23.04.2017, xfux, Fussball 2.Bundesliga, SV Sandhausen - Karlsruher SC, emspor, v.l. Marvin Mehlem (Karlsruher SC KSC), Manuel Stiefler (SV Sandhausen) Sandhausen 23 04 2017 xfux Football 2 Bundesliga SV Sandhausen Karlsruhe SC emspor v l Marvin Mehlem Karlsruhe SC KSC Manuel Stiefler SV Sandhausen Sandhausen
2017 war alles anders: Marvin Mehlem spielte damals noch für den KSC. Manuel Stiefler noch für den SV Sandhausen. | Foto: imago-images

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste zu Darmstadt 98

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Der SV Darmstadt 98 taumelt. Der Ist-Zustand der Lilien kann mit der berühmtem Floskel des angeschlagenen Boxers gut beschrieben werden. Sechs Spiele ohne Sieg. Nun kommt am Freitag der KSC ans Böllenfalltor. Reißen die Südhessen ausgerechnet gegen den Karlsruher SC das Ruder rum?

Der Vergleich zwischen Darmstadt und dem KSC bietet noch viel mehr Potential, um Sprüche zu klopfen. Was wäre zum Beispiel gewesen, wenn Daniel Gordon in einem Heimspiel am 11. Mai 2015 nicht an die Latte geköpft hätte? Damals, in der Saison 2014/2015, verloren die Karlsruher mit 0:1 gegen die Lilien. Darmstadt stieg auf, der KSC kam in die Relegation gegen den HSV. Über den Rest muss in Karlsruhe niemand mehr sprechen.

Karlsruhe hat sich aktuell nach einer Mini-Krise wieder gefangen, ist seit drei Spielen ungeschlagen. Beim 1:1-Remis gegen Heidenheim war aber auch mehr drin. In Darmstadt fehlt den Karlsruhern wohl weiterhin Damian Roßbach. Und auch Mittelfeld-Abräumer Lukas Fröde ist fraglich. 

Mehr zum Thema: Die Partie des Karlsruher SC beim SV Darmstadt 98 gibt es auch auf bnn.de im Live-Ticker.

Das ist die Situation beim Darmstadt 98

Vier Jahre später reist der KSC als Aufsteiger aus der Dritten Liga nach Darmstadt. Der SV 98 hat allen Grund zur Sorge. Sechs Spiele ist die Elf von Dimitrios Grammozis nun ohne Sieg. Ausgerechnet gegen Bochum, den Ex-Club des Lilien-Coachs, drehten die Darmstädter am Wochenende beinahe die Partie. Das 2:2-Unentschieden stammt aus der berühmten Kategorie: „Nicht Fisch, nicht Fleisch“. Wieder eine Floskel.

Was bringt Darmstadt das 1:1-Unentschieden in Bochum?

Grammozis sprach nach dem Bochum-Spiel davon, dass seine Mannschaft in der zweiten Hälfte beim VfL Bochum das Gesicht gezeigt hatte, das er sich von Beginn an gewünscht habe: „Wir waren viel engagierter, viel griffiger.“ Sätze, die ein Trainer nach einer solchen Sieglos-Serie eben sagen muss, um einen Fortschritt deutlich zu machen. Sätze, die auch von Spieler-Seiten gerne fallen.

Lilien-Kapitän Fabian Holland und Innenverteidiger Immanuel Höhn zum Beispiel: Man habe in der zweiten Hälfte „Alarm gemacht und sich getraut, nach vorne zu spielen“ oder, dass man „ein richtig gutes Gesicht gezeigt habe“.

Diese Aussagen zeigen: In Darmstadt läuten bereits die Alarmglocken. Platz 16 klingt nach Abstiegskampf. Und vom Kampf gegen den Gang in die Drittklassigkeit haben sie rund um das Böllenfalltor genug. Bereits in den beiden Vorsaisons mussten die Südhessen lange den Blick nach unten richten. Und nun? Der Punktgewinn in Bochum ist wertlos, wenn Darmstadt nicht endlich gewinnt. Sonst wird auch die Luft für Grammozis dünn.

Joker Marcel Heller, der den Ausgleich beim VfL erzielte, verkündete vor dem KSC-Spiel: „Wir werden diese Woche einen Plan erarbeiten, um die drei Punkte hier zu behalten.“ Aber wie sieht dieser Plan aus?

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Erhält Darmstadts langjähriger Topscorer wieder eine Chance?

Beinhaltet dieser womöglich eine Wiederkehr von Heller in die Startelf? Der Kult-Spieler musste am vergangenen Spieltag erstmals auf die Bank. Und er nahm die Nichtnominierung gelassen. Er habe in den Spielen davor genug Aktionen gehabt, wo die letzte Konsequenz gefehlt habe. Außen vor ist hingegen Darmstadts bester Scorer der vergangenen beiden Jahre: Tobias Kempe. Der Mittelfeld-Allrounder sitzt zeitweise sogar auf der Tribüne.

