Karlsruher Vergangenheit: Tim Walter war zwischen 2013 und 2015 Trainer zweier Nachwuchsteams des KSC. | Foto: GES

Baden-Württemberg-Derby

KSC-Gegner-Check: Das Wichtigste zum Erzrivalen VfB Stuttgart

Anzeige

80 Kilometer lang ist die Strecke über die Autobahn 8 von Karlsruhe nach Stuttgart. 80 Kilometer, in denen sich die Fußballwelt grundlegend verändert. Auf der badischen Seite der Karlsruher SC. Und im Schwäbischen der ärgste Rivale – der VfB Stuttgart. Finanziell liegen zwar Welten zwischen dem Drittliga-Aufsteiger und dem Absteiger aus Liga eins. Dennoch wankt der VfB aktuell, ist „nur“ noch Dritter. Das Wichtigste zum kommenden KSC-Gegner.

Rückblick: 2. September 2007, Tamas Hajnal sorgt mit seinem entscheidenden Treffer für kollektive Glückseligkeit im Badnerland. Zwölf Jahre ist das her. Seitdem holte der KSC keinen Sieg mehr gegen die Schwaben aus der Landeshauptstadt. Die Bilanz ist aus Sicht der Badener ernüchternd. Noch deutlicher: Der letzte Sieg in Stuttgart gelang den Karlsruhern 1965.

Mehr zum Thema:
Das Spiel gibt es natürlich auch am Sonntag im Live-Ticker.

Auch die jüngeren Partien gegen die finanzstarken Schwaben gingen aus KSC-Sicht in die Hose. Beim letzten Zweitligaduell im April 2017 verlor der KSC mit 0:2 in der Mercedes-Benz-Arena. Takuma Asano traf doppelt. Dass die Partie wegen Feuerwerkskörpern aus dem Gästeblock unterbrochen wurde, ist ebenfalls bekannt.

Das ist die Situation beim VfB Stuttgart

Im November 2019 haben sich die Vorzeichen zwar nicht grundlegend geändert. Noch immer ist der VfB Favorit und hat für die 2. Bundesliga einen erstklassigen Kader. Dennoch stottert unter Trainer Tim Walter, einem gebürtigen Bruchsaler, der Motor. Seit dem neunten Spieltag hagelte es in sechs Spielen vier Niederlagen.

Mehr zum Thema: VfB-Fans haben den „Nackten Mann“ vor dem Karlsruher Wildparkstadion beschmiert.

Nur die Revanche im DFB-Pokal für das 2:6-Debakel beim HSV und das Spiel gegen die kriselnden Dresdner wurden gewonnen. Dem gegenüber stehen Heimniederlagen gegen Wiesbaden (!) und Kiel – sowie eine Pleite beim Auswärtsspiel gegen Osnabrück. Die Folge: Stuttgart ist nur noch Dritter. Arminia Bielefeld und Hamburg sind bereits fünf beziehungsweise drei Punkte entteilt. Nach dem Osnabrück-Spiel haben die VfB-Fans bereits verbal Dampf abgelassen.

Sollte der VfB gegen den KSC verlieren, könnte die Luft im Stuttgarter Kessel zunehmend dünner werden. Auch der Arbeitsplatz von VfB-Trainer Tim Walter ist dann nicht mehr zu 100 Prozent gesichert.

Stuttgart ist finanziell eine andere Liga

Der von Autobauer Mercedes-Benz unterstützte Verein hat vor der aktuellen Spielzeit stolze 20 Millionen auf dem Transfermarkt ausgegeben. Natürlich stehen dem auch knapp 66 Millionen an Einnahmen gegenüber – unter anderem durch die Verkäufe des Innenverteidiger-Trios Benjamin Pavard (FC Bayern München), Ozan Kabak (FC Schalke 04) und Timo Baumgartl (PSV Eindhoven). Im Geschäftsjahr 2018 gelang den Stuttgartern mit 155 Millionen Euro ein Umsatzrekord. Die Ausgaben lagen mit 166 Millionen aber auch auf höchstem Niveau. Dennoch erklärte Finanzchef Stefan Heim im Juli, dass der Verein „alle finanziellen und personellen Voraussetzungen geschaffen habe, um sportlich wieder erfolgreich sein zu können.“

Die Mercedes-Benz Bank unterstützt den VfB pro Spielzeit mit sechs Millionen Euro – und ist damit der spendabelste Hauptsponsor der 2. Bundesliga. Zum Vergleich: Der Hamburger SV erhält von der Fluglinie „Emirates“ nur 1,8 Millionen Euro. Und der KSC? Sponsor Klaiber Markisen bezahlt pro Saison 525.000 Euro. Das hat die Sportdatenbank „Sponsors Data“ Mitte diesen Jahres bekannt gegeben. In Sachen Kohle gibt es übrigens eine badisch-schwäbische Gemeinsamkeit: Wie auch der Karlsruher SC hat der VfB seine Profiabteilung vom eigentlichen Verein ausgegliedert.

