Fußball: 2. Bundesliga, Karlsruher SC - TSV 1860 München, 28. Spieltag am 03.04.2016 im Wildparkstadion Karlsruhe (Baden-Württemberg). Der Karlsruher Enrico Valentini erzielt per Elfemter den Treffer zum 3:1. Foto: Uli Deck/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Enrico Valentini trug drei Jahre das KSC-Trikot In seiner letzten Saison 2016/2017 war er sogar Kapitän der Blau-Weißen. | Foto: dpa

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Darauf muss Karlsruhe in Nürnberg achten

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„Der Glubb is a Depp!“ Dieser Satz, den die Nürnberger Anhänger erfunden haben, sagt alles. Der FCN ist landesweit als Fahrstuhlmannschaft verschrien. Statt Bayern und Dortmund bekommt es der neunfache, deutsche Meister wieder mit der Zweitliga-Prominenz Aue und Heidenheim zu tun. Wohin führt der Weg des FCN? Und: Hat der KSC am Samstag eine Chance gegen den Bundesliga-Absteiger?

Der 1. FC Nürnberg hat eine gigantische Geschichte. Neun Meistertitel haben die Franken auf dem Konto. Mehr als Borussia Dortmund. Demgegenüber stehen neun Abstiege! Viele davon in der jüngeren Vergangenheit. Das sagt vieles über den FCN aus. Nürnberg heißt große Geschichte, aber auch große Tragik. Krönend war der Bundesliga-Abstieg mit nur 19 Punkten aus der Vorsaison. Vereinseigener Negativrekord.

Wie ist die Situation beim 1. FC Nürnberg?

Die Nürnberger sind als Bundesligaabsteiger noch nicht hundertprozentig in der Spur. Acht Punkte stehen auf dem Konto – einer weniger als der KSC. Für den mit potentiellen Erstligaspielern bestückten Kader ist das zu wenig. Klar ist: Nürnberg muss siegen, um den Anschluss nach oben zu halten. Vor der Saison erklärte FCN-Trainer Damir Canadi: „Ich bin hierhergekommen, um aufzusteigen.“ Dass das nicht sofort geschehen muss, wurde prompt nachgeschoben. Mehr als zwei Jahre sollte die Rückkehr ins Oberhaus aber nicht dauern. Der Anspruch bei einem Traditionsverein wie dem FCN bleibt traditionell hoch.

Nürnberg besticht bisher durch fehlende Konstanz. Nach der bitteren 0:4-Heimpleite gegen den HSV setzten sich die „Glubberer“ im Pokal beim FC Ingolstadt durch. Nur um eine Woche später in letzter Minute beim SV Sandhausen zu verlieren. Immerhin blieb das vorerst die letzte Niederlage. Gegen Osnabrück (1:0-Sieg), Heidenheim (2:2-Remis) und Darmstadt (3:3) holten die Nürnberger fünf Punkte aus den letzten drei Spielen.

Ein Aufwärtstrend? Nur teilweise, denn gerade bei den „Lilien“ aus Darmstadt holte der frühere KSC-Jugendspieler  Robin Hack, erst kurz vor knapp die Kohlen aus dem Feuer. Der 21-Jährige traf sehenswert in der 85. Minute zum 3:3-Endstand.

Das ist beim Karlsruher SC los

KSC-Trainer Alois Schwartz feiert am Samstag bereits das zweite Wiedersehen binnen weniger Tage. Nach dem 1:0-Sieg gegen seinen Ex-Club Sandhausen, soll auch das Wiedersehen beim FCN positiv ausfallen. Groß erinnern will er sich an seinem alten Arbeitgeber aus dem Frankenland nicht. Das machte Schwartz am Donnerstag in der Pressekonferenz klar. Schwartz wurde im März 2017 nach nicht mal einer ganzen Saison beim FCN entlassen.

Ob der KSC-Coach taktisch etwas verändern wird, ist nicht klar. Im Training soll Schwartz ein System mit nur einer Spitze getestet haben. Dann müsste sich der Karlsruher Cheftrainer zwischen dem Duo Marvin Pourié oder Philipp Hoffmann entscheiden. Sicher ist nur, dass Linksverteidiger Damian Roßbach weiter ausfallen wird. Dirk Carlson kommt also nach seinem soliden Startelfdebüt gegen Sandhausen auch beim FCN zu vielen Einsatzminuten.

Auf welche Nürnberger Spieler muss der KSC achten?

Mit Hack haben sich die Nürnberger ein gutes Stürmertalent geangelt. Gegen Darmstadt platzte der Knoten des gebürtigen Pforzheimers mit zwei Toren. In der selben Woche knipste er bereits beim U21-Länderspiel gegen Wales dreifach. Canadi soll ihm Medienberichten zufolge zuvor mitgeteilt haben, mehr eigene Abschlüsse zu suchen. Auftrag erfüllt! Die Karlsruher Abwehr muss vor dem 1,76 Meter großen und dribbelstarken Angreifer auf der Hut sein.

Offensiv kam gegen Darmstadt auch Michael Frey zur Geltung. Der Schweizer mit den langen Haaren und Gardemaß von 1,90 Meter knallte kompromisslos einen Ball in die Maschen. Auch beim dem Neuzugang von Fenerbahce Istanbul ist der Knoten vermeintlich geplatzt.

Das ist extrem wichtig, denn mit Mikael Ishak fehlt der Top-Angreifer noch immer verletzt. Rückkehr unbekannt. Der frühere Karlsruher Fabian Schleusener kam nach seinem Schienbeinbruch aus der Vorsaison auch noch nicht zum Einsatz.

