Lukas Froede (KSC) wird mit Rot vom Platz geschickt. | Foto: GES

3:3 im Ruhrgebiet

KSC ringt Bochum in Unterzahl ein Unentschieden ab

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Mit dem Ausgleichstor in der Nachspielzeit hat KSC-Spieler Anton Fink seinem Verein beim Auswärtsspiel am Sonntag in Bochum wenigstens noch den einen Punkt gesichert. Und das, obwohl die Badener schon nach einer Viertelstunde nur noch zu zehnt auf dem Feld standen.

Von unserem Mitarbeiter Hans Falsehr

Vermutlich hatten nur unverbesserliche Optimisten noch an so ein Ende geglaubt – vor allem aber die Spieler des Karlsruher SC. Denn im Bochumer Ruhrstadion war schon die Nachspielzeit angebrochen und der gastgebende VfL führte 3:2. Die Gäste hatten schon über 75 Minuten in Unterzahl hinter sich, Mittelfeldspieler Lukas Fröde hatte nach 17 Minuten Gelb-Rot gesehen. „Wir wussten, dass Bochum noch kein Heimspiel gewonnen hatte“, begründete KSC-Innenverteidiger Daniel Gordon die Hoffnung auf noch wenigstens einen Teilerfolg. Zudem war bei den Badenern Anton Fink ins Spiel gekommen. Und tatsächlich: „Toni“ kam, sah und traf – zum 3:3-Endstand (90.+1).

Wenn man mit 3:2 in die Nachspielzeit geht, muss man so einen dreckigen Sieg einfach nach Hause bringen.

Bochums Trainer Thomas Reis haderte mit seinen Spielern

Selbst Bochums Trainer Thomas Reis bezeichnete das Ergebnis als „absolut verdienten Punkt für den KSC“ und haderte mit seinen Schützlingen: „Wenn man mit 3:2 in die Nachspielzeit geht, muss man so einen dreckigen Sieg einfach nach Hause bringen.“ Umgekehrt empfand Damian Roßbach, der nach wochenlanger Verletzungspause sein Comeback gegeben hatte, das Unentschieden gar als Verlust zweier Punkte: „Eigentlich hätten wir hier gewinnen müssen.“ Dazu aber fehlte dem KSC einerseits das Matchglück, andererseits – und das in großem Maße – das nötige Schiedsrichterglück. Alois Schwartz jedenfalls ging nach dem Spiel mit den Unparteiischen hart ins Gericht: „Da wurde zweimal so zu unseren Ungunsten eingegriffen, wir wurden so benachteiligt – da ist man draußen machtlos.“

Da wurde zweimal so zu unseren Ungunsten eingegriffen, wir wurden so benachteiligt – da ist man draußen machtlos.

KSC-Trainer Alois Schwartz zeigte sich unzufrieden mit dem Schiedsrichter

Aber der Reihe nach: Fünf Tore, eins davon durch einen Foulelfmeter nach Videobeweis, und eine Gelb-Rote Karte: Die erste Halbzeit hatte aus sportlicher wie emotionaler Sicht sehr viel zu bieten. Nicht begeistert war davon der KSC. Die Gäste fühlten sich als Leidtragende der turbulenten Ereignisse. Schon bis zur 16. Minute verlief die eigentlich sehr faire Partie abwechslungsreich. Der KSC ging nach einer Ecke von Marc Lorenz durch das siebte Saisontor von Kopfballschütze Philipp Hofmann zwar in Führung (8.), kassierte aber bald darauf, ebenfalls per Kopf nach Eckball, durch Saulo Decarli den Ausgleich (10.). Kurz darauf landete ein Kopfballabschluss Hofmanns am Bochumer Außenpfosten (11.).

Fröde sieht Ampelkarte

Und in der 16. Minute gab dann Schiedsrichter Nicolas Winter der Partie einen Kick zugunsten der Gastgeber. Nach Frödes Foul an Simon Zoller im Mittelfeld verwarnte er den Sechser des KSC, der daraufhin flehend, wie zum Gebet, seine Handflächen aneinander klappte und andeuten wollte: „Das war Fuß auf Fuß.“ Winter zeigte Fröde die Ampelkarte (17.). „Wenn jemand so Beifall klatscht“, meinte Schwartz ironisch, „dann hat er ein Problem mit der Koordination.“ Trotzdem ging der KSC in der 21. Minute ein zweites Mal in Führung. Nach toller Vorarbeit von Damian Roßbach über links musste Kyoung-Rok Choi dessen Hereingabe nur einschieben.

Zum Nachlesen: Der Live-Ticker von der Sonntags-Partie

Kurz darauf, das Spiel lief schon im Mittelfeld weiter, schaltete sich nach einer Szene im KSC-Strafraum der Videoschiedsrichter ein. Und nach Betrachtung der beanstandeten Situation entschied Winter wegen eines Fouls von Daniel Gordon an Vitaliy Janelt auf Strafstoß für den VfL. „Niemand hat protestiert“, stellte Schwartz fest. „und wenn der Videoassistent das Foul sieht, dann muss er vorher die klare Abseitsstellung der Bochumer auch sehen“. Danny Blum war‘s egal, der neben Zoller zweite Ex-KSCler in der Bochumer Startelf, stellte den 2:2-Ausgleich her (30.). Nach Anstoß des KSC waren keine 60 Sekunden vergangen, als zunächst eine Flanke der Hausherren an den Pfosten des KSC-Tores klatschte. Mit dem Nachschuss brachte Cristian Gamboa den VfL in Führung (31.).

Wir wussten: So lange es nur 3:2 für Bochum steht, ist das Ding noch nicht unbedingt durch.

KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer

Nach der Pause bekamen die Gäste nach einem unglücklichen Foul von Manuel Riemann an Marvin Wanitzek die Chance zum 3:3 – ebenfalls vom Punkt. Doch der VfL-Keeper wehrte den nicht sonderlich platzierten Schuss von Lorenz ab (47.). „Wir wussten: So lange es nur 3:2 für Bochum steht, ist das Ding noch nicht unbedingt durch“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer hinterher. Klar: Bochum hatte Möglichkeiten für ein viertes Tor. Aber das fiel nicht. Schwartz hatte noch ein Ass im Ärmel: Fink. Der war dann erst zwei Minuten auf dem Feld, als der KSC eine Ecke erzwang. Diese brachte Bochum nicht aus der Gefahrenzone und Fink traf zum 3:3. „Das war ein Sieg der Moral. Unsere Mannschaft hat einen überragenden Charakter“, fand KSC-Präsident Ingo Wellenreuther.

Das war ein Sieg der Moral. Unsere Mannschaft hat einen überragenden Charakter.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther

VfL Bochum: Riemann – Gamboa (79. Celozzi), Decarli, Lorenz, Soares – Losilla – Janelt, Maier (69. Weilandt) – Zoller (83. Pantovic), Blum – Ganvoula.
Karlsruher SC: Uphoff – Thiede (90. Fink), Gordon, Pisot, Roßbach (80. Pourie) – Fröde, Wanitzek – Stiefler, Lorenz – Choi (46. Groiß), Hofmann.
Schiedsrichter: Winter (Freckenfeld), Zuschauer: 14 954, Tore: 0:1 Hofmann (8.), 1:1 Decarli (10.), 1:2 Choi (21.), 2:2 Danny Blum (29., Foulelfmeter nach Videobeweis), 3:2 Gamboa (31.), 3:3 Fink (90.+1).
Gelb-Rote Karte: Fröde wegen unsportlichen Verhaltens (17.).
Gelbe Karten: Blum (2), Gamboa – Roßbach (2), Stiefler (2).