Daniel Thioune ist der Garant des Erfolgs beim VfL Osnabrück | Foto: dpa

2. Bundesliga

Der KSC zu Gast an der Bremer Brücke: Das ist der VfL Osnabrück

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Ausflug an die Bremer Brücke: Der Karlsruher SC muss am Sonntag beim VfL Osnabrück ran und hat statistisch beste Chancen. Der KSC entschied in der Vorsaison beide Partien für sich. Überhaupt liegt der letzte Sieg der Niedersachsen 30 Jahre zurück. Der VfL galt lange als graue Maus. Unter Trainer Daniel Thioune mausert sich der Aufsteiger aber zum anerkannten Zweitligisten. Was macht den VfL aus?

11. November 1989: Damals gewann der VfL im 3:2 im DFB-Pokal gegen den KSC – der letzte Sieg der Lila-Weißen gegen die Karlsruher. Besser im Gedächtnis wird allen Beteiligten der 2:1-Erfolg des Karlsruher SC aus dem März dieses Jahres hängen. Daniel Gordons Kopfball in der 85. Minute war entscheidend – der KSC mitten drin im Rennen um die 2. Liga. Nun kommt es erneut zum Duell.

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Das ist die Situation beim KSC

Hinter den Badenern liegt eine turbulente Woche. Die 2:4-Niederlage gegen den HSV geriet durch den Fall Jatta beinahe ins Hintertreffen. Mit schweren Anschuldigungen – besonders aus der Hamburger Presselandschaft – wurden alle KSC-Fans an den Pranger gestellt. Der Fan-Dachverband Supporters stellte sich am Montag gegen die Rassismus-Vorwürfe. 

Sportlich offenbarte der KSC zwei Gesichter. Nach einer schläfrigen ersten Hälfte kämpften sich die Blau-Weißen auf ein Tor ran. Ehe ein Blackout zum finalen Konter führte. KSC-Coach Alois Schwartz will nach neun Gegentreffern  zurück zu den „Basics“. Er kündigte am Freitag mögliche Änderungen in der Startelf an.

So sieht es beim VfL Osnabrück aus

Sollten die Karlsruher die defensive Stabilität wiederfinden, haben die Badener durchaus eine Chance. Denn der VfL sucht sein Heil häufig in der Offensive, ist um die Spielkontrolle bemüht. Das kam dem Umschaltspiel des KSC in der Vergangenheit entgegen.

Der VfL ist gut in die neue Saison gestartet. Der 4:0-Sieg gegen Darmstadt am dritten Spieltag ließ aufhorchen. VfL-Beobachter fanden die Lila-Weißen auch bei beiden Niederlagen gegen Heidenheim (1:3) und in Nürnberg (0:1) mindestens ebenbürtig. Osnabrück ist aktuell Siebter in der Tabelle – punktgleich mit dem KSC. Nur das Torverhältnis spricht für die Niedersachsen.

Schwer wiegt für den VfL der Ausfall des aus Berlin ausgeliehenen Stammtorhüters Nils Körber, der in Nürnberg angeschlagen runter musste. Philipp Kühn wird ihn ersetzen. Gegen den „Club“ verletzte sich auch der bisher starke Innenverteidiger Lukas Gugganig. Dafür könnte Defensiv-Kollege Joost van Aken zurückkehren. Ansonsten können die Osnabrücker, bis auf wenige Langzeitverletzte, aus dem Vollen schöpfen. Der VfL-Kader bietet Flexibilität. Und Thioune überrascht durchaus mal mit seiner Aufstellung.

Auf diese Spieler muss der KSC achten

Im Aufstiegsjahr stand besonders ein Mann für Gefahr: Marco Alvaréz. Der Deutsch-Spanier dribbelt gern durch gegnerische Abwehrreihen – und wenn das mal nicht klappt, zimmert er eben einen Freistoß ins Gebälk. Alvaréz hat bereits zwei Treffer auf dem Konto. Sturmkollege Benjamin Girth hat noch Ladehemmung. In der Vorsaison knipste der ausgeliehene Stürmer neun Mal in einer Halbserie. Von ihm geht Gefahr aus.

Speziell die jungen Talente des VfL haben zugelegt: Mittelfeldmann Anas Ouahim, Linksaußen Etienne Amenyido oder Defensivspezialist Felix Agu starteten quasi ohne Startschwierigkeiten und sorgen für Aufsehen. Aus Osnabrücker Sicht erfreulich: Auch die „Alten“ packen bisher den Umstieg von der dritten in die zweite Liga. Mittelfeldabräumer Ulrich Taffertshofer etwa, oder auch Kapitän Marc Heider, zeigten zuletzt Leistungen, die ihnen in Osnabrück nicht jeder zugetraut hatte.

