spitznamen „Pille“ trägt Heinz Ruppenstein im Prinzip schon sein ganzes Leben. Er war drei, als er auf dem Coburger Brauhof den Gänsen hinterherrannte und „Pille, Pille, Pille“ brabbelte. „Du bist mir so ein Pille“, habe seine Tante gesagt, und „Pille“ Ruppenstein war geboren. Seiner Frau Gerda habe er nach dem Umzug nach Karlsruhe mitgegeben, dass sie ihn in der Öffentlichkeit so nicht rufen sollte.

Weil er bei einer Gesellschaft mit Mannschaftskollegen in Bad Herrenalb aber einmal auf ihre Anrede nicht sofort reagierte, habe sie ihn gewohnheitsmäßig dann eben doch laut „Pille“ gerufen, berichtet Ruppenstein. So führte das eine zum anderen.

Am 2. Juli feierte Ruppenstein nun seinen 90. Geburtstag. Besuch bekam er auch vom KSC. Vereinsrat Heiko Räther überreichte dem letzten lebenden Spieler aus der Karlsruher DFB-Pokalsiegermannschaft des Jahres 1956 die Urkunde als Ehrenspielführer. Diese Ehrung war zuletzt Torwart-Ikone Rudi Wimmer nach seinem Karriereende 1983 zuteil geworden.

Der FC Mühlburg um 1907: Alban Weßbecher in der hinteren Reihe als Fünfter von links, rechts daneben Gottfried Wacker. Foto: Wacker/Privatarchiv Wacker

„Die Tradition wurde in den vergangenen Jahrzehnten leider nicht so gepflegt“, bedauert Räther. Auf dessen Vorschlag hin findet sich „Pille“ nun in einem überschaubaren Kreis der 126-jährigen Vereinsgeschichte wieder. Aber wen führen die Annalen des KSC überhaupt als Ehrenspielführer? Der Überblick der Badischen Neuesten Nachrichten ist auch ein Streifzug durch die Frühgeschichte des Vereins.

Die alten Abbildungen stammen aus dem Karlsruher Stadtarchiv und dem Privatarchiv von Martin Wacker, dessen Großvater Gottfried Gründungsmitglied des FC beziehungsweise später auch des VfB Mühlburg war.

Ausschnitt aus unbekannter Zeitschrift: Die Mannschaft des KFV mit Wilhelm Trumpp (Fünfter von links), der später erster Ehrenspielführer des Karlsruher FC Phönix wurde. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe

Wilhelm Trumpp

Als Verteidiger spielte Trumpp, dessen Lebensdaten nicht überliefert sind, von 1910 bis 1921 für den Karlsruher FC Phönix. Hervorgegangen war „Papa Trumpp“ aber aus dem Karlsruher FV. Einen Anteil am Meistertitel der Mannschaft von der Telegrafenkaserne 1910 ist ihm zuzurechnen. In der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft kam er auf seiner damaligen Stammposition als rechter Halbstürmer im mit 1:0 gewonnenen Viertelfinale des KFV gegen den Duisburger SpV zum Einsatz.

Im Halbfinale gegen den Lokalrivalen und Titelverteidiger FC Phönix (2:1) verließ er wegen einer Zerrung den Platz, Einwechslungen waren damals nicht möglich. Der KFV gewann trotz Unterzahl. Der FC Phönix protestierte beim DFB erfolglos gegen die Wertung des Spiels, weil er Trumpps Spielberechtigung anzweifelte. Im Endspiel (1:0 n.V.) gegen Holstein Kiel in Köln kam er nicht zum Einsatz.

Ironie der Geschichte: Ab der darauffolgenden Saison spielte er sieben Jahre lang für den Karlsruher FC Phönix, der 1952 durch die Fusion mit dem VfB Mühlburg im KSC aufging.

Heller und Wessbecher Foto: Martin Wacker / Privatarchiv

Alban Weßbecher

Einer der Väter des 1905 gegründeten FC Mühlburg gehörte der letzten Friedensmannschaft des Spieljahres 1913/1914 an. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren fast alle Spieler zum Kriegsdienst einberufen worden. Nach 1916 waren es „einige Unentwegte, vor allem aber der alte Kämpe und Gründer des Vereins, Herr Alban Weßbecher, dem der Verein ein gerüttelt Maß der zurückliegenden Grosserfolge zu verdanken hat“.

So hält es die Festschrift des KSC aus dem Jahr 1954 zum 60-jährigen Bestehen fest. Der Verfasser bezog sich auf einen Sieg bei einem Pokalturnier des 1. FC Pforzheim und den Gewinn des sogenannten Hindenburg-Pokals, der von der Gau-Behörde des Fußballverbandes gestiftet worden war.

Karl Heller

„Treue“ ist das Schlagwort, mit dem man beim FC Mühlburg den seit 1910 in der ersten Mannschaft eingesetzten Allrounder am häufigsten beschrieb. Die Versuche anderer Vereine, den 1891 geborenen Heller abzuwerben oder zu „keilen“, wie man damals sagte, scheiterten. So war der Fußballer 1930 der älteste aktive Liga-Akteur Süddeutschlands, wie sich in der Chronik „60 Jahre Karlsruher SC“ nachlesen lässt.

