18.12.2015, xsvx, Fussball 3.Liga, SV Wehen Wiesbaden - RW Erfurt, emspor, v.l. Torjubel nach dem Tor zum celebrating the Goal celebrate 2:0 Marc Lorenz (SV Wehen Wiesbaden) 18 12 2015 xsvx Football 3 League SV blow Wiesbaden RW Erfurt emspor v l goal celebration After the goal to celebrating The Goal Celebrate 2 0 Marc Lorenz SV blow Wiesbaden
Marc Lorenz überzeugte in zwei Jahren beim SV Wehen mit 31 Torvorlagen. | Foto: imago images / Jan Huebner

2. Bundesliga

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste zum SV Wehen Wiesbaden

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Der Baum brennt! Passender kann ein Spruch die Situation in Karlsruhe und Wiesbaden nicht beschreiben. Zum Auftakt der Rückrunde empfängt der KSC am Freitagabend (18.30 Uhr) den SV Wehen Wiesbaden. Die Hessen sind auf Platz 17. Der KSC, derzeit 13., muss nach der 1:5-Ohrfeige gegen Fürth verstärkt nach unten schauen. Können die Badener – wie im Hinspiel – siegen? Das sind die Stärken und Schwächen des SV Wehen Wiesbaden.

Ein Österreicher machte den Karlsruher SC Anfang Oktober zum „billigsten“ Team der 2. Bundesliga. Konkreter: Der SV Wehen Wiesbaden sicherte sich Mitte der Saison Heinz Lindner. Der ist Nationaltorwart der Alpenrepublik, spätesten mit seiner Verpflichtung war klar: der KSC ist das preiswerteste Team der Liga. Lindner kam im Oktober ablösefrei zum SV Wehen.  Der Keeper hatte mal den stattlichen Wert von 3,5 Mio – aktuell sind es immerhin noch 900.000 Euro. Die Hessen (11,7 Millionen Euro) haben die Badener
(zehn Millionen Euro) zumindest in der Auflistung bei transfermarkt.de abgehängt.

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Das Spiel des Karlsruher SC gegen den SV Wehen Wiesbaden ab Freitag, 18.30 Uhr, live im BNN-Ticker.

Das ist die Situation beim SV Wehen Wiesbaden

Marktwerte sind im Fußball allerdings nicht immer ein Indiz für Erfolg. Die Badener starteten gut in die Saison, blieben wochenlang ungeschlagen. Dann rutschte die Mannschaft im Verlauf der Saison immer weiter nach unten und sind derzeit 13. der Liga. Das Polster auf Relegationsrang 16 ist auf nur noch vier Zähler geschmolzen. In Wiesbaden ist die Gefühslage aber nochmal eine andere. Das Team von Trainer Rüdiger Rehm hat einen katastrophalen Start in die Saison hingelegt. Alltags-Tristesse statt Aufstiegseuphorie! Wiesbaden ist 17. und hat 14 Punkte.

Nun müssen die Hessen Punkte sammeln, bevor es zu spät ist.Gegen die direkte Konkurrenz leisteten sich die Wiesbadener oft Aussetzer (0:1-Niederlage bei Dynamo Dresden und 1:3-Pleite auf St. Pauli).

Ein Sieg gegen den KSC ist zwar noch nicht überlebensnotwendig, trägt aber auf jeden Fall zur Genesung bei. Wichtiger noch: Ein positives Gefühl zum Jahresausklang könnte in der Vorbereitung Berge versetzen. Gleiches gilt für die Badener.

Denn auch rund um das Karlsruher Wildparkstadion beginnen allmählich die Alarmglocken zu läuten. Nach der 1:5-Klatsche gegen Greuther Fürth sprach Innenverteidiger Daniel Gordon von einem Weckruf. Die Partie bekommt fünf Tage vor Weihnachten somit zusätzliche Brisanz. Mit einem Sieg gegen Wiesbaden halten sich die Badener das Abstiegsgespenst zumindest für die Winterpause etwas vom Leib. Umgekehrt könnten die Hessen den KSC in den Tabellenkeller hinein ziehen.

