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Auch Fans dürfen zeichnen

KSC möchte mit Aktienverkauf aus den Miesen

Der Karlsruher SC wird im ersten Quartal 2020 Aktien verkaufen. Rund 15 Millionen erhofft sich der Fußball-Zweitligist als frisches Kapital in einem ersten Schritt von dieser Premiere. KSC-Geschäftsführer Michael Becker wirbt mit dem Alleinstellungsmerkmal der Karlsruher als erster Verein ohne Börsennotierung, der Papier auch an seine Fans abgibt. Mit dem Geld aus Aktienverkäufen möchte sich der Club aus seiner Vertragsbindung an den Rechtehändler Michael Kölmel verabschieden. Außerdem sollen Darlehens- und Kreditgeber zufriedengestellt werden.

KSC-Geschaeftsfuehrer Michael Becker. Foto: GES

Der Karlsruher SC wird im ersten Quartal 2020 Aktien verkaufen. Rund 15 Millionen erhofft sich der Fußball-Zweitligist als frisches Kapital in einem ersten Schritt von dieser Premiere. KSC-Geschäftsführer Michael Becker wirbt mit dem Alleinstellungsmerkmal der Karlsruher als erster Verein ohne Börsennotierung, der Papiere auch an seine Fans abgibt. Mit dem Geld aus Aktienverkäufen möchte sich der Club aus seiner Vertragsbindung an den Rechtehändler Michael Kölmel verabschieden. Außerdem sollen Darlehens- und Kreditgeber zufriedengestellt werden.

Der Nackte Mann, dieser

stadtbekannte, steinkalte Hungernager, ist also dann mal weg vom Adenauerring. Vorübergehend verschwunden aus einer Landschaft, in der auch sonst kein Stein auf dem anderen blieb. Am Montag wird das Baufeld in der Ostkurve des Karlsruher Wildparkstadions dem Totalunternehmer übergeben. Mit dem städtischen Projekt, das so entscheidend vorankommt, verknüpft der KSC seine Überlebensfähigkeit im Profifußball. Das zeigt an einer Stelle auch die dieser Tage durch die Gremien gegangene Präsentation von Michael Becker. Die skizziert die fürs erste Quartal 2020 vorgesehenen Aktienausgabe des Vereins in allen Facetten. Der KSC-Geschäftsführer bezeichnet deren „direkte Auswirkungen“ und die wohl 2022 fertige Spielstätte in einem der Schaubilder als „Sondereffekte“, also  als wichtige Faktoren bei der Bestimmung des Unternehmenswertes.

Spätestens Anfang März 2020 startet der Verkauf

Und wenn die dafür traditionell als symbolhaft betrachtete Skulptur gerade nicht mehr an sie erinnert, so ist die Ausgangslage altbekannt: „Der KSC ist finanziell in keiner rosigen Lage. Wir haben durch die Ausgliederung des Profispielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft zwar den tollen bilanziellen Effekt eines positiven Eigenkapitals, aber in der Kasse ist dadurch kein Cent mehr“, redet Becker nichts rosiger als es ist. Der Verkauf von Aktien, nun beschlossen und damit der nächste Meilenstein des Vereins in seinem Ringen um mehr Zukunftssicherheit, ist „ein großes Thema“.

Konkret: Der KSC wird spätestens Anfang März 2020 Papiere emittieren. Premiere. Wie teuer eine Aktie sein wird, hängt von der noch nicht vorliegenden Bewertung durch die Unternehmensberatung Deloitte ab. „Optimal“ wäre es, sagt Becker, es ließen sich nach dem Verkaufsstart binnen acht Wochen 15 Millionen Euro aus Verkäufen an Fans und Mitglieder sowie an „institutionelle Anleger“ erlösen. Den Blau-Weißen würde schon während des im Mai anstehenden Lizenzierungsverfahren zur Saison 2020/2021 einiges erleichtert.