Das sind die Stärken des VfB Stuttgart

Die individuelle Qualität der Schwaben ist ein Fakt und darf vom KSC nicht unterschätzt werden. Angreifer Hamadi Al Ghaddioui steht bei vier Treffern, genauso sein Sturmkollege Nicolas Gonzalez. Dennoch wir den VfB-Angreifern oft fehlende Effektivität vorgeworfen. Wenn nichts mehr helfen sollte, Mario Gomez steht auch noch im Kader. Der Ex-Nationalstürmer ist der einzige Spieler beim VfB mit Derby-Erfahrung. Auch ein Startelf-Einsatz ist möglich. Legendär sein Duell mit KSC-Ikone Maik Franz – inklusive Beleidigung. Gegen Karlsruhe wird Gomez mit Sicherheit bis in die gegelten Haarspitzen motiviert sein.

Mehr zum Thema: KSC-Trainer Alois Schwartz glaubt daran, dass sein Team eine Chance hat.

Viel Qualität steckt auch im defensiven Mittelfeld der Schwaben: Santiago Ascacibar und Orel Mangala stehen auf den Zetteln europäischer Clubs. Stuttgart tritt dominant im Spielaufbau auf. Walter lässt, wie schon bei seinem Ex-Verein Holstein Kiel, mutig spielen und ist großer Fan von Passspiel und Pressing. Laut Statistiken sind die Schwaben mit 88 Prozent Passquote das beste Team der Liga.

Das sind die Schwächen des VfB Stuttgart

Eine der größten Schwächen des VfB? Die Neuzugänge haben noch nicht eingeschlagen. Besonders in der Offensive investierten die Stuttgarter viel. Stürmer Silas Wamangituka kostete stolze acht Millionen – und hat gerade Mal zwei Treffer erzielt.  Philipp Förster, offensiver Mittelfeldspieler, wurde vom SV Sandhausen verpflichtet und hat noch nicht den Einfluss auf das VfB-Spiel genommen, den sich die Verantwortlichem um Sportchef Sven Mislintat gewünscht hatten. Dennoch ist der gebürtige Brettener zumindest gesetzt.

Anders sieht es bei Philipp Klement aus. Der Ludwigshafener ballerte den SC Paderborn vergangene Saison mit 16 Buden in Liga eins. Beim VfB nimmt er bisher nur eine Statistenrolle ein, hat noch kein Tor erzielt. Klar, dass so das Vakuum durch den Ausfall von Daniel Didavi noch nicht gefüllt werden kann.

Noch größer sind die Defizite in der Verteidigung: Klar, 18 Gegentreffer nach 13 Spieltagen sind kein explizit dramatischer Wert – aber auch keiner, der eines Aufstiegsaspiranten würdig ist. Der SV Sandhausen, oder auch Osnabrück haben mit 14 und zwölf Gegentoren eine deutlich bessere Quote. Die bereits angesprochenen Abgänge dreier Innenverteidiger dürfen nicht alleine als Grundlage herhalten.

Auch interessant: Alois Schwartz ärgert sich über VfB-Trainer Tim Walter.

Auch über Außen wirkt der VfB anfällig. Zuletzt half hinten links Gonzalo Castro aus. Zuvor hatten die etatmäßigen Außenverteidiger Borna Sosa und Emiliano Insua nicht immer einen soliden Eindruck hinterlassen. Als Rechtsverteidiger ist Pascal Stenzel gesetzt. Klar ist: Individuelle Fehler und fehlende „Schärfe“ (Mislintat) – Stuttgarts gesamter Defensivverbund ist immer wieder anfällig. Durch schnelles Umschalten und mit Flanken auf KSC-Sturmtank Philipp Hofmann haben die Badener Chancen auf Zählbares.

Badisch-Schwäbische Vergangenheit auf beiden Seiten

Viele Ex-Spieler und Trainer des KSC haben nach ihrer Zeit im Wildpark auch das Glück beim Erzrivalen gesucht. Stefano Celozzi, Tamas Hajnal oder auch Trainerlegende Winfried Schäfer. Im aktuellen Stuttgarter Kader steht aber kein einziger Ex-Karlsruher. Dafür hat Coach Walter einige Jahre beim KSC verbracht. Der Bruchsaler war zwischen 2013 und 2015 Trainer der U17- und U19-Mannschaften.

Im Vorfeld erklärter er martialisch: „Es ist unser Job, dass wir mit allem, was wir zur Verfügung haben, unser Tor verteidigen – auch mit dem Leben.“ Außerdem wolle er, dass sein VfB das Derby zu Null gewinne. Aussagen, die auch KSC-Trainer Alois Schwartz nicht kalt ließen: „Er hat uns kein Tor zugetraut. Ich gehe anders mit um und habe Respekt vor jedem Gegner.“ 

Im Karlsruher Kader haben übrigens vier Spieler eine VfB-Vergangenheit: Torwart Benjamin Uphoff,  Marvin Wanitzek, Alexander Groiß und auch KSC-Kapitän David Pisot trugen das Trikot mit dem Brustring. Einzig Pisot kam dabei aber auf Profiminuten, spielte im Jahr 2007 einmal 90 Minuten bei der 1:4-Pleite beim HSV. Groiß verbrachte aber nahezu seine gesamte, fußballerische Ausbildung in der Stadt am Neckar.

Auch der Bruchsaler Wanitzek, seit Kindestagen KSC-Fan, war Leistungsträger in der zweiten Mannschaft der Schwaben. 2017 wechselte er gemeinsam mit Uphoff in den Wildpark. Der Keeper war lange Torwart der Reserve und stand unter anderem beim vergangenen Derby als Ersatztorwart im Kader. Für den 26-Jährigen wäre ein weiteres Unentschieden übrigens zu wenig: „Man geht in jedes Spiel, um zu gewinnen.“