Bei 4:2-Sieg der Hamburger spielte David Kinsombi (l.) noch 90 Minuten durch. Aktuell sitzt der Ex-KSC-Spieler häufiger auf der Bank.

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste zum HSV

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HSV gegen den KSC: Ein Duell, das zahlreiche Geschichten fernab vom Geschehen auf dem Rasen bietet. Auch sportlich hat das Gastspiel der Karlsruher am Samstag, 13 Uhr, im hohen Norden eine immense Bedeutung. Nach der Pleite im Pokal-Achtelfinale sind die Badener auf Wiedergutmachungskurs mit ihren Fans. Gelingt dies ausgerechnet beim Hamburger SV? Das Wichtigste zum Gastspiel an der Elbe.

Unvergessen ist das nun fast viereinhalb Jahre zurückliegende Relegationsdrama im Karlsruher Wildparkstadion, das der HSV durch einen kuriosen Pfiff für sich entschied. Und so nicht absteigen musste. 2018 war es dann doch soweit und der Ex-Dino musste den Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

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Hamburg gegen den KSC: Ein Spiel mit zahlreichen Vorgeschichten

Dann wäre da die Posse um KSC-Sportchef Oliver Kreuzer und den Hamburger Gönner Klaus-Michael Kühne. Der Milliardär und Edel-Sponsor der Hanseaten bezeichnete Kreuzer während seiner Amtszeit beim HSV 2013 als  „Drittliga-Manager“. Angeblich soll Kühne dem Verein sogar zusätzliche Finanzmittel für eine Verpflichtung des Stürmers Pierre-Michel Lasogga in Aussicht gestellt haben haben, wenn Kreuzer gegangen werde.

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Außerdem ist da die Geschichte um Bakery Jatta, Hamburgs Flügelstürmer. Beim Gastspiel im Spätsommer 2019 wurde Jatta von den KSC-Fans ausgepfiffen. Die Sportbild hatte zuvor über angebliche Zweifel an Jattas Identität berichtet. Den badischen Anhängern wurde nach der Partie Rassismus vorgeworfen. Die Supporters, der KSC-Fan-Dachverband, wehrten sich: Die Karlsruher Fanszene setze sich sich sehr stark für Menschlichkeit und Miteinander und gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus ein, hieß es in einer Stellungnahme. Wenig später wurden die Ermittlungen gegen Jatta durch das Hamburger Bezirksamt eingestellt. 

Erlaubte Pyrotechnik: HSV-Fans dürfen Rauchtöpfe zünden

Zu Wochenbeginn gestattete der DFB den HSV-Fans noch erstmalig den legalen Gebrauch von Pyrotechnik. Die Hamburger dürfen ab 12:56 Uhr, also vier Minuten vor Anpfiff, insgesamt zehn Rauchtöpfe vor der Nordtribüne zünden. Bei der Durchführung ist auch ein professioneller Feuerwerker im Einsatz. Der DFB erklärte mehrfach, dass der Veranstalter die Verantwortung übernehme und, dass bei potentiellen Nachahmern immer der Einzelfall überprüft werden müsse. Ob durch die Aktion in Hamburg der Verband sein strenges Vorgehen gegen Pyrotechnik lockern wird, ist schwer vorherzusagen. Die Zahl der nachahmenden Vereine, die einen Antrag für eine Pyroshow stellen, könnte aber steigen.

Das ist die Situation beim KSC

Trotz all dieser Begleitgeschichten hat die Partie für beide Teams eine sehr große Bedeutung – vielleicht sogar noch mehr für den KSC. Die Badener stehen vor der Liga-Spielpremiere ihres Trainers Christian Eichner, der am Montag das Amt von Alois Schwartz übernommen hatte. Nach der unrühmlichen Pokal-Pleite im Elfmeterschießen beim 1. FC Saarbrücken schrillen die Alarmglocken beim Tabellen-17. munter weiter. Schnappen sich die Badener zumindest ein Pünktchen an der Elbe, wäre damit dem angeknacksten Selbstbewusstsein mit Sicherheit geholfen.

Das ist die Situation beim HSV

Bei den Hamburgern ist die Welt aktuell in Ordnung: perfekter Start mit zwei Siegen aus zwei Spielen ins Jahr 2020. Der VfB Stuttgart liegt im engen Aufstiegsrennen bereits zwei Punkte hinter den Hanseaten auf Rang drei. Dazu knipste der ausgeliehene finnische Leih-Stürmer Joel Pohjanpalo bereits in seinem zweiten Einsatz.

Daher versprüht Trainer Dieter Hecking mitunter gute Laune, tritt aber auch angesichts der gewohnt extrem hohen Ansprüche in Hamburg rechtzeitig auf die Bremse. „Wir wollen gar nicht so viele Ansagen an die Konkurrenz machen, wir wollen unsere Spiele gewinnen. Es muss unsere Aufgabe sein, das immer wieder rauszukitzeln, dann kann es was werden“, sagte er dem Kicker nach dem 3:1-Sieg in Bochum. Eine Aussage, die im hanseatischen Kontext sehr wichtig und beschwichtigend ist.

