Frank Schmidt, Trainer (FC Heidenheim), Robert Leipertz (FC Heidenheim, 13), 1.FC Heidenheim gegen Holstein Kiel, Fussball, 2. Bundesliga, 06. Spieltag, 2019/2020, 14.09.2019, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video., GER, 1.FC Heidenheim gegen Holstein Kiel, Fussball, 2. Bundesliga, 06. Spieltag, 2019/2020, 14.09.2019 Heidenheim *** Frank Schmidt, Trainer FC Heidenheim , Robert Leipertz FC Heidenheim, 13 , 1 FC Heidenheim v Holstein Kiel, Football, 2 Bundesliga, 06 Matchday, 2019 2020, 14 09 2019, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video , GER, 1 FC Heidenheim v Holstein Kiel, Football, 2 Bundesliga, 06 Matchday, 2019 2020, 14 09 2019 Heidenheim Copyright: xEIBNER/SaschaxWaltherx EP_eer
Frank Schmidt (links) unterstütz seine Spieler, wie hier Robert Leipertz. | Foto: imago-images

2. Bundesliga

Heidenheims Trainer Frank Schmidt im Interview: „Die Konstellation ist eine besondere“

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Frank Schmidt und der FC Heidenheim – es ist eine alte Ehe, die ihren Reiz nicht verloren hat. Seit 2007 ist der 45-Jährige bei seinem Heimatverein auf der Trainerbank verantwortlich. Am Samstag tritt er im Karlsruher Wildparkstadion gegen den KSC an. Was ist das Erfolgsrezept des FCH-Trainers?

Herr Schmidt, kein Profitrainer hierzulande hält es so lange bei einem Club aus wie Sie. Zwölf Jahre beim FCH, ein Wort. Hatten Sie nie Bock auf Neues?

Schmidt: Nach so langer Zeit hat man einen Stempel, ich weiß. Aber die Zeit ist einfach nicht reif für andere Wege. Das hat nichts mit „Bock“ zu tun. Natürlich hat man Bock, irgendwann auch mal etwas Neues zu machen. Die andere Seite ist, dass es schlicht keine Abnutzungserscheinungen gibt. Die Konstellation in Heidenheim ist eine besondere.

Sie haben vor etwa einem Jahr Ihren Vertrag sogar bis 2023 verlängert, so werden Sie auch die nächsten Jahre nichts Neues anfangen …

Schmidt: Wer mich kennt, weiß, wie wichtig mir Werte und Zusagen sind. Aber bei einem muss man aufpassen, denn so romantisch das klingt: Wir haben auch hier Erfolgsdruck, hatten nicht nur einfache Zeiten und waren bereit, die Sachen immer gemeinsam anzugehen. Einen Automatismus darf man daraus nicht ableiten.

Sie scheinen vieles richtig zu machen in der Kür, Spieler für Ziele einzunehmen. Was macht Sie aus?

Schmidt: Wie wir spielen wollen, Taktik, Trainingsinhalte, Stärken, Schwächen – das ist unser Handwerkszeug. Aber das Detail liegt für mich im Umgang mit jungen Menschen. Einerseits gebe ich ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten, andererseits eine klare Richtung vor. Ich gehe einen authentischen Weg, ohne täglich auf Fremdmotivation zu setzen. Auch andere Faktoren sind wichtig …

Die wären?

Schmidt: Ich denke da an zwei Punkte. Erstens: Wir tauschen nie die halbe Mannschaft aus, bekommen aber immer wieder frisches Blut rein. Zweitens: Ich genieße überproportional hohe Rückendeckung von den Entscheidungsträgern im Verein. Das macht auch für Spieler etwas aus.

Sind die Jungen heute anders anzupacken als die von 2007, als Sie in Heidenheim loslegten?

Schmidt: Da hat sich einiges verändert. Zu uns kommen immer auch Spieler aus anderen Nachwuchsleistungszentren dazu, die diese Heidenheim-DNA, die mit Einsatz, Leidenschaft, Teamfähigkeit zu tun hat, mitbringen. Für uns ist primär der Erfolg, aber auch die Entwicklung der Spieler wichtig. Wenn du Empathie hast, du Menschen begeistern kannst, du dann auch ein Team hast, um guten Fußball spielen lassen zu können, dann kommt man bei den Spielern an. Ich nenne das „meinen Weg“.

Mit Zielrichtung Bundesliga?

Schmidt: Natürlich möchte ich irgendwann dorthin. Wenn sich der Fußball aber in eine Richtung entwickelt, bei der ich mit meinen Methoden nicht mehr erfolgreich sein kann, könnte ich beruflich auch etwas ganz anderes machen. Das hilft in der täglichen Arbeit und gibt mir Gelassenheit.

Wo steht der Tabellenvierte FC Heidenheim für Sie gefühlt?

Schmidt: Wir wissen, wie Zweite Liga geht, und haben uns zu einer gestandenen Zweitligamannschaft entwickelt. Das bedeutet nicht, dass du nie Probleme bekommen kannst. Ich glaube, dass eine Spielphilosophie ungemein wichtig ist. Aber am Ende ist es die Einheit auf dem Platz, die bereit ist, sehr mutig und leidenschaftlich zu spielen. Mit klarer Strategie, wenn der Gegner den Ball hat, aber auch Entwicklungen, wenn es um das Spiel in der Offensive geht. Da sind wir variabler geworden in den letzten Jahren, ohne in der Defensive einzubüßen. Zu diesem Fundament gehört immer Mentalität.

Was meinen Sie?

Schmidt: Wenn du die Mentalität nicht mitbringst, hast du keine Chance. Darum scheitern dann auch Mannschaften, die als vermeintliche Favoriten reingehen. Wenn diese bereit sind, ihr Leistungspotenzial immer voll abzuschöpfen, dann haben Vereine wie wir keine Chance, wenn es darum geht, vorne ein Wörtchen mitzureden.

Wie ist Ihr Blick auf den KSC, der Ihr Team nun erwartet?

Schmidt: Alois Schwartz kennt die Liga und weiß genau, was zu tun ist. So sehe ich die Mannschaft aufgestellt. Ihr Schwerpunkt ist die defensive Kompaktheit, die versucht, es dem Gegner mit gutem Umschaltspiel extrem schwer zu machen, vielleicht überdurchschnittlich über den Flügel. Dass es nicht immer nur darum geht, den Gegner spielerisch zu beherrschen, kennen wir aus eigener Erfahrung. Dann sehe ich da so einen Pourié und Hofmann, Spieler der Sorte, die in der Zweiten Liga einen neuen Anlauf nehmen. Das betrifft auch einen Pisot, einen Gordon.

In der Tabelle trennt die Vereine vor Anpfiff ein Punkt. Der KSC hat das Ziel, nicht abzusteigen …

Schmidt: Ich glaube, dass diese Mannschaft mit dieser Erfahrung und einigen jungen Spielern so aufgestellt ist, um sich in der Liga zu etablieren. Wenn das Ziel wie erwähnt aussieht, hat der KSC ja schon ein Viertel der nötigen Punktzahl. Wir wollen am Samstag gewinnen.