Grafik2 Foto: None

Quelle: KSC

Kölmel-Vertrag und Verbindlichkeiten sollen abgelöst werden

Stichwort „direkte Auswirkungen“. Sie lägen darin, dass die KSC GmbH & Co KGaA mit dem frischen Geld die aus dem e.V. übernommenen Verpflichtungen ablösen könnte. Zum 30. Juni 2020, so ist es als Ergebnis eines vor zehn Jahren geschlossenen Vergleichs vereinbart, könnte das Bundesliga-Gründungsmitglied per Schlusszahlung in Höhe von 8,5 Millionen Euro den im Jahr 2000 kurz vor der Insolvenz geschlossenen Vertrag mit den MK Medien des Rechtehändlers Michael Kölmel beenden.

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Jener speist den Ertrag des KSC aus der TV-Vermarktung bislang Jahr für Jahr um zehn Prozent ab. 20 Prozent sind es gar ab der zweiten Runde im DFB-Pokal, was bedeutet: Schlägt der KSC am 5. Februar 2020 im Achtelfinale den viertklassigen 1. FC Saarbrücken, gehen 240 000 Euro der für den Viertelfinaleinzug vorgesehene TV-Einnahme von 1,2 Millionen Euro direkt an Kölmel weiter. Von der Bindung an den gebürtigen Karlsruher, der sich immer wieder auch entgegenkommend zeigte, will der Verein natürlich weg.

Becker von der "Investitionsstory" überzeugt

Sollte der KSC seine Premiere als Aktienverkäufer wie von ihm erhofft „optimal“ ausschöpfen, hätte er mit dem Einsatz der übrigen 6,5 Millionen Euro die Chance, Verpflichtungen gegenüber seinen Kredit- und Darlehensgebern loszuwerden. Die Besserungsscheine in einem Gesamtvolumen von über zehn Millionen Euro allerdings, nur bilanziell irrelevant, blieben davon unberührt. Die Ersparnis durch wegfallende Zinsen und Kölmel-Zahlungen betrage für den Zweitligisten jährlich 1,5 Millionen Euro, rechnet Becker vor und glaubt an die Überzeugungskraft der „Investitionsstory“, die noch jeder Verein benötige, sobald er bei Aktionären landen will.

Folgt man Beckers Logikkette, geht die des KSC so: Fallen dessen Verbindlichkeiten weg, kann der KSC wieder ganz anders wirtschaften, den Etat erhöhen, Rücklagen bilden, seine Wettbewerbsfähigkeit steigern. Irgendwann vielleicht, dann in einer modernen Arena, auch mal wieder an die Bundesliga denken.

Grafik1 Foto: KSC

Alleinstellung im deutschen Profifußball

Derzeit befindet sich der KSC mit seinem auf etwa 9,2 Millionen Euro angestiegenen Lizenzspieleretat im letzten der von der Deutschen Fußballliga gebildeten Zweitliga-Cluster mit den geringsten Etats. Becker verortet darin noch den SV Wehen Wiesbaden, den VfL Osnabrück, den SV Sandhausen und Jahn Regensburg. Der Geschäftsführer mag aber viel lieber darüber reden, dass der KSC als angehender Aktienanbieter ein Alleinstellungsmerkmal im hiesigen Profifußball haben wird. „Wir werden der erste Verein ohne Börsennotierung sein, der Papiere an Kleinaktionäre abgibt“, kündigt er an.

Wir werden der erste Verein ohne Börsennotierung sein, der Papiere an Kleinaktionäre abgibt.
KSC-Geschäftsführer Michael Becker

Jeder Fan kann solche zeichnen, für maximal 25.000 Euro. Voraussetzung ist die Anlage eines Depots und ein Online-Zugang, da dieses Feld nur digital abgewickelt werden wird. Mit Erlösen von rund 2,5 Millionen Euro rechne man durch die breite Streuung, was dem Ergebnis der im Frühsommer aufgelegten Fananleihe gleichkäme.

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Etwa 13 Millionen Euro sollen über „institutionelle Anleger“ hereinkommen, die mindestens für 100.000 Euro Aktien zeichnen. Das geht nicht online, sondern nur in der KSC-Geschäftsstelle. So oder so ist der Kreis, den man anzusprechen hofft, für Becker klar konturiert: „Wir suchen keine Investoren irgendwo aus Deutschland oder dem Ausland, die keinen Bezug zum KSC haben. Wir suchen Unternehmen und Privatpersonen, die mit dem Verein verbunden sind, die dem KSC helfen wollen, ihn zu stabilisieren.“

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