Das ist anders im Vergleich zur Vorsaison beim HSV

Bereits in der Saison 2018/2019 scheiterte der HSV im Saison-Endspurt kläglich und musste sich auf ein weiteres Jahr in der Zweitklassigkeit einstellen. Mit dem erfahrenen Hecking haben die Hamburger dafür den richtigen Mann gefunden zu haben. Wenn auch noch nicht alles „rund“ läuft beim HSV. Gerade zum Ende der Vorrunde hin blieben die Hamburger in fünf Spielen ohne Sieg. Pleiten in Osnabrück und daheim gegen Heidenheim sorgten für bundesweiten Spott. Die Bild-Zeitung nahm bereits das Wort „Krise“ in den Mund. Davon ist 2020 bisher nichts mehr zu sehen.

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Außerdem ist die Mannschaft durch Sportvorstand Jonas Boldt für die zweite Liga gezielt zusammengesetzt worden. Bis auf Aaron Hunt und Martin Harnik setzt der HSV zu großen Teilen auf junge Spieler, wie Mittelfeld-Motor Adrian Fein, und Profis mit Erfahrung, wie Stürmer Lukas Hinterseer (sieben Tore). Ex-Bundesligastars wie Lewis Holtby und Gotoku Sakai wurden abgegeben oder wie Kyriakos Papadopoulos ausgemustert. Letzterer gilt bei den Hamburgern mit 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt noch immer als Großverdiener. Die HSV-Bosse hätten den Griechen gerne vor der Gehaltsliste gestrichen. Ein Wechsel nach China oder Russland zerschlug sich aber im Januar.

Auf diese Spieler müssen die Karlsruher achten

Statt Papadopoulos kämpfen 2019/2020 zwei Niederländer im Abwehrzentrum: Mit Rick van Drongelen und Timo Letschert stellen die Hamburger aktuell ein holländisches Duo auf. Der Hamburger Boulevard spricht bereits vom Oranje-Bollwerk. Van Drongelen war bereits 2018 Stammspieler beim HSV und führte nun in Abwesenheit von Aaron Hunt die Hamburger als Kapitän aufs Feld. Der 21-Jährige wirkt unter Hecking deutlich gefestigter – wenn er sich auch beim zwischenzeitlichen 0:1-Gegentreffer in Bochum von Simon Zoller abkochen ließ. Letschert giert vor der Partie gegen den KSC indes nach dem ersten Zu-Null-Spiel der Rückrunde: „Wäre schön, wenn das mal klappt.“

Neben den beiden Innenverteidigern überzeugt mit dem bereits angesprochenen Adrian Fein ein Bayer im Mittelfeld der Hanseaten. Der 20-Jährige wurde vom FC Bayern vor der Saison ausgeliehen und lenkt seitdem das Spiel der Hamburger. Fein hat seinen Marktwert binnen einer Halbserie von 750.000 auf 4,5 Millionen Euro gesteigert. Der FCB verlängerte unlängst seinen Vertrag bis 2023.

Top-Vorbereiter und ein Hesse in Hochform

Aufpassen müssen die Karlsruher außerdem auf Linksverteidiger Tim Leibold, der in Hamburg angekommen ist und in Bochum sogar sehenswert per Direktabnahme traf. Leibolds erster Treffer. Dazu kommen elf Vorlagen – Liga-Bestwert.

In Bestform ist derzeit auch Sonny Kittel. Der frühere Frankfurter galt schon immer als hoch veranlagter Techniker, der jedoch durch zahlreiche Verletzungen außer Gefecht gesetzt wurde. Beim HSV dreht der 27-Jährige nun auf und kommt auf satte elf Tore, traf in den beiden vergangenen Spielen.  In Heckings 4-3-3-System funktioniert der gebürtige Hesse perfekt.

Diese Hamburger haben eine Karlsruher Vergangenheit

Neben dem bereits angesprochenen Kreuzer arbeiten in den Reihen der Hamburger zwei Mitarbeiter mit badischem Hintergrund. Neben Sportdirektor Michael Mutzel trainiert Kai Rabe seit Sommer 2019 die Torhüter des HSV. 

Hinzu kommt mit David Kinsombi ein Profi. Der Mittelfeldspieler verließ den KSC 2017 nach dem Abstieg in die 3. Liga und wechselte nach Kiel. Zum Saisonbeginn wechselte er von der Ost- an die Nordsee. Der 24-Jährige zählte nach einer langen Verletzungsunterbrechung zu Saisonbeginn zur Stammformation von Hecking. Beim 4:2-Sieg in Karlsruhe spielte Kinsombi noch 90 Minuten durch. Im Saisonverlauf verlor er jedoch seinen Platz in der Startelf. In der Rückrunde kam er bisher nur vier Minuten zum Einsatz. Hecking ist dennoch zufrieden mit seinem Mittelfeld-Kämpfer und dessen Leistung im Training: „David hat sich sehr viel vorgenommen und wirkt frischer in seinen Aktionen.“ Ein Einsatz gegen den KSC ist möglich.