Alois Schwartz war zwischen 2013 und 2016 Trainer beim SV Sandhausen. | Foto: dpa

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Darauf müssen die Karlsruher gegen Sandhausen achten

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Baden gegen die Kurpfalz: Das klingt berühmt-berüchtigt. Die Rede ist aber nicht vom Derby des Karlsruher SC gegen den SV Waldhof Mannheim. Nein, zur Kurpfalz gehört auch der SV Sandhausen. Und damit ist bei vielen Anhängern des KSC die Begeisterung für ein vermeintliches „Derby“ eigentlich schon am Ende. Brisant ist das Zweitliga-Duell am Freitagabend, 18:30 Uhr, aus Fan-Sicht wahrlich nicht. Sportlich hat der SVS aber stark aufgeholt. Das macht Sandhausen aus:

Sandhausen kommt als Dritter in den Wildpark. Karlsruhe ist nach drei Pleiten am Stück auf Platz zehn abgerutscht. Das Spiel gibt es auch im BNN-Live-Ticker. Über die vielen personellen Gemeinsamkeiten der Badener und des SV Sandhausen ist nahezu alles gesagt worden. Hier dennoch ein kurzer Überblick:

Man kennt sich in Karlsruhe und Sandhausen

Wer Sandhausen und Karlsruhe vergleichen will, fängt am besten bei KSC-Trainer Alois Schwartz an. Der hat seine erste Station als Profi-Trainer beim SVS noch genau in Erinnerung. Schwartz geht sogar davon aus, dass er durch seine Zeit von 2013 bis 2016, Anteil am heutigen Erfolg der Kurpfälzer habe. „Den Grundstein, die kleine DNA“, habe er gelegt. Auch sein Co-Trainer Dimitrios Moutas war damals Teil des Trainerstabs von Schwartz.

Ansonsten spielt beim KSC beinahe eine halbe Startelf mit SVS-Vergangenheit: Marco Thiede, Manuel Stiefler, Damian Roßbach, Daniel Gordon und Malik Batmaz trugen alle mal mehr oder weniger lange das Trikot der Sandhäuser. Thiede ist mit Denis Linsmayer, Mittelfeldspieler bei den Kurpfälzern, außerdem noch gut befreundet. Der KSC-Spieler gab im Gespräch mit der Schwetzinger Zeitung zu, dass er seinen alten Kollegen um Tipps vor dem Spiel am Freitag gefragt hatte. Der Erfolg sei aber mäßig gewesen.

Neben Spielern und Trainer haben auch drei administrative Mitarbeiter beim KSC eine schwarz-weiße Vergangenheit: Namentlich sind das Geschäftsführer Michael Becker, Luca Maibaum (Marketing) und Daniela Bierbrauer (Ticketing).

Den umgekehrten Weg ging übrigens Philipp Klingmann. Der Rechtsverteidiger beackerte zwischen 2012 und 2015 die rechte Außenbahn des KSC. Bei Sandhausen kommt er aktuell an Dennis Diekmeier nicht vorbei.

Das ist die Situation beim KSC

Dass Linksverteidiger Roßbach mit einem Bänderriss im rechten Knöchel ausfällt, ist kein Geheimnis. Dass dafür Dirk Carlson wohl ins Team rücken wird, ist noch weniger ein Mysterium. Carlson war zuletzt bei der Nationalelf Luxemburgs im Einsatz. Bei den Niederlagen gegen Nordirland (0:1) und Serbien (1:3) spielte er jeweils durch. So verpasste er auch den KSC-Test gegen Metz.

Bei den Karlsruhern ist nach drei Pleiten am Stück durchaus Druck vorhanden. Schwartz berief sich zwar unter der Woche auf den Status eines Aufsteigers und gab an, dass Niederlagen dann eben dazugehören würden. Dennoch müssen die Badener nach dem furiosen Start mit drei Siegen in Liga und Pokal allmählich wieder in die Spur kommen. Besonders die Defensive mit zwölf Gegentoren zeigte sich als wenig sattelfest.

Was macht Sandhausen in dieser Saison so stark?

