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Wahl am Donnerstagabend

Die KSC-Mitglieder sind bei der Präsidentenwahl gefragt

Die Mitglieder des Karlsruher SC stimmen am Donnerstagabend online ab. Sie wählen den Nachfolger von Ingo Wellenreuther im Amt des Präsidenten und gegebenenfalls auch einen Vizepräsidenten, der in den Beirat der Management GmbH einziehen wird.

Diese fünf stellen sich zur Wahl: Holger Siegmund-Schultze, Rolf Dohmen, Dorothée Springmann, Kai Gruber, Axel Kahn (von links). Foto: Markus Gilliar/GES

In seinem Hauptberuf als Richter am Bruchsaler Amtsgericht sind Sathia Lorenz knifflige Fälle vertraut. Im Ehrenamt als Wahlausschussvorsitzender des Karlsruher SC empfiehlt er den Mitgliedern, sich an diesem Donnerstagabend frühzeitig ins Geschehen einzuwählen. Um 18 Uhr soll die außerordentliche Mitgliederversammlung (aoMGV) starten. Auch die zweite Verabredung des Souveräns in diesem Jahr wird corona-bedingt online abgehalten.

Der zwölfte KSC-Präsident wird gewählt

Gewählt wird der zwölfte KSC-Präsident der Historie seit der 1952 erfolgten Fusion des KFC Phönix mit dem VfB Mühlburg. Für die Nachfolge des nach neuneinhalbjähriger Amtszeit am 14. Mai zurückgetretenen Ingo Wellenreuther gibt es fünf Bewerber.

Erstmals versucht es eine Frau: Dorothée Augustin (37) tritt gegen den amtierenden Vize Holger Siegmund-Schultze (53), Rolf Dohmen (68), Kai Gruber (57) und Axel Kahn (54) an.

Würde das Votum der Mitglieder den Immobilienunternehmer Siegmund-Schultze an die Spitze des e.V. führen, müsste am Abend ein Vize nachgewählt werden, der in die bis Herbst 2022 dauernde Amtsperiode eintritt. Hierfür stünden der frühere Sportdirektor Dohmen, die Offenburger Polizistin Augustin sowie Martin Müller bereit.

Müller, der unter anderem im Board des künftigen Hauptsponsors (Consus RE AG, vormals CG Gruppe) sitzt, gehört dem „Bündnis KSC“ an. Dieses versammelt eine Sponsorengruppe, deren Engagement im Einzelnen unbekannt blieb.

Der über eine GbR abgewickelte Aktienkauf im Wert von sechs Millionen Euro war an die Bedingung geknüpft, dass Wellenreuther zurücktritt. Das so zugeführte Kapital bewahrte den Fußball-Zweitligisten vor der drohenden Insolvenz und ermöglichte Einigungen mit den Gläubigern Günter Pilarsky und Michael Kölmel. Wahlberechtigt sind am Abend 8.101 der aktuell 9.560 Mitglieder des eingetragenen Vereins.

Fragen und Antworten zum Wahlabend:

Wo versammeln sich die Protagonisten eigentlich?

Das mit Siegmund-Schultze und Günter Pilarsky seit Wellenreuthers Rücktritt handlungsfähig gebliebene Präsidium sowie die weiteren fünf Bewerber finden sich in einem improvisierten Fernsehstudio beim IT-Unternehmen Bechtle in Karlsruhe-Oberreut zusammen. Maximal acht Personen dürfen sich zeitgleich in dem Raum aufhalten.

Was sieht der Ablauf vor?

