Stuttgart, Deutschland, 09.04.2017, 2. Bundesliga 28. Spieltag, VfB Stuttgart - Karlsruher SC, Dennis Kempe (KSC) in Aktion ( DeFodi507 Stuttgart Germany 09 04 2017 2 Bundesliga 28 Matchday VfB Stuttgart Karlsruhe SC Dennis Kempe KSC in Action shot DeFodi507
Dennis Kempe verteidigte sechs Jahre hinten links beim Karlsruher SC. Seit 2017 spielt er in Aue. | Foto: imago-images

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste über Erzgebirge Aue

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Der FC Erzgebirge Aue ist mehr als nur ein kulinarisches Highlight für auswärtsfreudige Fußballfans. Obwohl das Wurstgulasch, eine tomatenlastige Curry-Soßen-Würstchen-Mischung mit Nudeln, bis tief in den Westen bei Anhängern vieler Vereine bekannt ist. Aue, der KSC-Gegner am kommenden Montagabend, ist aktuell auch eine der positiven Überraschung der laufenden Zweitliga-Saison.

Die letzte Partie zwischen dem KSC und dem FC Erzgebirge Aue ist gar nicht so lange her. Mai 2018. 16.000 Zuschauer sehen im Erzgebirgsstadion wie Aues Sören Bertram drei Buden im Relegationsrückspiel gegen den KSC erzielt. Die Sachsen sichern sich den Klassenerhalt, Karlsruhe bleibt drittklassig.

Ein Jahr später überrascht Aue derzeit die Konkurrenz in der 2. Bundesliga. Mit 19 Punkten liegen die Sachsen auf dem vierten Platz. Vier Zähler fehlen auf den Drittplatzierten VfB Stuttgart. Kurios: Der FC Erzgebirge könnte sogar noch besser da stehen.

Die Situation bei Aue könnte sogar noch besser sein

Gerade die Duelle gegen die Schwaben-Teams – genauer Stuttgart und den FC Heidenheim – haben das verhindert. Am vierten Spieltag köpfte Aues Stürmer Pascal Testroet in der 87. Minute nur knapp über das Stuttgarter Tor. So blieb es beim 0:0-Unentschieden. Am vergangenen Wochenende schenkten die Sachsen in der 92. Minute sogar eine 1:0-Führung gegen Heidenheim her. Aue stünde sonst bei satten 25 Punkten – das wären genauso viele wie die Topteams Hamburger SV oder Arminia Bielefeld.

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Dirk Schuster überzeugt als Aues Trainer

Ausschlaggebend für die guten Leistungen ist ein alter Bekannter aus Karlsruher Zeiten: Dirk Schuster übernahm Ende August 2019 das Ruder in Aue. Seitdem läuft’s besser. Drei Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen stehen auf der Habenseite. Schuster, gebürtiger Sachse, bezeichnete sich nach seiner Amtseinführung als „Kind der Region“. Der Name des früheren KSC-Spielers geisterte bereits im Jahr 2017 durch das Erzgebirge. Auch in Karlsruhe wurde Schuster mehrfach als potentieller Coach gehandelt. Der 51-Jährige wurde vor wenigen Wochen übrigens von den KSC-Fans in die Jubiläumself gewählt.

Schuster tauscht, wie auch sein Karlsruher Kollege, Alois Schwartz, selten die Positionen seiner Startelf aus. Einige Spieler blühen unter dem früheren Mittelfeldspieler regelrecht auf – darunter sind auch zwei Ex-Spieler des KSC.