Das ist der Vater des Erfolgs beim VfL

„Wir wollen die Liga mit unserer Art bereichern.“ Daniel Thioune hat das nötige Selbstbewusstsein eines Aufstiegstrainers. Kein Versteckspiel, volle Attacke. Thioune, der früher selbst als Fan in der Ostkurve, danach als Spieler auf dem Platz stand, gilt als Vater des Erfolgs.

Vor knapp zwei Jahren war das kaum abzusehen: Thioune übernahm in der Hinrunde der Saison 2017/18 das Traineramt der anderen Legende Joe Enochs. Trotz guter Arbeit im Jugendbereich waren viele in Osnabrück skeptisch. Tatsächlich gelang dem früheren Mittelfeldspieler in seiner ersten Saison gerade so der Klassenerhalt.

Mittlerweile gilt Thioune als als eigentlicher Star. Der VfL-Coach ist ein bodenständiger Vertreter seiner Zunft. Zwar ist er in der Region Osnabrück aufgewachsen und verwurzelt und hat nach eigenen Angaben noch ein paar Ziele mit dem VfL, aber: Früher oder später werden Angebote auf seinem Tisch landen.

Fall Jatta: Harte Worte von Osnabrücks Trainer Daniel Thioune

Der 45-Jährige ist im Zweifelsfall – wie etwa in der Causa Jatta – nicht verlegen, für Fußballverhältnisse ungewohnt deutlich Stellung zu beziehen. Im Gespräch mit der NOZ sagte er: „Wir müssen uns fragen, was wir ihm überhaupt vorwerfen wollen, wenn an der Geschichte irgendetwas dran wäre.“ Auch zu den zahlreichen Einsprüchen der Vereine gegen die Wertung des HSV-Spiels hat Thioune eine eigene Meinung: „Ich kenne die sportjuristischen Argumente, aber hier geht es für mich um ethische Werte. Wer es nicht schafft, gegen den HSV zu punkten, sollte nicht auf dem Rücken eines Flüchtlings [….], versuchen, einen Vorteil herauszuholen.“

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Bremer Brücke: Das Stadion hat Kultstatus

Die Bremer Brücke, das enge Stadion inmitten des Arbeiterviertels Schinkel, hat Kultstatus bei Stadionromantikern in Deutschland. Zugleich ist es auch ein Sorgenkind. Inmitten enger Wohnbebauung gibt es für die 16 000 Zuschauer fassende Spielstätte kaum Erweiterungsmöglichkeiten, was bei längerer Zweitliga-Zugehörigkeit zu Problemen bei der Umsetzung von DFL-Standards führen könnte. Das sorgt für Diskussionen: Ein VfL ohne die Bremer Brücke ist für viele Anhänger nicht denkbar.

Selbst KSC-Kulttrainer Winfried Schäfer sagte mal: „Wenn in Osnabrück die Lichter angehen, ist dort eine Menge los.“ Aus VfL-Sicht ärgerlich, dass das Duell an einem Sonntagmittag im September stattfindet.

Diese Karlsruher haben eine Osnabrücker Vergangenheit

Karlsruhes Kapitän trug selbst vier Jahre lang das violette Trikot:  Pisot verbrachte die bislang längste Zeit seiner Karriere beim VfL. Der Innenverteidiger lief in vier Jahren 161 Mal für die Niedersachsen auf und genoss aufgrund starker gute Leistungen viel Ansehen. „Auf das Stadion und die Fans“, hatte sich Pisot bereits bei seiner ersten Rückkehr nach Osnabrück gefreut. Osnabrück verließ er damals, um bei den Würzburger Kickers 2. Bundesliga zu spielen. Aber auch der VfL konnte so mit 300.000 Euro eine stattliche Ablösesumme einsacken.

Auch KSC-Ersatzkeeper Marius Gersbeck hat erfolgreiche Zeiten an der Bremer Brücke erlebt. Wie Körber wurde auch er aus Berlin ausgeliehen und schaffte den Weg zum Stammkeeper. Zwischen 2016 und 2018 stand der 24-Jährige insgesamt 74 Mal zwischen den Pfosten und wurde von den Fans in Osnabrück geschätzt. Nach einem Kreuzbrandriss, durch den er die ganze vergangene Saison verpasste, wechselte Gersbeck vor Beginn dieser Runde nach Karlsruhe.

Expertin legte sich früh auf den VfL Osnabrück fest

Telekon-Moderatorin Annett Sattler hatte übrigens schon vor knapp einem Jahr so einen groben Gedanken, wohin die Reise des VfL gehen könnte. Und: Wer dafür verantwortlich ist.