Das sind die Schwächen der Wiesbadener

Gut, dass Wiesbaden mit Manuel Schäffler (12 Tore) den zweitbesten Knipser der Liga in seinen Reihen hat. Schlecht, dass dieser wegen seiner fünften Gelben Karte im Wildparkstadion pausieren muss. Noch schlechter: Die Hessen haben nach 17 Spielen insgesamt nur 20 Buden gemacht. Schäffler ist quasi die Lebensversicherung des SV Wehen. „Das sollte uns weniger interessieren. Klar hat er Qualität, aber der, der nachrückt will sich auch beweisen“, warnt KSC-Verteidiger Daniel Gordon.

In Karlsruhe müssen nun andere glänzen. Wie beispielsweise Daniel-Kofi Kyereh. Der 23-Jährige hat bisher erst drei Treffer erzielt. In der Aufstiegssaison knipste der wendige Stürmer aber 15 Mal. Und gegen den KSC besonders gerne: Im Oktober 2018 gewann Wiesbaden in Karlsruhe mit 5:2 – Kyereh traf drei Mal.

Zunächst müssen die Wiesbadener spielerisch zulegen. Zwar sorgen die Hessen für durchaus muntere Partien – wohl aber eher aus Sicht der Gegner. Gerade zu Beginn der Saison geriet der SVW regelmäßig unter die Räder: 0:3 daheim gegen Hannover,  0:5 zu Hause gegen Regensburg, 2:5 gegen Bielefeld. 35 Treffer hat Wiesbaden bereits kassiert – wie auch der KSC.

Zum Problem könnte auch der Wegfall des zweiten offensiven Stars der Wiesbadener werden. Der Ex-Bundesliga-Profi Stefan Aigner hat muskuläre Probleme. Für ihn könnte der ehemalige FCK-Spieler Nicklas Shipnoski auflaufen.

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Das sind die Stärken der Wiesbadener

Bis Ende September mussten die Fans auf den ersten Sieg warten. Dem 2:0-Erfolg gegen Osnabrück folgten vier ungeschlagene Partien – und deutlich reifere Auftritte. Wiesbaden agierte defensiv geordneter, hielt teilweise sogar die Null, spielte auf Zweitliga-Niveau. Kleinere Aussetzer wie den 3:6-Hammer gegen Holstein Kiel gehören aber noch immer zum Repertoire.

Trotzdem scheint die Rehm-Elf begriffen zu haben, dass es ohne absoluten Kampfeswillen, in der zweiten Liga nur zum Kurzaufenthalt reichen wird. Sportdirektor Christian Hock kritisierte nach dem Kiel-Debakel öffentlich die Mannschaft: „Uns fehlt die Balance zwischen der Offensive und der Defensive. Da müssen wir einfach konstanter werden.“ Dennoch steht Trainer Rüdiger Rehm bisher nicht auf der Abschussliste. So viel „Ruhe“ bei der Arbeit hat wahrlich nicht jeder Zweitliga-Coach. Ein Vorteil im Abstiegskampf?

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Diese Karlsruher haben eine Wiesbadener Vergangenheit

Zwei Spieler, deren Rollen beim KSC nicht unterschiedlicher sein könnten, haben sich nur um ein Jahr in Wiesbaden verpasst. Marc Lorenz lief zwischen 2015 und 2017 78 Mal für den KSC auf. Lorenz war damals mit 31 Assists der Top-Vorlagengeber beim SV Wehen.

Martin Röser, 2013 bis 2014 in der hessischen Landeshauptstadt aktiv, kam in 25 Partien immerhin auf vier Tore und bereitete drei Treffer vor. Lorenz ist aktuell beim KSC ein gesetzter Stammspieler, Röser kommt unter KSC-Coach Alois Schwartz sporadisch bis gar nicht zum Einsatz.

Umgekehrt spielt aktuell kein ehemaliger KSC-Profi bei den Wiesbadenern.

Und das ist auch noch wichtig

Beste Freunde werden Rehm und Schwartz wohl nicht mehr. Beim Duell im März 2019 ging es nicht nur auf dem Platz heiß her. Auch die beiden Trainer lieferten sich im engen Rennen um den Aufstieg einen Schlagabtausch. Rehm soll seinen Kollegen mit „Schwartz, setz‘ dich hin und halt die Fresse“, beleidigt haben.  Der KSC-Coach selbst spielte den Vorfall einige Monate danach im BNN-Interview runter. Er habe kein Problem damit, Rehm die Hand zu geben. Dieser sei eben ein „emotionaler Typ“.