Um 18 Uhr wird Pilarsky die Versammlung eröffnen und die Leitung danach dem Wahlausschussvorsitzenden Lorenz übergeben. Top 5 sieht die „Vorstellung und Befragung der Präsidentschaftskandidaten“ vor. Eingespielt werden die fünf offiziellen Bewerbungsvideos, die am 10. Juli aufgezeichnet und vom KSC am 16. Juli auf Youtube veröffentlicht wurden. So waren die darin vorgetragenen Inhalte im Vorfeld Gegenstand der allgemeinen öffentlichen Betrachtung und Bewertung. Die in der Wahlordnung maximal erlaubte Redezeit von zehn Minuten wird keiner der Kandidaten ausschöpfen: Kahn warb bei der Aufzeichnung 9:16 Minuten, kürzer noch Dohmen (8:45), Gruber (8:35), Augustin (8:00) und Siegmund-Schultze (5:42). Fragen an die Kandidatin und die Kandidaten sind den KSC-Mitgliedern im Anschluss möglich. Für diesen Zweck erhielten sie mit der Einladung eine Mailadresse, zudem sind Fragen per Chat auf der Plattform möglich.

Wie ist der Wahlmodus?

Den mit Zugangsdaten ausgestatteten Mitgliedern öffnet sich nach der Öffnung des Wahlvorgangs ein Fenster, über das sie abstimmen können. Nach etwa zwei Minuten ist das Ergebnis bekannt. Ins Amt gewählt wird der Bewerber, der im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen auf sich vereint. Gelingt dies keinem, werden die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in eine Stichwahl gehen.

Was würde es nach sich ziehen, sollte der amtierende Vizepräsident Siegmund-Schultze das Rennen machen?

Dann würde es mit Top 7 der Tagesordnung, „Vorstellung und Befragung der Vizepräsidentschaftskandidaten“, weitergehen. Ins Spiel kommt Müller. Gegen ihn würden Dohmen und Augustin antreten. Der Agenturbesitzer Kahn und der Unternehmensberater Gruber wollen dies nicht. Nur Müllers knapp fünfminütiges Bewerbungsvideo wird noch eingespielt. Danach können Mitglieder wieder Fragen. Das Prozedere der anschließenden Wahl ist identisch mit der vorangegangenen.

Was hat die e.V.-Wahl mit dem Beirat der Management GmbH zu tun?

Der Beirat ist seit der Ausgliederung die Machtzentrale des Profifußballgeschäfts im Club. Zur Erklärung: Die KSC GmbH & Co. KG wird vertreten durch die Management GmbH, deren einziger Gesellschafter zu jeder Zeit der KSC e.V. ist. Die Gesellschaftervertretung erfolgt eben durch den Beirat, der sich aus dem Präsidium sowie dem Verwaltungsratsvorsitzenden (Michael Steidl) und dessen Stellvertreter (Thomas H. Hock) zusammensetzt. Kommissarisch hatte der Verwaltungsrat Gerhard Rastetter Wellenreuthers Platz eingenommen. Da im Gremium alle Stimmen gleichwertig sind, macht es hinsichtlich der Weichenstellungen bei Abstimmungen keinen Unterschied, ob einer dies als Präsident oder als Vize tut.

Wie wird es sich auswirken, dass die MGV nicht als Präsenzveranstaltung, sondern online abgewickelt wird?

Die Wahlbeteiligung dürfte deutlich höher ausfallen. Den Erfahrungswert dazu erbrachte die Online-Versammlung ohne Wahlen am 15. Mai. In der Spitze hatten sich 2.400 Berechtigte zugeschaltet. Zum Vergleich: Bei der letzten Präsenzveranstaltung am 12. Oktober 2019, als Müller Wellenreuther herausgefordert hatte, hatten sich in der Spitze 1.200 Mitglieder versammelt. Dass das Online-Format ältere Wähler abschreckt oder ausschließt, glaubt Lorenz nicht: „In der Regel gibt es Neffen oder Enkel, die helfen können. Zudem haben wir einen Helpdesk eingerichtet“, sagt er. Mit der Abwicklung einher geht, dass nicht zu steuern ist, ob der Abstimmungsberechtigte selbst oder ein anderer mit dessen Zugangsdaten votiert. Eines hatte die Online-Premiere des Vereins im Mai gezeigt. Die Hemmschwelle, die es bei Präsenzveranstaltungen gibt, fällt weg. Markantes Merkmal dazu im Mai: 100 Fragen waren eingegangen.

KSC
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