Diese Ex-KSC-Spieler blühen unter Schuster auf

Dimitrij Nazarov ist einer aus diesem Karlsruher Duo. Zwischen 2013 und 2016 trug er das blau-weiße Trikot. Der Nationalspieler Aserbaidschans ist mit fünf Treffern der Toptorschütze des FC Erzgebirge. Nazarov glänzte besonders beim 4:1-Sieg gegen Dynamo Dresden mit einem Doppelpack. Vergangene Spielzeit – unter Schusters Vorgänger Daniel Meyer – blieb für den technisch-beschlagenen Mittelfeldspieler meist nur die Rolle des Jokers übrig. Nun ist der Mann mit dem feinen rechten Fuß der Dreh- und Angelpunkt in der Erzgebirge-Offensive. Seine drei Jahre in Baden bezeichnete er kürzlich als „super, aber auch dramatisch“ gegenüber Tag24. Grund sei der verpasste Bundesligaufstieg im Jahr 2015.

Linksverteidiger Dennis Kempe ackerte sechs Jahre hinten links beim KSC. Kempe war aufgrund seines Kampfgeistes beim Anhang des Karlsruher SC beliebt. Vor zwei Jahren wechselte er in den Osten und wurde zur Stammkraft. Wenn da nicht die vielen Verletzungen wären. Bereits in Karlsruhe fiel Kempe häufiger aus. Im Frühjahr diesen Jahres stoppte ihn dann eine komplizierte Knieverletzung. Nach 134 Tagen gab er im September sein Comeback. Seitdem baut Schuster auf den 1,87 Meter großen Verteidiger.

Das sind die Stärken und Schwächen von Aue

Aue ist, wie auch der KSC, nicht für ausladende Passstafetten bekannt. Die Sachsen kommen auf gerade mal 79,8 Prozent angekommene Pässe. Beim Karlsruher SC sind es sogar nur knapp 75 Prozent. Aue steht dafür defensiv weitesgehend kompakt. Neben Nazarov strahlt auch Stürmerkollege Testroet immer Gefahr aus – trotz „nur“ drei erzielten Treffern.

Aue gegen den KSC heißt auch: Die beiden lauf-faulsten Teams der Liga treffen aufeinander. Statistiken zufolge spulen die Sachsen gerade Mal knapp 111 Kilometer pro Spiel insgesamt ab. Die Badener kommen auf 112 Kilometer. Im Liga-Ranking sind das die Plätze 16 und 17. Übrigens: Einer der laufstärksten Spieler der 2. Bundesliga ist Marvin Wanitzek, Karlsruhes Mittelfeldstratege. 

Und wie knackt man den FC Erzgebirge? Am Besten mit dem Kopf, beziehungsweise mit hohen Bällen Schuster monierte bereits nach dem späten Gegentreffer gegen Heidenheim, dass sein Team „körperlich gnadenlos unterlegen“ sei.

Sein Team gehört mit durchschnittlich 183,1 Zentimetern zu den kleinsten der Liga. Zum Vergleich: Mit dem KSC-Spielern Philipp Hofmann (1,96 Meter) oder auch Daniel Gordon (1,94 Meter) strahlen wahre Schränke Gefahr bei Standards aus. Zuletzt nickte 1,84 Meter große Marvin Pourié beim 2:2-Remis auf St. Pauli zum Ausgleich ein. Schuster ist gewanrt und sagte gegenüber dem Kicker: „Wir müssen uns immer wieder etwas im Training einfallen lassen.“

Was sonst noch wichtig ist

An den letzten Auftritt gegen Aue wollen sich viele KSC-Fans mit Sicherheit nur ungern erinnern. Die Relegationspleite aus dem Mai 2018 war bitter. Dennoch ist die jüngere Bilanz im Duell der beiden Teams ausgeglichen.  In der Saison 2016/2017 gewannen Aue und der KSC jeweils ihre Heimspiele. Beim 2:0-Erfolg vor gut drei Jahren trafen Moritz Stoppelkamp und Erwin Hoffer.

Eindrücklicher ist möglicherweise die unnötige 1:3-Pleite der Karlsruher bei Aue aus der Saison 2014/2015. Der KSC stolperte durch die Niederlage im Aufstiegsrennen, schaffte es nur auf den Relegationsrang drei und scheiterte dann in zwei Spielen am Hamburger SV.