„Seine anständige, vornehme sportliche Gesinnung verschaffte ihm Sympathien bei seinen Freunden und sportlichen Gegnern“, so heißt es darin. „Karl Heller war Allroundspieler, in den letzten Jahren aber meist Verteidiger. Als solcher war er einer der Besten, die Karlsruhe je hervorgebracht hat.“

Willi Maier

Der Torwart, der eine Institution beim Karlsruher FC Phönix war, hütete von 1927 bis 1937 den Kasten. Neben Glanzparaden sind waghalsige Ausflüge des „schönen Willi“ in die gegnerischen Strafräume überliefert. All das war nicht selbstverständlich, denn Maier war im Ersten Weltkrieg schwer an einem Fuß verletzt worden.

Gottfried Moser

Der gelernte Maschinenschlosser trug beim FC Mühlburg den Spitznamen „Friedel“ und gehörte auch nach der Fusion mit dem VfB nach 1933 auf der Mittelläuferposition zum Stammpersonal. Bis 1942 blieb das so. Für den 1909 geborenen Moser sind in den Chroniken 148 Punktspiele festgehalten, womit er als ewiger Rekordhalter der Mühlburger geführt wird.

Noch vor der Fusion ernannte ihn der VfB Mühlburg zum Ehrenspielführer. In den 1950ern war er unter anderem Trainer beim FV Daxlanden, FC Rastatt, ASV Durlach und für wenige Wochen auch beim KSC. Vom 1. Mai bis 30. Juni 1953 amtierte er nach Hans Hipp und übergab an Adolf Pattek.

Mosers früher Tod im Alter von 54 Jahren ereilte ihn nach einem Hirnschlag beim Angeln.

Jorm Foto: Martin Wacker/Privatarchiv

Karl Joram

Der Name des 1907 geborenen Joram ist mit der Geschichte des VfB Mühlburg, der 1933 aus der Fusion des FC Mühlburg und des VfB Mühlburg entstanden war, eng verbunden.

Denn auch sein jüngerer Bruder Hermann gehörte zum Inventar der Fusionsmannschaft. Zwischen 1933 und 1944 bestritt der als technisch versierter Schütze berüchtigte Karl Joram neben Gottfried Moser die meisten Gauligaspiele für seinen Verein, wobei die Überlieferungen für beide nahezu 150 Partien festhalten.

Möglich war dies, da Joram, der bei der in Karlsruhe ansässigen Maschinenfabrik Nagel zum Dreher ausgebildet worden war, auf einem für die Kriegsproduktion wichtigen Sektor arbeitete. So stand er den Mühlburgern bis zur Einstellung des Spielbetriebs bis 1944 ununterbrochen zur Verfügung.

Erst gegen Kriegsende wurde auch er an die Waffen gerufen und geriet kurzzeitig in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1947 ernannte ihn der VfB zum Ehrenspielführer. Er verstarb am 18. Mai 1982.

Hugo Rastetter Foto: Privatarchiv Martin Wacker

Hugo Rastetter

Der 1919 geborene Daxlander debütierte in der Gauliga 1936 für den VfB Mühlburg, der in den Folgejahren den KFV und den FC Phönix als dominante Karlsruher Größen den Rang ablief. Rastetter agierte meist als Spielmacher hinter vier Stürmern, war die Fixgröße neben Eugen Fischer. 1940/1941 wurde der VfB mit beiden Vizemeister hinter dem VfL Neckarau. Rastetter und Fischer erzielten 33 der 54 Mühlburger Tore. Im Jahr darauf stand der SV Waldhof wegen eines Punktes der VfB-Krönung im Weg.

Weil er als Soldat nach Berlin abkommandiert wurde, spielte er zwischenzeitlich dort für Minerva 93 und kehrte nach Kriegsende aus Russland zum VfB Mühlburg zurück. Insgesamt absolvierte Rastetter 172 Oberligaspiele für den VfB beziehungsweise den KSC (46 Tore), das letzte am 12. September 1954 bei der 0:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. Er verstarb am 24. Juni 1990.

KSC-Torwart Rudi Wimmer in der Saison 1979/1980. Foto: Ferdi Hartung/imago images

Rudi Wimmer

Der Wimmer Rudi stand von 1969 bis 1983 im Tor des KSC. Mit 470 Pflichtspielen ist er der Rekordspieler des Vereins, 151 davon bestritt er in der Bundesliga. Sein letztes Spiel für den KSC absolvierte er am 28. Mai 1983. Damals war er 39 und der älteste Spieler, der zu einem Bundesligaeinsatz kam.

Von den Offenbacher Kickers zum KSC gekommen, war der am 20. Januar 1944 in Olmütz geborene Wimmer 14 Jahre lang die Zuverlässigkeit in Person zwischen den Pfosten des KSC

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Heinz Ruppenstein erhält an seinem 90. Geburtstag aus den Händen von Vereinsrat die Urkunde als Ehrenspielführer des KSC. Foto: Markus Gilliar GES/Markus Gilliar

Heinz Ruppenstein

Zum KSC in die Oberliga Süd kam Ruppenstein 1955 vom VfB Coburg und erlebte 1963 die Bundesliga-Premierensaison noch auf dem Platz. Seinen Einstand für die Blau-Weißen gab der Franke am 7. August im Einweihungsspiel des Wildparkstadions gegen Rot-Weiß Essen (2:2). „Pille“war danach aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Ruppenstein kam zumeist als rechter Läufer oder Halbrechts zum Einsatz und überzeugte durch unermüdlichen läuferischen Einsatz. Deutscher Vizemeister und DFB-Pokalsieger wurde er mit dem KSC 1956.

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