Hat Nürnberg ein Defensiv-Problem?

Und defensiv? Vor Hacks Ausgleichtreffer hatte FCN-Keeper Christian Mathenia sich einen kapitalen Bock geleistet. Dieser führte zur zwischenzeitlichen Führung von Darmstadt 98. Mathenia agierte in den vorherigen Partien bereits unsicher. Beim „Club“ will man aber an dem 27-Jährigen festhalten. Generell gilt Mathenia als stabiler Torwart. Dahinter scharrt der ehemalige Canadi-Schützling Andreas Lukse mit den Hufen. Lukse arbeitete mit dem Nürnberger Trainer schon beim österreichischen Club SCR Altach zusammen und hütete beim Pokalsieg in Ingolstadt den FCN-Kasten.

Die Abstimmungsprobleme von Mathenia und seinen Vorderleuten sind nicht alles: Defensiv hat die Canadi-Elf einiges aufzuarbeiten. Nürnberg hat sich zwölf Gegentore eingefangen – genauso viele wie der KSC. Mehr haben nur Bochum (14) und Wiesbaden (18) auf dem Konto. Der Nürnberger Abwehrverbund scheint den Wegfall der Stützen Tim Leibold und Ewerton (beide HSV) noch nicht überwunden zu haben.

Mit Lukas Mühl und Patrick Erras hat der FCN eigentlich junge, solide Abwehrspieler mit viel Entwicklungspotential in seinem Aufgebot. Hinzu kommt mit Georg Margreitter ein erfahrener Mann. Kurios: Für die Dreierkette, die Canadi gegen Darmstadt aufbot, gibt es exakt drei zentrale Defensivspieler im Kader. Denn Neuzugang Asger Sörensen (RB Salzburg) fällt aus. Die Abwehr muss also in der Konstellation funktionieren. Gegen Darmstadt ließ sich die Hintermannschaft bereits mit einfachsten Pässen sezieren.

Schaffen es die Karlsruher in den prekären Bereich zwischen Innen- und Außenverteidigung zu gelangen, brennt es im Nürnberger Strafraum. Dort wird beispielsweise der frühere Karlsruher Enrico Valentini schmerzlichst vermisst.

Der FCN-Kader: Bekannte Namen – und sonst so?

Finanziell sprengt Nürnberg den Rahmen vieler Zweitligisten. Mehrere Akteure der „Glubberer“ sind drei oder vier Millionen Euro wert. Mühl (4,5 Millionen Euro laut transfermarkt.de) oder Erras (3 Millionen Euro) waren angeblich nach dem Abstieg auf den Spickzettel mancher Clubs.

Der Kader ist vollgepackt mit Erfahrung. Kapitän Hanno Behrens oder der frühere Schalker Johannes Geis müssen den jungen Kader (24,87 Jahre im Schnitt) aber besser leiten.

Pech hatten die Nürnberger bisher mit ihren Verpflichtungen für die Außenbahnen. Der Portugiese Iuri Medeiros kostete stolze zwei Millionen Euro und kam von Sporting Lissabon. Aktuell fällt der U-21-Spieler verletzt aus. Auch Felix Lohkemper, an dem der KSC im Sommer interessiert war, hat noch nicht gezündet.  Gerade über die Außen strahlt der FCN noch zu wenig Gefahr aus.

Diese Spieler haben eine Karlsruher Vergangenheit

Schleusener, Hack, Valentini, Stiefler. Auch hier ist die Liste der früheren KSC-Spieler nicht zu vernachlässigen. Wenn auch Hack bereits in der C-Jugend den Wildpark in Richtung Hoffenheim verließ. Fabian Schleusener war in der ersten Drittliga-Saison der Karlsruher Toptorjäger nach dem Abstieg 2017. Im Sommer 2019 mehrten sich die Gerüchte über eine mögliche Rückkehr des Stürmers nach Karlsruhe. Schleusener ging dann aber für eine Ablöse von 450.000 Euro nach Nürnberg.

Auch der Siegtorschütze aus dem Sandhausen-Spiel, Manuel Stiefler, hat eine Nürnberger Vergangenheit.  Der gebürtige Bayreuther versuchte 2008 sein Glück beim „Glubb“, konnte aber nie Fuß fassen.

Mit Valentini verbinden die Karlsruher Fans deutlich mehr Erinnerungen. Der Rechtsverteidiger kam als Mittelfeldmann im Sommer 2014 zum KSC. Schnell wurde Valentini von KSC-Trainer Markus Kauczinski zum Außenverteidiger umfunktioniert. Der Deutsch-Italiener wurde so zum Aktivposten auf der Außenbahn. In der Abstiegssaison führte der gebürtige Nürnberger die KSC-Elf sogar als Kapitän aufs Feld. Nach der Saison 2016/2017 verließ Valentini die Badener. Ein Wiedersehen gibt es dennoch maximal in den Katakomben des Max-Morlock-Stadions: Valentini fällt mehrere Wochen mit einem Muskelfaserriss aus.

Und beim letzten Spiel zwischen dem KSC und Nürnberg?

Die letzte Partie gegen Nürnberg fand am 31. März 2017 statt und dürfte einigen KSC-Anhängern noch im Gedächtnis hängen. Tobias Kempe, der Bruder des Ex-Karlsruhers Dennis, traf zwei Mal vom Punkt. Beide Strafstöße waren maximal diskutabel. Karlsruhe wurde trotz einer soliden Leistung um den Lohn gebracht. Der KSC verlor – damals noch unter Mirko Slomka – mit 1:2. Wenige Wochen später war Slomka Geschichte und Karlsruhe stieg in die Dritte Liga ab.