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Bis Herbst 2022 gewählt

Der Vize Siegmund-Schultze gewinnt Wahl-Marathon beim KSC

Neuer KSC-Präsident gewählt: Siegmund-Schultze beerbt Wellenreuther und erhält Müller als Vorstandskollegen.

Der neue Präsident des Karlsruher SC Holger Siegmund-Schultze bei einem Fotoshooting nach der Wahl. Foto: Markus Gilliar/GES

Holger Siegmund-Schultze hatte es bis zum Wahlabend vermieden, die ihm von vielen Seiten zugeschriebene Favoritenrolle anzunehmen. Jede Bewertung von seiner Seite wäre respektlos gegenüber seinen Mitbewerbern, hatte der 53-Jährige betont. Sachlich und unaufgeregt lernten die Mitglieder den Immobilienunternehmer als Funktionär des Vereins kennen.

An dessen Spitze tritt Siegmund-Schultze nun planmäßig bis Herbst 2022 an die Stelle von Ingo Wellenreuther, der ihm 2013 mit Wahlempfehlungen an die Mitglieder den Weg in den Verwaltungsrat des e.V. geebnet hatte. 2016 war Siegmund-Schultze dann ins Präsidium gewählt und im Herbst 2019 als Vize darin bestätigt worden.

Zu Gesprächspartnern „Nähe aus der Distanz“ zu entwickeln, gehöre zu seiner Persönlichkeit, hatte der gebürtige Durlacher im Vorfeld gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten erwähnt. Kühl und gerne aus dem Hintergrund regelt der frühere Newport-Manager die Angelegenheiten.

Bisheriger Vize Siegmund-Schultze zum neuen KSC-Präsidenten gewählt. Foto: Markus Gilliar GES/Markus Gilliar

Vor allem im Kontext des Stadionneubaus, der 2022 zum Abschluss kommen soll, hat sich der Musikliebhaber verdient gemacht. So sah es die Mehrheit der Wähler am Donnerstagabend nicht als entscheidenden Malus an, dass sich der neue Präsident in der vormaligen Konstellation mit Wellenreuther und Günter Pilarsky in vielen Sachfragen nicht behauptet hatte.

Zusammen mit dem 82 Jahre alten Pilarsky, der ebenfalls im Oktober 2019 im Amt bestätigt worden war, und zumindest für diese Amtsperiode fortan auch mit Martin Müller, bildet er das Präsidium des eingetragenen Vereins. Das stand um 22:04 fest.

Müller erhielt 1.934 Stimmen (67,95 Prozent), Rolf Dohmen (700/25,9) und Dorothée Augustin (165/6,11) waren gegen den in den Beirat der KSC Management GmbH einziehenden Unternehmer letztlich chancenlos. „Wir müssen als KSC richtig lecker sein, dass die Leute sich mit uns identifizieren.“, sagte Müller zu vorgerückter Stunde.

Augustin erhält 67 Stimmen

Um 20.50 Uhr hatte das erste Ergebnis der außerordentlichen Mitgliederversammlung festgestanden. Siegmund-Schultze hatte schon im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen erhalten. 1.823 votierten für ihn, das waren 60,52 Prozent der Stimmen.

Axel Kahn (395/13,11 Prozent), Rolf Dohmen (370/12,28), Kai Gruber (357/11,85), und Dorothée Augustin (67/2,2). Siegmund-Schultze erklärte danach seinen Rücktritt als Vizepräsident und nahm die Wahl der Mitglieder an.

Um 18.27 Uhr hatte der Wahlausschussvorsitzende Sathia Lorenz im improvisierten Fernsehstudio des Karlsruher IT-Unternehmens Bechtle die Regularien abgearbeitet und Top 5 der Tagesordnung erreicht: „Vorstellung und Befragung der Präsidentschaftskandidaten“.

In alphabetischer Abfolge spielte die Regie die Bewerbungsvideos der fünf Kandidaten ein. Maximal zehn Minuten Zeit war den Bewerbern jeweils gegeben. Den Anfang machte Dorothée Augustin. Siegmund-Schultze war somit der letzte in der Reihe. Sein Video war mit Abstand das kürzeste, er schöpfte nicht mal 60 Prozent seiner Redezeit aus. So war es 19:08 Uhr, als Lorenz zur Fragerunde überleiten konnte. Diese gingen per Chat und per Mail bei ihm ein.

Lorenz muss Fragenflut stoppen

Siegmund-Schultze bestätigte, dass man mit der sportlichen Leitung zu dem Ergebnis gekommen sei, „dass wir in dieser Konstellation weitermachen werden“. Heißt: Jobgarantie für den Sportgeschäftsführer Oliver Kreuzer. Kahn hatte mit einer Kooperation des KSC mit dem FC Bayern, bei dem ein Bruder Oliver der designierte Vorstandsvorsitzende ist, geworben. Für ihn war es „selbstredend, dass der KSC seine Strukturen verändern muss. Wir müssen jeden Stein umdrehen“.

Siegmund-Schultze, der Präsident und Beiratsvorsitzende, sei „nicht der liebe Gott, der mal kurz durchwischen kann“. Noch über 200 Fragen lagen Lorenz um 20.41 Uhr vor, weshalb er die Mitglieder darüber abstimmen ließ, ob man abbrechen und direkt zur Wahl des Präsidenten übergehen solle. Dieses Vorgehen wurde mehrheitlich begrüßt. So eröffnete Lorenz um 20.45 Uhr den ersten Wahlgang um den Chefposten, dem dann kein weiterer folgen sollte.

Der neue Vizepraesident Martin Mueller (rechts) freut sich über die Wahl. Foto: Markus Gilliar/GES

Müller sieht keinerlei Interessenskonflikte

Anders als Gruber und Kahn, boten sich Dohmen und Augustin auch für den neu zu besetzenden Vize-Posten an. Ihr Mitbewerber: Martin Müller (57). Dessen fünfminütiges Bewerbungsvideo wurde eingespielt. Der Geschäftsführer der GEM Ingenieursgesellschaft, der im Oktober 2019 Ingo Wellenreuther im Kampf um das Präsidentenamt unterlegen war, sah sich danach kritischen Fragen gegenüber. Dass er mit dem „Bündnis KSC“ Wellenreuther aus dem Amt „erpresst“ habe, sah er nicht so.

„Erpressung ist ein Straftatbestand. Wenn Sie der Meinung sind, dass dies Erpressung war, müssen Sie mich verklagen“, entgegnete er einem Fragesteller. Dass die Lebensgefährtin des KSC-Geschäftsführers Michael Becker ebenso bei ihm angestellt ist wie Edgar Schmitt, der in eine sportliche Beratertätigkeit eingebunden werden soll, sei für ihn kein Interessenskonflikt.

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