Der Ex-Karlsruher Florent Muslija rückt bei Hannover 96 immer mehr in die Rolle des Spielmachers. | Foto: dpa

DFB-Pokal

KSC im DFB-Pokal: das Wichtigste zum Gegner Hannover 96

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Hannover in der ersten Runde des DFB-Pokals. Da war doch was? Richtig, im vergangenen Jahr düpierten die 96er den damals noch drittklassigen Karlsruher SC im heimischen Wildparkstadion. Der Bundesligist reiste mit einem 6:0-Kantersieg zurück. 2019 ist vieles anders: Hannover ist Zweitligist, Karlsruhe auch. Gleiche Voraussetzungen, oder?

Ja, die Losfee war nicht gerade einfallsreich, als sie dem KSC das Team aus Hannover in den Wildpark schickte.  So kommt es auch zu einem Wiedersehen für drei Hannoveraner.

Anpfiff ist um 18.30 Uhr. Das Spiel gibt es natürlich live auf bnn.de im Ticker: Hier geht’s lang.

Das ist die sportliche Situation

Beide Pokalspiele seien nicht vergleichbar, sagt Hannovers Coach Mirko Slomka. „Ich glaube, dass jetzt kaum eine Profimannschaft 6:0 gegen den KSC gewinnen würde.“ Bei Hannover ist der Wurm drin. Einer 1:2-Niederlage beim Mitabsteiger aus Stuttgart folgte ein tristes 1:1-Unentschieden gegen Jahn Regensburg.

Karlsruhe ist hingegen mit zwei Siegen perfekt in die neue Saison gestartet. 2:1 beim SV Wehen Wiesbaden, 4:2 gegen Dynamo Dresden. Bei den Badenern läuft’s.

So sieht die Mannschaft von Hannover 96 aus

Bei Bundesliga-Absteiger Hannover zeichnet sich ein völlig anderes Bild – das geht schon bei den Trainern los: André Breitenreiter ist arbeitslos. Thomas Doll sitzt auf Zypern. Nun schwingt Mirko Slomka das Zepter – der dritte Coach innerhalb eines Jahres. Slomkas Kurz-Engagement beim KSC im Frühjahr 2017 haftet jedem KSC-Fan noch allzu gut im Gedächtnis.

Slomka ist weit von einer Grundordnung entfernt. Gegen die Schwaben startete Hannover mit einer Viererkette, gegen Regensburg mit drei Mann in der Defensive.

Die Führungsspieler Waldemar Anton und Marvin Bakalorz müssen sich steigern. Angreifer Marvin Ducksch ist noch nicht der Hoffnungsträger in der Offensive. Hannover fehlt nach vorne noch die Kreativität. Selbst Ex-Nationalkeeper Ron-Robert Zieler ist von der Optimalform weit entfernt. Dennoch: Die individuelle Klasse ist hoch. Das weiß auch KSC-Kapitän Pisot: „Hannover hat Qualität. Wir wissen, was auf uns zukommt.“

Das hat sich beim KSC verändert

Die Startelf des KSC hat sich im Vergleich zur Vorjahrespleite kaum verändert. Um Marvin Pourié, Marvin Wanitzek und Benjamin Uphoff und der gesamten Viererkette stehen wohl auch am Montag noch sieben Akteure auf dem Platz. Auch die Neuzugänge überzeugen bislang: Lukas Fröde entlastet defensiv Spielmacher Wanitzek. Stürmer Philipp Hofmann trifft – gegen Dresden sogar zweieinhalb Mal. 

Übrigens: Beim 0:6 standen zwei in der Startelf, die seit dem kaum eine Rolle mehr spielen: Saliou Sané und Kyoung-Rok Choi.

Auf diese Stürmer müssen die KSC-Verteidiger aufpassen

Mit Hendrik Weydandt rauscht ein 1,95 Meter Koloss auf die Karlsruher zu: Die Dornröschen-Geschichte des Ex-Kreisligastürmers begann vor einem Jahr im Wildpark. Beim 6:0 wuchtete Weydandt zwei Bälle in der Schlussphase ins KSC-Tor. Weydandt ist gesetzt. Ab und an etwas „holprig“, überzeugt der 24-Jährige mit Physis und Stärken im Abschluss.

Auf Pisot und Gordon kommt viel Arbeit zu. Denn mit Ducksch kratzt noch ein Stürmer an der 1,90-Meter-Marke. Der dritte Riese im Bunde, der Brasilianer Jonathas, fällt aus.

Wiedersehen in Karlsruhe

Aus Karlsruhe nach Hannover: Florent Muslija verließ seinen Ausbildungsverein im Sommer 2018 nach der 0:6-Pleite für 1,4 Millionen Euro. Der offensive Mittelfeldspieler überzeugte bereits in der Bundesliga. Slomka sagt: „Wenn er im Spiel ist, tut er unheimlich gut.“ Gegen Regensburg wanderte er vom Flügel in die Zentrale. Gut möglich, dass der 21-Jährige Hannovers neuer Spielmacher wird. Der Ex-Karlsruher spricht von einem „besonderen Spiel“. Freunde und Familie hätten sich angekündigt.

Und was passiert im Umfeld von Hannover?

Martin Kind. Mehr muss kaum gesagt werden. Der Hörgeräte-Millionär ist für viele traditionsbewusste Fans der „Bösewicht“ – nicht nur in Hannover. Der Geschäftsführer der Profis will seit Ewigkeiten die „50+1“-Regel kippen. Jahrelang wollte er mehr als 50 Prozent der Stimmanteile „seines“ Vereins erwerben. Im Juli gab er auf. Der Antrag wurde zurückgezogen.

Druck erhält der 75-Jährige auch aus den eigenen Reihen. Seit März besteht der Aufsichtsrat – darunter Ex-Kapitän Carsten Linke – quasi ausschließlich aus Kind-Gegnern. Den aktiven Fans ist Kind schon lange ein Dorn im Auge. Kurios: Bei der Wahl im Frühjahr feierten die anwesenden Mitglieder die Wahl der Opposition mit Sprechchören und Jubel. Der langjährige Macher steht vor einer ungewissen Zukunft.

Was sonst noch wichtig ist:

Im Spiel gegen Regensburg saß bei Hannover ein gewisser Niklas Tarnat erstmals auf der Bank. Der 21-Jährige ist kein geringerer als der Sohn des Ex-Karlsruhers und -Münchners Michael Tarnat. Der berühmte Vater ist mittlerweile Leiter der Nachwuchsabteilung bei den 96ern. Vielleicht betritt am Montagabend erstmals seit vielen Jahren wieder ein Tarnat den Rasen im Wildparkstadion.

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