Kempe ins System zu integrieren gelingt Grammozis noch nicht. Dabei wechselt Grammozis das offensive Aufgebot häufiger. Verschiedene Spielsysteme, mal mit Drei-Mann-Angriff oder auch nur einem echten und einem hängendem Stürmer, wechseln sich ab.

Und was ist mit Kempe? Vor der Saison habe Grammozis Berichten von Tag24 zufolge seinem Spieler mitgeteilt, dass es schwer werde, auf viele Spiele zu kommen. Fraglich, ob Darmstadts Trainer noch lange am früheren „Mann für die wichtigen Tore“ vorbeikommt. Wieder so eine Floskel.

Auf diese Darmstädter Spieler muss der Karlsruher SC aufpassen

Fest steht: Darmstadts Offensive funktionierte nach Hellers Hereinnahme besser. Auch die Wechsel von Mathias Honsak (RB Salzburg/ 750.000 Euro) und Ognjen Ozegovic (Partizan Belgrad/400.000 Euro) zeigten Wirkung. Die beiden Neuzugänge fassen allmählich Fuß bei den Südhessen. Ozegovic soll Druck auf Stürmerkollege Serdar Dursun ausüben. Der Serbe hat Europa-League-Erfahrung und machte gegen Bochum bereits Druck nach seiner Einwechslung.

Sein Sturmkollege Dursun steht aktuell bei drei Treffern, war in der Vorsaison bester Schütze bei Darmstadt. Gegen Bochum gelang ihm beinahe das vierte – per Kopf. Der Angreifer ist mit seinem 1,90 Meter extrem kopfballstark. Dursun bewies aber bereits mehrfach, dass er auch technisch beschlagen ist.

Diese Ex-Karlsruher spielen bei Darmstadt eine große Rolle

Allen Umstellungen von Grammozis zum Trotz, ein Mann im Mittelfeld ist fast immer gesetzt. Und der kommt aus Karlsruhe, lernte das Kicken beim SV Blankenloch und durchlief fast alle Jugendabteilungen des KSC. Marvin Mehlem glänzt seit knapp zwei Jahren im Trikot des SV Darmstadt 98. Er wechselte im Sommer 2017 von Baden nach Südhessen.

Beim KSC glaubte man nicht mehr so richtig an den Offensiv-Mann. Krönender Abschluss war ein Disco-Ausflug im März 2017, den KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer kritisierte, da Mehlem das folgende Training verpennte. In Darmstadt wurde der Mittelfeldspieler ruhiger und entwickelte sich zum Leistungsträger. In der Vorsaison gelangen ihm vier Treffer und vier Vorlagen. Danach gab es einige Anfragen für den 22-Jährigen, der lieber seinen Vertrag in Darmstadt bis ins Jahr 2022 verlängerte..

In der laufenden Spielzeit stottert Mehlems Motor noch ein wenig. Bei der 0:1-Pleite in Heidenheim war er sogar nur Joker. Gegen Bochum rackerte er wieder 90 Minuten auf dem Feld, die letzte Konsequenz fehlte noch. Das Spiel gegen seinen Heimatverein am Freitagabend wird ihn zusätzlich motivieren.

Ein Anderer im Darmstadt-Trikot wird ebenfalls auf das Duell gegen den Karlsruher SC brennen: Florian Stritzel. Der Torwart war drei Jahre nur Ersatz bei den Badenern. Zwischen 2014 und 2017 stand er 56 Mal für den KSC im Kasten – wohlgemerkt in der zweiten Mannschaft. Eine echte Chance bei den Profis bekam er nie.

Ein Armbruch von Darmstadts Stammkeeper Marcel Schuhen spülte den Hünen (1,97 Meter) in den Kasten. Stritzel überzeugte, hielt auch gegen Bochum stark. Schuhen soll nun zwar fast wieder fit sein. Gegen den KSC wird Stritzel wohl noch mal den Kasten hüten.

Was sonst noch wichtig ist

Die Bilanz spricht eindeutig für den KSC. Elf Siege haben die Badener im direkten Vergleich auf dem Konto. Darmstadt nur vier. Viele KSC-Fans werden sich vor allem an Hakan Calhanoglus Treffer beim 1:0-Erfolg in Darmstadt im Mai 2013 erinnern. Der Freistoßknaller öffnete das Tor zum Wiederaufstieg in die Zweite Liga.

Der letzte Vergleich beider Teams ist nun, wie bereits erwähnt, vier Jahre her. Den 1:0-Treffer für die Südhessen besorgte damals der ebenfalls angesprochene Kempe. Ausgerechnet nach einer Vorarbeit von Heller. Wiederholt sich diese Geschichte auch am Freitagabend? Falls ja, hat auch das wieder Potential für Floskeln. Ausgerechnet.