Bakéry Jatta
Der Fall Bakery Jatta schlägt weiter Wellen. (Symbolbild) | Foto: Christian Charisius

Karlsruher SC gegen HSV

Fall Jatta: Das sagen die Verantwortlichen des KSC

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Nach der 2:4-Niederlage des KSC gegen den Hamburger SV halten die Diskussionen im Fall Bakery Jatta an. Auch Oliver Kreuzer, Sportchef des Karlsruher SC, äußerte sich zu den Piffen gegen den Hamburger Spieler und einem möglichen Prozess.

Bevor Dieter Hecking in den Mannschaftsbus stieg, unterhielt sich der HSV-Trainer länger mit KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Natürlich besprachen die Männer die unerträgliche Situation um Bakery Jatta. Wellenreuther kündigte an, dass sich der KSC intern und gemeinsam mit Hausanwalt Markus Schütz zur Sache abstimmen werde.
Heißt: Ob sich die Badener nach ihrer Niederlage den Mustern des 1. FC Nürnberg und des VfL Bochum anschließen und formalen Protest gegen die Wertung des 2:4 einlegen werden. Oder ob sie es halten wollen wie der FC St. Pauli, der laut Präsident Oke Göttlich schon drei Wochen vor dem Stadtduell darauf festgelegt ist, sich nicht für den Fall einer Niederlage abzusichern.

Heiß diskutiert wurden nach Abpfiff im Stadion wie auch in den sozialen Netzwerken längst die Pfiffe von Teilen des KSC-Anhangs auf der Nordtribüne gegen den mit der unschönen Behandlung vordergründig kühl Umgang findenden Jatta. Der spielte sehr ordentlich. 45 Minuten lang hatte sich der Flügelmann des HSV aber bei jedem seiner Ballkontakte einem Pfeifkonzert ausgesetzt gesehen. Noch während der Partie twitterte der Verein: „Der KSC steht für Fairplay! Auf dem Rasen und auf den Rängen.“
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KSC-Sportchef Oliver Kreuzer entschuldigt sich

Hinterher wollte Wellenreuther nicht bewerten, ob die heftigen Reaktionen die Folge einer vermeintlichen Schwalbe Jattas früh im Spiel oder doch eine kollektiv ausgelebte Haltung gegenüber dem Spieler gewesen war. Für Sportchef Oliver Kreuzer stellte sich das eindeutiger dar. Er entschuldigte sich für das Verhalten der Pfeifenden: „Für mich hatte es den Eindruck, als würden sie Jatta wegen des Falls Jatta auspfeifen. Das war nicht gut von unseren Fans.“

KSC-Präsident Wellenreuther hofft auf schnelle Aufklärung durch DFL und DFB

Die Folgen dessen infrage gestellter Identität sind menschlich unappetitlich. Rechtliche Fragen bleiben berührt. „Die Hoffnung ist die, dass die DFL beziehungsweise der DFB noch rechtzeitig die Frage der Spielgenehmigung klärt. Ich verstehe nicht, warum das so lange dauert“, sagte Wellenreuther, der am Montag im Vorstand und mit der Geschäftsführung das Für und Wider eines Protests abwägt.

Kreuzer will nicht, dass KSC als Verlierer dastehe

Kreuzer positionierte sich vorab klar: „Ich wünsche dem HSV und dem Spieler, dass sich die Sache in spätestens 14 Tagen in ihrem Sinne erledigt hat. Davon bin ich auch überzeugt. Aber sollte es eine Kehrtwendung geben, kann es nicht sein, dass wir als soziale Verlierer Nachteile riskieren.“ Klares Votum für den Protest also. Die „Sport Bild“ hatte berichtet, dass Jatta 2015 bei seiner Einreise falsche Angaben zu seiner Identität machte. Würde sich das bewahrheiten und dabei zudem erweisen, dass man beim HSV Kenntnis von dem Sachverhalt hatte, würde dies der DFB zu sanktionieren haben.
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HSV-Trainer Hecking äußert sich zu Pfiffen

Bei der Pressekonferenz war die giftige Atmosphäre auch Thema. Hecking fragte rhetorisch in den Raum, weshalb sie sich zeige. Die Antwort gab er selbst: „Weil das Thema öffentlich gemacht worden ist. Nicht von unserer Seite, nicht von Spielerseite aus. Dann müssen wir damit leben, dass Fußballfans darauf reagieren. Das wird in jedem Stadion so sein, je länger das Thema gärt. Die, die weniger Verstand haben, werden das ausnutzen wollen.“ Wenn man dem Staat nicht vertrauen könne, „dann können wir alle nach Hause gehen“.

Reaktionen aus den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken geht die Diskussion um die Pfiffe weiter. Viele Nutzer bei Twitter unterstellen den KSC-Fans Rassismus.

Es gibt aber auch Nutzer im Internet, welche sich die Rassismus-Vorwürfe gegen die KSC-Anhänger nicht gefallen lassen wollen und darauf verweisen, dass die Pfiffe gegen Jatta nichts mit dessen Herkunft zu tun hatten.

Unterdessen hat sich auch die Initiative „Blau-Weiss statt Braun“, eine Vereinigung von KSC-Fans, die gegen Rechtsextremismus im Fußball ankämpfen, geäußert. Der Verein will den Vorwürfen auf den Grund gehen.