Christian Eichner, Co-Trainer des Karlsruher SC, will möglichst nah dran sein an der Mannschaft. Foto: GES

KSC-Co-Trainer im Interview

Eichners Rolle in einer „wahnsinnig komischen Liga“

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Christian Eichner kennt noch die sportlich guten Zeiten beim Karlsruher SC. Als Profi stieg er mit dem KSC 2007 in die Bundesliga auf. Als Trainer kehrte er 2016 in den Wildpark zurück. Zunächst assistierte er bei der U17, seit dem Frühjahr 2017 ist er Co-Trainer der Profis. Mit unserem Redaktionsmitglied Marius Bücher sprach der 35-Jährige über den harten Drittliga-Alltag, seine Zukunft und ein Spiel im Nebel.

 

Herr Eichner, am Sonntag geht es gegen 1860 München. 2006 gab es da eine ganz besondere Partie …

Eichner: Sie meinen das Spiel im Nebel? Daran erinnere ich mich noch ganz gut. Ich glaube, bei dem 4:1 hat auch Michael Mutzel getroffen, das kam ja auch nicht so oft vor. Für die damalige Runde war das symptomatisch: Egal wie die Umstände waren, die Spiele gingen an uns.

 

Damals gelang der Aufstieg in die Bundesliga. Die Realität heißt Liga drei. Wie sehr schmerzt das?

Eichner: Das ist dramatisch, vor allem in der Schnelligkeit. 2015 stand der KSC ja noch an der Schwelle zur Bundesliga. Ich habe das Gefühl, das Umfeld sieht uns immer noch in der Erstliga-Relegation. Ich versuche die Realität vorzuleben – und die heißt nun mal Dritte Liga.

 

Keine einfache Spielklasse, oder?

Eichner: Das ist eine wahnsinnig komische Liga, diese dritte. Das 1:3 gegen Lotte war da sinnbildlich. Ich dachte, wenn wir einigermaßen stabil sind, gewinnen wir das. Aber wenn du in dieser Liga nicht normal spielst, dann wirst du deine Spiele verlieren.

 

Als Alois Schwartz im August 2017 Cheftrainer wurde, ging es tabellarisch aufwärts. Wie haben Sie sich als sein Co-Trainer entwickelt?

Eichner: Ich habe viel gelernt. Die Mannschafts- und die Menschenführung von Alois Schwartz sind herausragend – wie er auf jeden eingeht, jeden bei Laune hält. Er ist noch aus einer anderen Generation als Nagelsmann, Tedesco oder Wolf. Er kennt den Fußball noch so, wie ich ihn auch als Profi erlebt habe. So Ausdrücke wie „schwimmender Zehner“ – den habe ich zuletzt mal gehört – gab’s da noch nicht.

 

Und was bringen Sie ins Trainerteam ein?

Eichner: Ich kümmere mich etwa um die Gegnervorbereitung und -analyse. Und ich versuche, nah dran zu sein an den Spielern. Vom Alter her bin ich ja eher bei den Jungs als bei Alois Schwartz. Ich versuche, mich in sie hineinzuversetzen und ein Gespür zu bekommen, wie die Jungs ticken. Ich sehe mich als Bindeglied.

 

Inwiefern hilft Ihnen dabei Ihr abgeschlossenes Lehramtsstudium?

Eichner: Das hilft schon. Auch insofern, dass ich weiß: Es gibt auch ein Leben neben dem Fußball. Da musst du dann auch mal den ganzen Tag in Vorlesungen sitzen und hast nicht schon mittags frei. Ich versuche auch, den jungen Spielern klarzumachen, dass nicht jeder oben ankommt und genügend Geld verdient.

 

Wie wollen Sie in Zukunft Ihr Geld verdienen – als Trainer oder als Lehrer?

Eichner: Ich will im Fußball bleiben, für den stehe ich jeden Morgen auf. Ich will zeitnah mit dem Fußballlehrer beginnen. Ich kann mir vorstellen, später eine Mannschaft zu trainieren, und traue mir das auch zu. Aber auch eine Tätigkeit wie sie Oliver Kreuzer oder Ede Becker machen, würde mich sehr reizen. Wenn alle Stricke reißen, werde ich Lehrer.