Vertrag läuft weiter: Michael Kölmel. | Foto: GES

Gespräch im September

Kölmel-Vertrag: KSC sieht für 2020 drei denkbare Ausstiegsszenarien

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Den erstmöglichen Ausstiegszeitpunkt zum 30. Juni 2019, den der Vergleich mit Rechtehändler Michael Kölmel vorsah, ließ der Karlsruher SC ungenutzt verstreichen. Der nächstmögliche ist der 30. Juni 2020. Gegen eine Schlusszahlung von acht Millionen Euro könnte der Zweitliga-Aufsteiger den Vertrag beenden.

Dessen Ausgangspunkt ist Legende: Kölmel bewahrte den KSC vor 19 Jahren mit einer Überweisung von 15 Millionen D-Mark (7,7 Millionen Euro) vor der Zahlungsunfähigkeit. Vor der Kulisse seiner letzten Bundesligazugehörigkeit focht der KSC das Vertragswerk an, den 2010 vom damaligen KSC-Präsidenten Paul Metzger geschlossenen Vergleich bezeichnete dessen Nachfolger Ingo Wellenreuther stets als „Verschlimmbesserung“. „Wir werden im September mit Herrn Kölmel das Gespräch suchen“, bestätigt KSC-Geschäftsführer Michael Becker nun.

Kölmel: „Fühle mich zwischenzeitlich frustriert“

Der Kölmel-Vertrag sieht vor, dass der KSC den Karlsruher mit zehn Prozent an seinen Einnahmen aus dem TV-Topf beteiligt. In der nächsten Saison werden dies rund 830 000 Euro sein – und diese würden laut Becker an die MK Medien auch gezahlt. Das war nicht immer so. Kölmel wiederholte es gegenüber dieser Zeitung: „Ich habe in einer extremen Krisensituation das Geld ganz kurzfristig bereitgestellt, habe auch in den letzten Jahren wieder 200 000 schnell mal geliehen, weil man das brauchte oder Gelder, die mir zustanden, auch wieder gestundet.“ Zwischenzeitlich fühle er sich etwas frustriert. „Man einigt sich zwar immer, und man sagt, dass die Zusammenarbeit ganz gut ist – aber am Ende ist man wieder in der Rubrik Altlast“, bedauert er und sagt: „Man wird da nicht als Partner gesehen.“

Fan-Anleihe in der Kritik

Kölmel (65) verweist auf die vom KSC aufgelegte Fananleihe, die 2,5 Millionen Euro erbrachte. „Die wurde mit vier plus zwei Prozent verzinst. Sehr viel höher bin ich auch nicht. Wenn man das alles durchrechnet, bis das abgetragen ist, sind wir vielleicht im Jahr 2033 – je nachdem, in welchen Ligen der KSC spielt.“ Kölmel spitzt das zu, meint, „man müsste dann ja in drei, vier Jahren die Fans, die in die Anleihe investiert haben, auch als Altlast hinstellen; dass die unverschämterweise womöglich vier Prozent verlangen – statt es dem KSC gleich zu schenken.“

Die Exit-Szenarien

Drei Exit-Szenarien erkennt Becker: Nach der Ausgliederung wäre eine Lösung über Aktienverkäufe denkbar. Ein zinsgünstiges Darlehen käme alternativ in Betracht. Schließlich könnte man auch versuchen, mit Kölmel eine andere Lösung zu finden. Jener erlebt Becker als „ganz angenehmen, kompetenten, jungen Geschäftsführer“.