Niedergeschlagener Kapitän: Das 2:4 gegen den Hamburger SV fühlte sich wegen der eigenwilligen Spieldramaturgie auch für David Pisot schmerzhaft an. GES/ Fussball/ 2. Bundesliga: Karlsruher SC - Hamburger SV, 25.08.2019 Football / Soccer: 2. German Bundesliga, Karlsruhe vs. Hamburg, Karlsruhe, August 25, 2019
Niedergeschlagener Kapitän: Das 2:4 gegen den Hamburger SV fühlte sich wegen der eigenwilligen Spieldramaturgie auch für David Pisot schmerzhaft an. GES/ Fussball/ 2. Bundesliga: Karlsruher SC - Hamburger SV, 25.08.2019 Football / Soccer: 2. German Bundesliga, Karlsruhe vs. Hamburg, Karlsruhe, August 25, 2019 | Foto: GES

2:4 IM WILDPARK

Djuricins Lapsus zieht elektrisierender Aufholjagd des KSC gegen Spitzenreiter HSV den Stecker

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Wieder war’s am Ende bitter für die Blauen. Wie an jenem 1. Juni 2015 kauerten sie hinterher auf dem Rasen, abgekämpft und enttäuscht. Die 2:4(0:2)-Niederlage hatte den Karlsruher SC beim Wiedersehen mit Hamburger Rautenträgern zwar diesmal nicht die Bundesliga gekostet, dafür aber den Triumph spät erwachten Mumms.

Nach der zweiten Saisonniederlage in Folge war es den Spielern um Kapitän David Pisot vor dem kommenden Sonntag in Osnabrück aber zurecht nicht bange.

Ballverlust kostet Ausgleichshoffnung

Das hatte mit der Dramaturgie des HSV-Spiels zu tun. Mit großer Moral hatte sich die Heimelf im Wildpark in der Folge des von Lukas Hinterseer (16., Foulelfmeter) und Doppelschütze Sonny Kittel (34., 67.) erzwungenen 0:3-Rückstandes in die Zweitligapartie gekämpft und war durch Daniel Gordon (76.) und Philipp Hofmann (88.) in deren Schlussphase am Punkt, dem HSV noch richtig weh zu tun. Doch ein dummer Ballverlust des eingewechselten Marco Djuricin vor dem gegnerischen Sechzehner gegen Rick van Drongelen sollte dem KSC nach dem Konter über Adrian Fein die vage Ausgleichhoffnung kosten. Der Spanier Jairo Samperio (90.+4) jagte den Ball nach seinem Solo über den halben Platz ins Netz.

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Passiv in der ersten Hallbzeit

Seltsam passiv hatte der KSC während des ersten Abschnitts gewirkt. „Ich weiß nicht, was da los war“, gestand KSC-Angreifer Hofmann. Zu viel Respekt vor dem HSV? Womöglich. Fakt war: Die Karlsruher attackierten den fußballerisch überlegenen Spitzenreiter zu zaghaft und hatten in der ersten Viertelstunde keine 20 Prozent Ballbesitz. Eine Passivität, die nichts Gutes verspricht in dieser Liga.

Was sich bewahrheitete, wenngleich erst ein ungeschickter Einsatz Lukas Frödes im eigenen Sechzehner gegen Tim Leibold den Weg für den HSV zur Führung frei machte. Fröde berührte den Angreifer, sah sich hinterher aber selbst als Opfer in jener Abwehraktion. An der Berechtigung des dann von Hinterseer kühl ins rechte Toreck versenkten Strafstoßes äußerten indes weder KSC-Trainer Alois Schwartz noch Oliver Kreuzer Zweifel.

Der Sportdirektor sah das Team seines früheren Arbeitgebers in der 34. Minute durch Kittel erhöhen. Zuvor hatte der Kopfballschütze Hofmann (23.) nach Freistoß von Marvin Wanitzek zu hoch gezielt, Leibold (26.) auf der anderen Seite mit einem Gewaltschuss den Querbalken des KSC-Tores getroffen. Vor dem zweiten Treffer hatte der HSV den Ball über links zu Bakery Jatta (siehe „Jattas Spießrutenläufe“) verlagert. Der zog bis zum Sechzehner weiter, steckte zu Hinterseer durch. Dessen Ablage wuchtete Kittel flach ins linke Eck.

KSC bringt nach Pause Tempo in das Spiel

Mutiger und kompakter gingen die KSC-Profis nach der Pause zu Werke. Der Schachzug, Wanitzek eine Position vorzuschieben, um den meist über Fein vorgetragenen Spielaufbau aggressiver zu unterbinden, sollte sich für den KSC auszahlen. Plötzlich hatten seine Akteure besseren Zugriff im Mittelfeld, es kam Tempo in ihr Spiel nach vorne, über die Außen mehr Druck auf.

Doch weder Marvin Pourié (46.) noch Hofmann (49.) glückte der Anschluss – so wie es der HSV mit Hinterseer (53.) gegen Benjamin Uphoff verpasste, das 3:0 zu machen. Dafür sorgte später Kittel – bei kurioser Vorgeschichte: Leibold ging im KSC-Strafraum im Zweikampf mit dem eingewechselten Burak Camoglu zu Boden. Die kurz wie angewurzelte KSC-Abwehr rechnete wohl mit einem Elfmeterpfiff von Sören Storks. Das Spiel lief aber weiter.

Der flugs aufgestandene Leibold spielte den Ball zu Hinterseer, der auf Kittel ablegte. Der im rechten Torwinkel einschlagende Schlenzer war für neutrale Besucher eine Augenweide, für den KSC sehr bitter. Nach einer Ecke von Marc Lorenz läutete Gordon per Kopf aber noch eine packende Schlussoffensive ein, Hofmann gelang nach einer von Pourié per Kopf verlängerten Hereingabe Camoglus das 2:3. Sampeiro schlug zurück.

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Die Statistik: Karlsruhe: Uphoff – Thiede, Gordon (82. Djuricin), Pisot, Roßbach – Fröde (73. Stiefler) – Grozurek (58. Camoglu), Wanitzek, Lorenz – Hofmann, Pourié.
Hamburger SV: Heuer Fernandes – Gyamerah, Gideon Jung, van Drongelen, Leibold – Fein – Narey (79. Samperio), Kinsombi, Kittel (82. Dudziak), Jatta – Hinterseer (79. Wood).
Schiedsrichter: Storks (Velen), Zuschauer: 15 000 (ausverkauft), Tore: 0:1 Hinterseer (16., Foulelfmeter), 0:2 Kittel (34.), 0:3 Kittel (67.), 1:3 Gordon (76.), 2:3 Hofmann (88.), 2:4 Samperio (90.+1)
Gelbe Karten: Fröde, Gordon (2) – Hinterseer (2), Gyamerah, Fein