10.08.2019, xemx, Fussball DFB-Pokal 1.Runde, SSV Ulm - 1.FC Heidenheim emspor, v.l. Cheftrainer Frank Schmidt (FC Heidenheim) und Marc Schnatterer (FC Heidenheim 7) gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen, gesticulate, gives instructions (DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO) Ulm *** 10 08 2019, xemx, football DFB cup 1 round, SSV Ulm 1 FC Heidenheim emspor, v l head coach Frank Schmidt FC Heidenheim and Marc Schnatterer FC Heidenheim 7 gives instructions, gesticulated with the arms, gesticulate, gives instructions DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Ulm
Zwei Heidenheimer Institutionen: Trainer Frank Schmidt (links) und Marc Schnatterer. | Foto: imago-images

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste zum 1. FC Heidenheim

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Der 1. FC Heidenheim wird auch „Die Macht von der Ostalb“ genannt. Zum Fürchten. Spätestens seit der Saison 2018/2019 wächst der Respekt vor den Schwaben. Was sind die Stärken und Schwächen der Mannschaft von Frank Schmidt?

Der Club von der Ostalb kickt seit fünf Jahren in der zweiten Liga mit. Wohlgemerkt, mit. Heidenheim war zwar nur in der Saison 2017/2018 in konkreter Abstiegsgefahr.  Die Jahre davor waren die Schwaben MItglied der Abteilung „Niemandsland“. In der vergangenen Runde hat sich das nun geändert. Platz fünf, 55 Punkte, DFB-Pokal-Viertelfinale. In Heidenheim ist was passiert, aber was?

Das ist die Situation beim 1. FC Heidenheim

Aktuell ist Heidenheim Vierter, knabbert an den Aufstiegsrängen. Um diese Jahreszeit ist so eine Einschätzung noch zu früh. Die Tendenz geht für den 1. FCH dennoch nach oben. Bereits am zweiten Spieltag drehten die Heidenheimer einen Rückstand gegen den VfB Stuttgart fast um, spielten noch 2:2-Unentschieden. Nach zwei Pleiten in Dresden und gegen Sandhausen fing sich der FCH und ist seit drei Spielen ungeschlagen. Der Glückstreffer von Robert Leipertz beim 1:0-Erfolg gegen Darmstadt sagt mehr aus als die bloßen drei Punkte. Wer Spiele durch „Kacktore“ (O-Ton Leipertz nach der Partie) gewinnt, hat einen Lauf.

Auf der Ostalb ist der Trainer der Star

Es klingt abgedroschen, aber in Heidenheim ist ausgerechnet ein Heidenheimer der Star. Und der ist dann auch noch der Trainer. Frank Schmidt macht seit mehr als einem Jahrzehnt die Coaching-Zone des FCH unsicher. Der Ostschwabe hat aber keine Lust darauf, sich am Erreichten zu erfreuen. „Zufriedenheit können wir gar nicht“, sagte Schmidt vor der Saison.

Auch hier: Abgedroschen, ist aber authentisch. Schmidt, überzeugter Trainingsanzug-Träger, rutschte mehr oder minder in den Beruf. 2007 übernahm er den Trainerposten, als Übergangslösung. Zwölf Jahre später tobt diese Übergangslösung noch immer an der Seitenlinie herum. Schmidt hat die Heidenheimer geformt und Vertrauen aus der Führungsetage. Sein Vertrag wurde vergangenes Jahr verlängert – bis 2023.

Was ist die Stärke des 1. FC Heidenheim?

Heidenheim ist robust. Heidenheim ist zweikampfstark. Das sagte zumindest KSC-Trainer Alois Schwartz als er am Donnerstag auf der Pressekonferenz auf den kommenden Gegner angesprochen wurde. Die Statistiken sagen jedoch etwas anderes. 53 Prozent aller Duelle entschieden die Badener für sich, die Mannschaft von der Ostalb nur 49 Prozent – in der Liga ist das nur unterer Durchschnitt.  Aber: Im Gespräch mit BNN fielen bei Schmidt immer wieder Worte wie „Mentalität“  oder „Leidenschaft“. Für den FCH-Coach sind das keine Floskeln.

Seine Mannschaft verkörpert diese Eigenschaften: Bei der reinen Laufleistung ist Heidenheim ligaweit ein Top-Team. Der FCH spult durchschnittlich 116, 78 Kilometer ab. In jeder Partie.  Das sind im Schnitt drei mehr als der KSC.