Der Grund für die Stärke der Sandhäuser in dieser Saison liegt auf der Hand: Uwe Koschinat. Der Trainer übernahm im Oktober 2018 den SVS, entging nur knapp dem Abstieg und drehte nach dem starken Endspurt in der Vorsaison in dieser Runde das Ruder endgültig um. Koschinat gilt als Motivator und Taktikfuchs. Der dritte Platz in der Liga mag viele verwundern, ist aber gar nicht so unlogisch. Sandhausen hat in der Mehrzahl der bisher absolvierten Spiele überzeugen können.

Offensiv zünden die Kurpfälzer zwar kein Feuerwerk. Unter Koschinat steht aber vor allem die Abwehr sicher. Vier Gegentore nach fünf Spieltagen zeigen: Defensiv ist Sandhausen schwer zu knacken. Der Trainer lobt die eigene Balance in der Mannschaft. Hinzu kommt. „Wir sind auch eine gute Ballbesitz-Mannschaft geworden“, sagte er dem Kicker.

Und: Sandhausen kann auch mal kurz vor Schluss noch zuschlagen. Das musste der 1. FC Nürnberg am eigenen Leib erfahren, als Philip Türpitz am 3. Spieltag in der 89. Minute den 3:2-Siegtreffer erzielte. Ein Sieg der Moral – mit Nachhall. Danach gewannen der SVS in Heidenheim und zu Hause gegen Darmstadt 98. Koschinat spricht nicht umsonst über die Nürnberg-Partie als „Schlüssel“.

Wichtig wird, wer Philipp Förster ersetzen kann. Der Mittelfeldspieler ging quasi auf den letzten Drücker zum VfB Stuttgart. Als Alternativen gelten der Ex-Lauterer Julius Biada oder Neuzugang Besar Halimi, der Förster in Zukunft wohl direkt ersetzen soll. Als wahrscheinlich gilt aber ein Einsatz des Ex-Magdeburgers Türpitz als Schaltzentrale im Mittelfeld.

Der SV Sandhausen und die Transfers

Wenn Schwartz sagt, dass es zu seiner Zeit undenkbar gewesen wäre, dass Spieler wie Gislason oder Diekmeier im Hardtwald auflaufen, bedeutet das nur eins: Sandhausen ist längst auf dem Level der „größeren“ Zweitligisten angekommen. Der Haupt-Indikator für das neue Zeitalter im Hardtwald: Mittelfeldmann Förster, früher mal für den berühmten „Apfel und ein Ei“ (genauer 90.000 Euro) vom SV Waldhof nach Nürnberg gewechselt, durchbrach neulich die vereinseigene Transfer-Schallmauer: Satte drei Millionen ließ sich der VfB den Mittelfeldspieler kosten.

Der angesprochene Gislason ist nebenbei nicht nur der angeblich attraktivste Spieler der Fußball-WM 2018. Zumindest sagen das die zahlreichen Liebesbekundungen im Netz während der Weltmeisterschaft. Der Isländer überzeugte in der Vorsaison auch als Vorlagengeber – neun Tore bereitete er vor. Aktuell wartet der Nordeuropäer noch auf eine Torbeteiligung.

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Für Aufsehen sorgte im Frühjahr 2019 die Verpflichtung des damals vereinslosen Diekmeiers. Viele dachten, der Ex-Hamburger suche sich nur einen Club, um sich danach neu zu beweisen. Der Verteidiger sagte selbst, er „wollte Sandhausen nur als Sprungbrett nutzen“. Vor der neuen Saison verlängerte er seinen Vertrag um drei Jahre und ist nun sogar Kapitän.

Was sonst noch wichtig ist

Guerillaartig kleistern die Sandhäuser zwischen Mannheim und Wiesloch jede Litfaßsäule mit Plakaten zum Bewerben der Heimspiele zu. Der Zuschauerschnitt stieg in den vergangenen Jahren von 5.100 in der ersten Zweitliga-Spielzeit 2012/2013 auf 6.750 in dieser Saison an. Böse Zungen behaupten nur all zu gerne, dass dafür die vielen Gästefans verantwortlich seien. Dennoch wurde die Marketing-Abteilung des SVS erst kürzlich mit dem Marketing-Preis der Metropolregion Rhein-Neckar ausgezeichnet.