In der Offensive sei man variabler geworden, so Schmidt. Und die Zahlen bestätigen das. Heidenheim versucht im Spiel, die Initiative zu übernehmen. Dazu kommen mehr als sechs Abschlüsse pro Spiel und eine Top-Passquote: Satte 84 Prozent aller Bälle – oder in Zahlen 2762 – kamen beim Mitspieler an. Der Vergleich mit dem Karlsruher SC ist aus badischer Sicht ernüchternd: Nur 73 Prozent der Pässe brachte die Elf von Schwartz an den eigenen Mann.

Diese Spieler können beim 1. FC Heidenheim den Unterschied machen

Marc Schnatterer ist noch immer ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Bezeichnend Schnatterers Lupfer-Vorlage vor dem 2:2-Ausgleich in Nürnberg. Stefan Schimmer ballerte die Kugel dann in den Winkel. Das war zwar bisher die einzige Vorlage des Heidenheimer Ausnahmespielers, dennoch ist vor allem seine Stärke bei Standards gefürchtet.

Schnatterer hat auch eine Karlsruher Vergangenheit. Er kickte in den 2000er-Jahren in zwei Spielzeiten für die KSC-Reserve. Besonders in der ersten Drittliga-Spielzeit gab es Gerüchte über eine mögliche Rückkehr. Der gebürtige Heilbronner hielt aber immer allen Avancen anderer Vereine stand.

Übertroffen wird er aktuell von einem anderen Heidenheimer: Robert Leipertz. Der Neuzugang (750.000 Euro /FC Ingolstadt) knipste bereits vier Mal – drei Tore waren sogar entscheidend. Leipertz zählt zu den aktuell besten Schützen der Liga. Mit Tim Kleindienst (2 Tore/2 Vorlangen), der aus Freiburg für vier Jahre verpflichtet wurde, hat Heidenheim ein starkes Sturmduo.

Beide Stürmer lassen die Erinnerungen an Robert Glatzel verblassen. Glatzel, der Drei-Tore-Mann aus dem Pokalspiel gegen den FC Bayern, verließ die Ostalb im Sommer für satte sechs Millionen und heuerte bei Cardiff City in Englands zweiter Liga an.

Bei Transfers ist Heidenheim in einer neuen Gewichtsklasse

Durch den Glatzel-Transfer  und den Verkauf von Nikola Dovedan (2,5 Millionen Euro/Nürnberg) ist Heidenheim finanziell in neue Sphären gestoßen. So wurden auch die Transfers von Mittelfeldspieler Merveille Biankandi (750.000 Euro/Freiburg) und dem Ex-Karlsruher Jonas Föhrenbach (500.000 Euro/Freiburg) ermöglicht. Föhrenbach, der in der Saison 2017/2018 beim KSC spielte, kam bisher erst auf drei Einsätze.

Apropos Geld: Der FCH hat im April 2019 das Stadion der Stadt Heidenheim abgekauft. Für zwei Millionen Euro. Ein Sprecher des Vereins sprach von einer fairen Lösung für alle Beteiligten. Der Stadt nehme man so „erhebliche jährliche Belastungen ab durch Pachtverträge ab“.

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Dieser Heidenheimer Spieler sorgte im August für Aufsehen

Mittelfeld-Stratege Niklas Dorsch ist Deutscher Meister. Der 21-Jährige gewann im Jahr 2018 den Titel mit seinem Ex-Club Bayern München. Sogar ein Tor gelang ihm – bei seinem einzigen Einsatz für die Profis. Damals war die Meisterschaft schon unter Dach und Fach. Nach der Saison ging er nach Heidenheim. „Was bringt es fünf, sechs Jahre in der zweiten Mannschaft von Bayern zu kicken und nicht voranzukommen“, kritisierte er im August 2019 in der SportBild den Umgang des Rekordmeisters mit seinem Nachwuchs.

Es sei extrem wichtig, dass Talente auch dann eingesetzt werden, wenn noch etwas auf dem Spiel stehe. „Eine Bundesliga-Partie mitten in der Saison zum Beispiel, wenn Bayern 4:0 führt – warum schmeißt man dann nicht einfach mal einen jungen Perspektivspieler rein?“, stellt Dorsch eine grundsätzliche Frage. Nach  der Meisterschaft 2018 sollte er auch verlängern, lehnte das strikt ab. Der Schritt in die zweite Liga, sei richtig. Mittlerweile ist er U21-Nationalspieler und laut transfermarkt.de vier Millionen Euro wert.